Fonds: 3000 Fonds und ihre Manager im Test

Fonds: 3000 Fonds und ihre Manager im Test

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Investmentsfonds

von Martin Gerth, Heike Schwerdtfeger und Annina Reimann

Wer sein Vermögen in Fonds anlegt, sollte nicht nur auf Renditekennziffern achten. Welche Portfolios die besten Noten für Ertragszuwachs, Risiko und Kosten bekommen. Und was für schillernde Köpfe hinter den Fonds stecken.

Leo Willert ging denselben Weg wie Michael Schumacher. Zum Autorennen kam er durch Gokart-Rennen. Und vielleicht säße der 42-jährige Wiener immer noch in den kleinen Flitzern, wenn er nicht mit dem Managen von Fonds reich geworden wäre. Heute fährt er ab und an mit einem 440 PS starken Aston Martin Vantage in der GT4-Klasse über die Rennstrecken Europas und trug sich etwa 2008 auf der berühmten Strecke im britischen Silverstone als 14. in die Rennliste ein.

Rennlisten kennen auch Fondsanleger: nach monatlicher oder jährlicher Wertentwicklung der Fonds sortierte Übersichten. Doch solche Rennlisten sagen nur die halbe Wahrheit. Sie verschweigen, unter welchen Risiken ein Manager den Fonds fährt; ob er ohne sein aktives Zutun nur zufällig gerade gut dasteht, weil der von ihm stur nachverfolgte Index einen Aufschwung vollzogen hat; oder ob er nur sehr kurzfristig Erträge aufpoliert hat, um so mehr Anleger in seinen teuren Fonds zu locken, die ihm für die nächsten Jahre ein gesichertes Einkommen auch bei Faulheit garantieren.

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Um Faulpelze und hochriskante Strategien auszusortieren, hat die WirtschaftsWoche 3074 Fonds aus den Kategorien, in die Anleger am häufigsten investieren, einem Intensiv-Check unterzogen. Wer schafft ordentliche Kurszuwächse, ohne mit Vollgas auf den Abgrund zuzurasen, wer mischt seinen Fonds aktiv und klebt nicht nur am Index? Welche Gebühren dürfen Investoren dann tragen? Aus dem Universum der gut 3000 Fonds in sechs Kategorien blieben schließlich 73 Fonds übrig – alle sind grundsätzlich für ein Anlegerdepot geeignet.

Einige der besonders erfolgreichen Manager haben auch eine besondere Geschichte. Hinter vielen der Fonds stecken Menschen, die nicht einfach aus einem Frankfurter Büroturm heraus ihre Fonds per Excel-Tabelle lenken. Viele der Besten sind in der Welt herumgekommen. Sie haben ihre persönlichen Marotten, die auch Einfluss auf die Anlage der Kundengelder haben. So wie Leo Willert.

Der Ikea-Vermarkter

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Willert ist ein Vielkönner. Er hat Soziologie studiert, Marketing für Ikea gemacht und für das österreichische Fondshaus C-Quadrat Fondsinformationen zusammengestellt – das, was im Fachchinesisch Factsheet heißt. Nebenbei entstand eine Datenbank mit Fondsdaten, die Willert für das Management seines eigenen Geldes nutzte. Als er sich 2003 mit dem Wunsch an C-Quadrat wandte, einen eigenen Dachfonds zu managen, den er mit vielen verschiedenen Einzelfonds bestücken wolle, hat ihn mancher dort für etwas spinnert gehalten. Kaum jemand hatte die Erwartung, dass sich Willert mit seinen Kenntnissen irgendwann in Fondsvergleichen gegen eingefleischte Manager mit jahrzehntelanger Erfahrung durchsetzen könnte. Denkste.

Heute arbeitet Willert als Berater für 13 verschiedene Fonds und Fondsanbieter wie den Versicherer Deutscher Ring und verwaltet 1,3 Milliarden Euro. Er entdeckt dabei Parallelen zu seiner privaten Leidenschaft: „Die kurzfristige Wertentwicklung eines Fonds zählt genauso wenig wie die schnellste Runde in einem Autorennen, das über viele Stunden geht. Da ist es wichtig, das Material gleichmäßig zu belasten und das Auto sicher durchzubringen.“ Nüchtern lässt er per Computer Trends aufspüren, versucht bei Brüchen an den Märkten rechtzeitig auszusteigen, bei Wenden nach oben früh dabei zu sein.

100 Millionen in einer Woche

Im WirtschaftsWoche-Vergleich der weltweit in Aktien, Anleihen und Derivate anlegenden Mischfonds kamen gleich mehrere von Willert betreute Fonds unter die Besten. Für risikobereite Anleger eignet sich etwa der Mischfonds C-Quadrat Arts Total Return Dynamic, weil dieser bis zu 100 Prozent seines Fondsvermögens in Aktien stecken kann und dies derzeit auch wieder tut. Willerts Computer gibt bei diesem Fonds richtig Gas. Bei anderen – wie dem RAM Wachstum– darf er nur 60 Prozent in Aktien investieren und muss den Rest in Renten- oder Geldmarktfonds packen. Die Datenbank von einst wurde stets erweitert auf heute 10.000 Investmentfonds, darunter inzwischen auch viele börsengehandelte Indexfonds. Jeden Mittwoch und Donnerstag lässt Willert den Computer aus den Fondsdaten wieder diejenigen Märkte herausfiltern, die Signale für steigende Kurse senden. Auch die Kauf- oder Verkaufsaufträge übernimmt der PC. „In turbulenten Wochen schlagen wir schon mal 100 Millionen Euro mit den Einzelfonds um.“

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