Führungs-Spitzen: Die dunkle Seite der Macht

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Silvio Berlusconi

Kolumne

Dass es eine dunkle Seite der Macht gibt, wissen wir, seitdem Abraham Lincoln empfahl: „Wenn du den Charakter eines Menschen testen willst, gibt ihm Macht“. Immer schon sind einflussreiche Leute der Versuchung verfallen, im Spiegel ein von allen Gesetzen für Normalsterbliche befreites Genie zu entdecken, doch derzeit häufen sich die Ego-Eskalationen.

In der Zeitung geht es fast immer um Macht und was sich mit ihr anstellen lässt. Derzeit allerdings handeln die Nachrichten vor allem davon, was Macht mit den Leuten anstellt, die sie innehaben. IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn wird versuchter Vergewaltigung beschuldigt, Israels ehemaliger Staatspräsident Mosche Katsav sitzt wegen Sexualdelikten für sieben Jahre im Gefängnis, Italiens Silvio Berlusconi steht wegen Sex mit einer Minderjährigen vor Gericht.

Maurice Schweitzer von der Wharton Business School schreibt Essays über Topmanager, Ärzte und Juristen, die sich nicht entschuldigen können, weil sie die Bitte um Verzeihung immer auch als Machtverlust wahrgenehmen. Unter Einflussreichen gelte: Wer sich nicht entschuldigt, kommt mächtiger rüber. Schließlich sagte schon Henry Kissinger: „Akzeptiere dich wie du bist, du bist der Anfang und das Ende – keine Entschuldigungen, keine Reue.“

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Das Ende der guten Manieren

Deborah Gruenfeld von der Standford Business School beweist im Experiment: Schon unter Studenten leiden die Manieren, sobald sich einer als Chef fühlen darf. Wird unter drei Probanden einer zum Vorgesetzten gemacht, frisst der sodann den anderen im Konferenzraum die Kekse weg. Das Krümelmonster mag im Experiment ja noch ganz lustig sein, aber im Berufsalltag wird es schwierig, wenn alle Eigenschaften, die einen Menschen zum Chef bestimmten – Teamgeist, Motivationsfähigkeit, Nüchternheit, Urteilskraft – vergessen sind, sobald dieser Mensch tatsächlich oben auf der Karriereleiter angekommen ist.

Dummes Zeug? Nicht ganz, tatsächlich belegte Gruenfeld anhand der Analyse amerikanischer Gerichtsentscheidungen: Je höher in der Hierarchie ein Richter steht, desto simpler die Urteilsbegründungen. L'état, c'est moi!

Und in den Unternehmen? Der Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger schreibt: „Es ist eine empirisch gesättigte Binse, dass in vielen Unternehmen hochpathologische Persönlichkeitsstrukturen gute Karriereaussichten haben. Sie gelten als 'schwierig', aber, und das ist wichtiger, als zielorientiert.” Nun gibt es dazu zwei Haltungen. Die eine lautet: Was soll's, wenn die Selbstvergessenheit im Chefsessel zu guten Erträgen führt, dann muss man eben die Augen zudrücken. Die andere ist: Kann man einem Menschen Mitarbeiter, Budgets und Projekte anvertrauen, dem das Hemd der eigenen Grandiositätsphantasie näher ist als der Rock der Kaufmannsehre?

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