Führungs-Spitzen: Bitte nicht in Tränen ausbrechen!

 
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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder will endlich mehr Frauen in Topjobs sehen und plädiert daher für Rankings, die ausweisen, wie viele Frauen in einem Unternehmen in Führungspositionen arbeiten. Der so aufgebaute öffentliche Druck könnte schneller zum Ziel führen als eine gesetzliche Quotenregelung. Doch nun kommen die ersten Klagerufe der Männer, die um ihre Jobs fürchten.

Der Hamburger Wirtschaftsjournalist Dietmar Student fordert die Stilllegung der sieben ältesten Aufsichtsratsvorsitzenden im Dax, um so die Diskussion um die Frauenquote ähnlich zu befrieden wie die um die Atomkraftwerke. Wie in den meisten Witzen steckt auch in dem ein Körnchen Wahrheit, denn tatsächlich werden künftig überall da Frauen in die Aufsichtsgremien einziehen, wo die Fünfjahresverträge der Herren auslaufen. Neue Kontrolleurinnen angekündigt haben bereits Qiagen, Linde, Volkswagen, Munich Re, Daimler und Deutsche Bank. Das Etappenziel „Mehr Frauen in die Kontrollorgane“ ist daher bereits in Sicht.

Der Sturm auf diese Bastille konnte nur dank dem öffentlichen Druck gelingen, der sich in den vergangenen Monaten aufbaute. So sahen sich die 30 Dax-Unternehmen in der vergangenen Woche genötigt, Erklärungen zur Frauenfrage abzugeben, in der sie ihr Bekenntnis zur Chancengleichheit beteuern und sich verpflichten, die „systematische Förderung und Beteiligung von Frauen noch stärker als bisher in der Personalpolitik und bei der Weiterentwicklung der Unternehmenskultur zu verankern.“ Auf konkrete Ziele oder Zeitpunkte konnten sich die Herren allerdings immer noch nicht einigen.

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Outing für die Dinosaurier

Daher ist es gut, wenn Kristina Schröder den Druck auf den Kessel weiter erhöht und bis 2013 die Verdreifachung der Zahl der Frauen in den Führungsgremien fordert. Rankings alleine sind da wohl nicht genug, aber wenn künftig in jedem Geschäftsbericht stünde, wer wie viele Frauen auf welcher Ebene beschäftigt, würden die Dinosaurier-Organisationen plötzlich sichtbar.

Der weibliche Führungsnachwuchs weiß dann schon, wo er die Bewerbungen am besten hin schickt. Frauenfreundliche Unternehmen würden so Wettbewerbsvorteile auf dem Personalmarkt erzielen – und die anderen müssten strampeln, um aufzuholen. 

Dekadenlang anders herum

Vorschläge wie diese reichen allerdings schon, um viele Männer aufjaulen zu lassen. Viele meinen, sie müssten sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen, um überhaupt noch Chancen auf einen Entscheiderjob zu haben. Das ist, mit Verlaub, lächerlich. Zwar sind inzwischen auch vermehrt Frauen auf den Kandidatenlisten der Personalberater aufgetaucht, aber nach wie vor sind laut WiWo nur 21 der 668 Spitzenpositionen bei börsennotierten Gesellschaften im Lande mit Frauen besetzt. Da ist also noch jede Menge Luft, bevor Männer ernsthaft behaupten könnten, sie würden jetzt diskriminiert. Die männlichen Heulsusen, die sich nun über 30 Prozent weibliche Namen auf den Vorschlagslisten für anstehende Beförderungen aufregen, sollten sich klar machen, dass die Verhältnisse dekadenlang anders herum waren. Wer sich damals keine Gedanken über Diskriminierung gemacht hat, braucht jetzt auch nicht in Tränen auszubrechen.

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