Flugverkehr: EU will Verbot von Flüssigkeiten im Handgepäck ab 2010 kippen

Flugverkehr: EU will Verbot von Flüssigkeiten im Handgepäck ab 2010 kippen

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Dürfte ab 2010 ein Ende haben: Kontrolle von Flüssigkeiten im Handgepäck eines Fluggasts

Ab April 2010 dürfen Flugpassagiere in Europa wieder unbegrenzt Getränke und Cremes mit an Bord nehmen. EU-Transportkommissar Antonio Tajani will die geltende Beschränkung kippen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat er schon alle entscheidenden Hürden genommen, bestätigte die EU-Kommission der WirtschaftsWoche.

Europas Flugpassagieren möchte Antonio Tajani einen großen Dienst erweisen. Der EU-Transportkommissar will bis zum April 2010 die geltenden Beschränkungen für das Mitnehmen von Flüssigkeiten im Handgepäck kippen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Tajani schon alle entscheidenden Hürden genommen, wie die EU-Kommission der WirtschaftsWoche bestätigte. Die Unterstützung der EU-Staaten hat er sich gesichert. Alle EU-Länder sind für die Abschaffung – bis auf Deutschland. Trotzdem muss auch Deutschland die bisherigen Vorschriften lockern, da für diesen Beschluss keine Einstimmigkeit erforderlich ist. Auch die Zustimmung des Europaparlaments gilt als sicher.

Derzeit dürfen Fluggäste nur Flüssigkeiten und Cremes mit an Bord nehmen, wenn die in Behältern von höchstens 100 Milliliter Größe stecken und die Tuben und Fläschchen wiederum in einen verschließbaren durchsichtigen Plastikbeutel von höchstens einem Liter Größe passen.

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Diese Vorschrift wurde 2006 eingeführt, als Terroristen versuchten, Chemikalien durch die Kontrollen zu schmuggeln und diese zu flüssigem Sprengstoff zu mischen. Ursprünglich sollten die Beschränkungen nur vorübergehend gelten, aber bisher scheiterten alle Versuche, sie aufzuheben.

Nun hat sich jedoch der Druck auf Europa erhöht, die Restriktionen zu lockern. Denn der Chef der US-Transportsicherheitsbehörde TSA, Kip Hawley, hat in der vergangenen Woche angekündigt, dass die USA ihr Flüssigkeitsverbot binnen eines Jahres abschaffen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bis zum Herbst 2009 technisch in der Lage sind, an allen Airports gefährliche von ungefährlichen Flüssigkeiten zu unterscheiden“, versprach Hawley in einer Mitteilung auf der Internetseite der TSA. Möglich wird die Änderung durch neuartige Geräte, die bei der Sicherheitskontrolle fehlerfrei unterscheiden können zwischen flüssigem Sprengstoff, Limo, Zahnpasta oder Kosmetika.

Noch ist allerdings unklar, ob in Europa alle Flughäfen pünktlich zum Stichtag diese Geräte besitzen. „Wir sind nicht optimistisch, ob dieser sportliche Zeitplan einzuhalten ist“, sagt Ralph Beisel, Chef der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.

Die entsprechenden Prüfgeräte haben die großen drei Hersteller Smiths Detection aus Großbritannien sowie die US-Konkurrenten L3 und Rapiscan, die zusammen rund 80 Prozent des Marktes beherrschen, zwar seit gut einem Jahr im Programm. Doch für eine flächendeckende Kontrolle wären europaweit wohl mehr als 2000 Maschinen notwendig. „Und so viele können wir in der verbleibenden Zeit eigentlich nicht bauen“, sagt ein Manager eines Herstellers. Zudem droht die Finanzierung zum Problem zu werden. Die EU-Kommission fürchtet, die Hersteller könnten die Gunst der Stunde nutzen und ihre Preise anheben. „Die Hersteller könnten versucht sein, das auszureizen“, heißt es in der zuständigen Generaldirektion. „Der Preis könnte sich verdreifachen.“

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