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Frauenförderer Gerhard Cromme : Mehr Frauen für Siemens und ThyssenKrupp

von Andreas Wildhagen

Als Chefkontrolleur von ThyssenKrupp und Siemens will Gerhard Cromme den Frauenanteil steigern.

Ekkehard Schulz (l), Berthold Quelle: dpa
Ekkehard Schulz (l), Berthold Beitz, Heinrich Hiesinger, Gerhard Cromme (r) Quelle: dpa

Zwei feindliche Übernahmen in der Stahlbranche hat Gerhard Cromme im Laufe seiner Karriere bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Doch derzeit steht er vor der wohl härtesten Fusion seiner Laufbahn: Als Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens und ThyssenKrupp soll der 67-Jährige die Männer- und Frauenwelt zusammenbringen.

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Cromme ist zwar Vater von vier berufstätigen Töchtern, als Frauenversteher ist er jedoch umstritten. Schon früh eignete er sich die flotten Sprüche der Stahlarbeiter an und witzelte, Vorstände und Aufsichtsräte seien keine „Kaffeekränzchen“. Mit dem Spruch verscherzte er es sich nicht nur bei vielen Frauen, sondern verärgerte auch die Kaffeeindustrie. „Kaffee wird nachmittags nicht nur von Frauen getrunken“, ätzte eine Tchibo-Managerin zurück.

Zu deutsch, zu männlich

Aber die Zeiten ändern sich: Cromme agiert inzwischen in doppelter Mission – beide Male für Frauen. Dem neu berufenen Siemens-Chef Peter Löscher beschied er, der Konzern sei „zu deutsch, zu weiß, zu männlich“. Prompt berief Löscher in den ersten zwölf Monaten seiner Amtszeit folgsam zwei Top-Managerinnen in den Vorstand. Brigitte Ederer wurde Personalchefin, Barbara Kux bekam das Einkaufsressort und erhielt gleichzeitig die Verantwortung für das Nachhaltigkeitsmanagement im Konzern mit 400.000 Beschäftigten. Von acht Vorstandsmitgliedern zwei Frauen – Rekord in deutschen Dax-Konzernen.

Bei ThyssenKrupp blieb eine derartige Bilanz bislang aus. Hier hindert Cromme eine eingefleischte Firmenkultur an der Verfolgung seines Ziels, mehr Frauen in höhere Positionen zu hieven. Die Mannschaft des Industrieunternehmens ist konservativ, zum Teil auch rückständig. Stahlkocher halten ihre Arbeit auch in höheren Managementpositionen für unbedingt männlich.

Wenig Frauen im Hüttenwesen

Effekt: Ab der Führungsebene eins abwärts, also bei Bereichsvorständen und Geschäftsführern, beträgt der Frauenanteil mickrige sechs Prozent. In den Teilkonzernen Stahl und Edelstahl ist die Quote sogar noch niedriger.

Das liege aber nicht nur an der schwergewichtigen Materie der Stahlschmelze, sondern auch daran, „dass nicht genug Frauen Maschinenbau und Hüttenwesen“ studieren, sagt ein ThyssenKrupp-Manager. Das stimmt zwar, hört sich aber nicht so gut an wie Crommes Devise, bis 2015 trotzdem 20 Prozent Frauen im Management von ThyssenKrupp vorweisen zu können.

Gerade erst hat er einen neuen Vorstandsvorsitzenden berufen: Heinrich Hiesinger. Der hat früher bei Siemens unter Löscher gearbeitet und hätte aktuell die Chance dazu, etwas für Crommes Plan zu tun.

Vor Kurzem ist ihm Finanzchef Alan Hippe abhanden gekommen. Hiesinger könnte also eine Frau zur ThyssenKrupp-Finanzchefin machen. Könnte. Wie ernst es die Stahlgranden damit wirklich meinen, ließ Cromme auf der jüngsten Hauptversammlung durchblicken. Dort saß auch die Wirtschaftsweise und Mainzer Ökonomieprofessorin Beatrice Weder di Mauro als Mitglied des Aufsichtsrats. Sie sorge schon dafür, dass bei ThyssenKrupp der Führungsnachwuchs „nicht in Männerrunden ausgekungelt wird“, sagte Cromme in süffisantem Unterton. Es klang eher nach einem Kaffeekränzchen. Männerrunden gehören zu ThyssenKrupp wohl doch noch wie der Erz zum Stahl und das Bier zum Revier.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 07.02.2011, 14:20 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    im Grunde ist das ja gar nicht schlimm. Mein Studium an der RWTH Aachen lehrt, dass es wichtig ist, zahlreiche sexuelle begegnungen zu absolvieren, bis man die "richtige" Partnerin findet. in der Elektrotechnik i - Vorlesung saßen 800 Männer und 2 Frauen im Saal.

    Übrigens: warum eigentlich?

    Es gibt keine Geschlechtertrennung an der Uni. Niemand verweigert einer Frau das Recht zu studieren. ich kenne einige Frauen in meiner techniklastigen Arbeitswelt, die Spitzenfachfrauen sind und es macht Spaß mit ihnen zu arbeiten. Warum gibt es nur so wenige davon?

    Einfach: so ein Studium ist ultrahart. Das steht kaum eine Frau durch, denn als Frau hat man immer noch die Piech-Option: durch Anheiraten Chefin werden. Umgekehrt geht es leider kaum: Männer haben eben weniger Optionen.

    Werden Männer diskriminiert? So gesehen: selbstverständlich. Man muss ein grausiges Monster sein, um das zu leugnen.

    Helfen dagegen irgend welche sozialistischen Quoten?

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