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Fitness: Ein Club für echte Kämpfer

von dpa Quelle: Handelsblatt Online

Im Essener "Recover Fight-Club" darf nur trainieren, wer seinen Schweinehund vor der Tür abgibt. Die Mitglieder werden vom Chef selbst ausgesucht. Wer durchfällt, muss weiter bei den "herkömmlichen" Studios trainieren.

Junge Frauen trainieren im Recover Fight Club in Essen. Quelle: handelsblatt.com
Junge Frauen trainieren im Recover Fight Club in Essen. Quelle: handelsblatt.com

Wer bei Andreas Büdeker trainieren will, muss seinen inneren Schweinehund vor der Tür lassen. „Unser Club ist nur für echte Kämpfer“, sagt der 47 Jahre alte Fitnessclub-Besitzer aus Essen. In seinem „Recover Fight-Club“ ist das Training anstrengender als in herkömmlichen Fitnessstudios. Wer bei den Trainingsstunden - ein harter Drill aus Konditions- und Boxübungen - mitmachen darf, bestimmt der Chef. „Wir suchen uns die Leute raus, die bei uns trainieren“, sagt der Essener. Fitness für alle? „Unser Konzept ist nichts für die Masse“, betont der ehemalige Personenschützer. „Und das soll auch so bleiben.“

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Sie laufen, Runde um Runde. Wenn Tiran das Signal gibt, stoppen sie abrupt und gehen zu Boden. Liegestütze. „Zehn!“, ruft Trainer Tiran Mkrtschjan. Die fünf Frauen und zwei Männer folgen dem Befehl, bevor es mit Boxschlägen weitergeht. „Jetzt reden die noch, aber in zwanzig Minuten sind alle still“, sagt Mkrschtjan augenzwinkernd über die Teilnehmer seiner Trainingsstunde - die gerade erst begonnen hat.

Was andernorts so manchen nach fünf Minuten überfordern würde, gehört in Essen zum Aufwärmen. Doch Trainer Mkrschtjan - ehemaliger Europameister im Kickboxen - stellt klar: „Keiner steht hier mit der Peitsche und schlägt auf die Leute ein, dass sie weitermachen.“ Wem es zu viel werde, könne Pause machen. Oder gleich zu der Sauerstoffflasche greifen, die am Rande des Boxrings steht.

„Manchmal brauchen wir die“, erzählt Mkrschtjan, einer von fünf Trainern in dem Club. Jeder macht sein eigenes Programm mit den Fitnessfans.

Diese Abwechslung gefällt Hans-Günther Brosius. „Ich bin nie gerne ins Fitnessstudio gegangen. Das war einseitig und langweilig“, erzählt der Softwareentwickler, der seit zwei Jahren im „Fight-Club“ trainiert. „Am Anfang war es hart, aber dann wird man fit“, sagt der 51-Jährige aus Velbert. Auch Gisela Hammes (43) findet: „Besser kann man gar nicht trainieren.“ Aber ist das ständige Laufen, Boxen, Springen nicht zu hart? „Fünf mal die Woche könnte ich das nicht, aber zweimal geht das“, sagt die durchtrainierte Frau.

Massentauglich ist der Essener Club, in dem rund 200 Mitglieder trainieren wirklich nicht. „Über die eigene Schmerzgrenze hinaus zu gehen, ist für viele ganz schwer“, sagt Gründer Büdeker. Mit seinem Konzept, nur „willensstarke Kämpfertypen“ aufzunehmen, ist sein 2004 gegründetes Studio die Ausnahme im deutschen Fitnessmarkt. Von den mehr als 7.000 Anlagen bundesweit bietet fast jeder Training für Jedermann an. Clubs in der Essener Art gibt es nur wenige - zwischen 20 und 50, schätzt ein Mitarbeiter des Beratungsunternehmens „Deloitte“, das gerade eine Studie zum Deutschen Fitnessmarkt 2011 veröffentlicht hat. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Für Sportwissenschaftler Peter Preuß von der Sporthochschule Köln sind solche Drill-Clubs ein klares Nischenprodukt. „Neunzig Prozent der Menschen würde so ein Training überfordern“, sagt der Sportlehrer. Manche reize aber gerade das Extreme.

Der Sportler warnt jedoch vor den Risiken zu harten Trainings.

Moderates Ausdauertraining sei gerade für stark Gestresste die bessere Variante. Büdeker dagegen meint: „Wer hart arbeitet, muss hart trainieren, um den Kopf freizukriegen.“ Für Sportwissenschaftler Preuß ist allerdings klar: „Der Kopf macht vor dem Fleisch schlapp.“ Da hilft wohl auch keine Sauerstoffflasche mehr.