Führungs-Spitzen: Die Farce der FIFA

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FIFA-Präsident Sepp Blatter während einer Pressekonferenz in Zürich. Alle Vorwürfe seien frei erfunden.

Kolumne

Die Erde ist eine Scheibe, der Mond ein Edamer Käse und bei der Fifa geht es mit rechten Dingen zu. Alle Korruptionsvorwürfe sind frei erfunden, Erfindungen von „Teufelchen“ wie Fifa-Präsident Sepp Blatter bei einer Pressekonferenz in Zürich die Kritiker nannte, denn: Die Fifa hat keine Krise! Da fragt sich da der Beobachter: Was wäre, wenn sich alle Unternehmen so benehmen könnten?

Geht es nach Josef Blatter, sind immer die anderen schuld, allen voran der Chef der britischen Football Association FA, David Bernstein. Hatte der doch die Frechheit, die Wahl zum Fifa-Chef mit nur einem Bewerber mit einem Rennen zu vergleichen, in dem nur ein Pferd startet. „Es sieht so aus, als habe England immer was zu meckern“, sekundierte Argentiniens Fifa-Vertreter Julio Grondona, der sich geistig wohl immer noch im Falklandkrieg befindet. Bei einer Anhörung im Mai hatte der ehemalige FA-Chef David Triesman vier Mitglieder der Fifa-Exekutive - Nicolas Leoz, Jack Warner, Ricardo Teixeira und Worawi Makudi - der Bestechlichkeit beschuldigt. Ihr Wahlverhalten bei der Vergabe von Austragungsorten sei eine Frage von Gegenleistungen gewesen. Danach schrien mehrere Führungsmitglieder „Foul!“ wegen der Wahl von Katar für die Weltmeisterschaft 2022. Der Fifa-Ethikrat tagte, das einsame Pferd startete sein Rennen – und der Sepp bleibt weitere vier Jahre Fifa-Präsident und die WM22 in der Wüste.

Die Fifa ist auch bloß ein Unternehmen

Wäre das nicht toll, wenn alle Unternehmen sich so verhalten dürften? Im Konzern ist der halbe Vorstand korrupt – und sich einig, dass an dem daraus resultierenden Ärger die Miesmacher schuld sind, die den Skandal aufdecken. Daraufhin säubert die interne Revision den Chef, der sodann vom Aufsichtsrat im Amt bestätigt wird. Hinterher stellen sich alle hin, singen die Unternehmenshymne und verkünden, dass an dem ganzen Ärger der Corporate Governance Kodex die Schuld trage.

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Die Miesmacher im Laden werden kaltgestellt und angepöbelt, der Vorturner turnt weiter und alle ungewaschene Wäsche bleibt in der großen, schmuddeligen Familie: „Die Fifa braucht einen starken Führer, ich möchte das sein,“ sagt Blatter. So was hätte auch von Enron-Chef Jeffrey Skilling stammen können oder von Worldcoms  Bernie Ebbers. War da noch was? Herrje, die sitzen inzwischen für die Ergebnisse ihres Managements im Gefängnis, Sepp Blatter hingegen fest im Sattel.

Möglich machen das die Vertretertypen, die Blatter den Steigbügel halten, darunter so mächtige Vorkämpfer für Demokratie wie Guinea, Vanuatu, Togo und der Deutsche Fußball-Bund. Deren Engagement erlaubte es Blatter, nach seiner Wahl den „radikalen“ Vorschlag zu machen, die Vergabe der Weltmeisterschaften künftig nicht mehr nur vom Exekutivkomitee abwickeln zu lassen, sondern stattdessen vom gesamten Kongress der Fifa. Das ist so revolutionär wie Toast zum Frühstück – erhöht das doch letztlich nur die Zahl der Personen, die bestochen werden müssen. Diese Neuerung macht die Sache für die Bewerberländer nicht schwieriger, nur teurer - aber sie können ja schon mal anfangen zu sparen, es ist Zeit genug, bis einschließlich 2022 sind die Spiele vergeben, Blatter sei Dank.

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