Führungs-Spitzen: Im Tal der Ahnungslosen

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

Brav sagen 49 Prozent der Befragten in Deutschland, ihnen sei das Geschlecht ihres Chefs egal. Doch der dünne Lack der politischen Korrektheit über alten Vorurteilen splittert leicht: Nach dem Wunsch-Vorgesetzten gefragt, sagen lediglich zehn Prozent, wenn sie es sich aussuchen könnten, würden sie lieber für eine Frau arbeiten. Das ergab eine Studie der GfK, die im Auftrag der „Welt am Sonntag“ jeweils über 500 Männer und Frauen interviewte.

Wer viel fragt, bekommt viele Antworten. Interviewt man Bauern, die nur Blumenkohl kennen, was sie von Spinat halten, ist die Antwort vorhersehbar: Nicht viel! Leute, die grundsätzlich nicht reisen, werden bei einer Studie zu den Bedingungen in Amazonien kaum einen verlässlichen Leitfaden für die Reiseplanung liefern. Und wenn man Menschen fragt, die überwiegend noch nie für eine Frau arbeiteten, ob sie lieber einen männlichen oder einen weiblichen Chef hätten, kommt eben raus, dass die Leute bevorzugen, was sie kennen: Anzugträger. Angesichts der bekannten Daten zu den mageren Zahlen weiblicher Manager im Lande, wäre jedes andere Ergebnis verwunderlich.

Also was lehrt uns diese Umfrage? Dass weibliche Chefs zickig sind und dass deswegen keiner freiwillig in ihrem Team spielen will? Keineswegs. Um herauszuarbeiten, wer lieber für wen arbeitet, müsste man nämlich Arbeitnehmer ins Gebet nehmen, die sowohl mit männlichen als auch mit weiblichen Vorgesetzten Erfahrung haben. Das gleiche gilt, wenn eruiert werden soll, ob es etwa Unterschiede im Führungsstil gibt.

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Nur bedingt hilfreich

Die Studie beweist daher zunächst nur, dass sogar Otto Normalverbraucher inzwischen gelernt hat, dass wertende Aussagen, die Fähigkeiten mit Geschlecht in Verbindung bringen – im Sinn von „Frauen können nicht einparken“ oder „Männer sollten nicht als Kindergärtner arbeiten“ - öffentlich schlecht ankommen. Daher die 49 Prozent, die meinen, im Job sei das Geschlecht egal. Dass auch nur zwölf Prozent der befragten Frauen lieber an eine Frau berichten wollen, verschafft uns lediglich die Erkenntnis, dass die blinde Frauen-Solidarität, die Feministinnen so gerne einklagen würden, nicht existiert. Die allermeisten Frauen wollen nicht für Frauen arbeiten, bloß weil diese auch weiblich sind. 

Doch das sind auch schon die wesentlichen Erkenntnisse der Studie. Ansonsten bestätigt der konkrete Fall erneut, dass Traditionen höchstens im Tempo der Kontinentaldrift weichen: Befragte zwischen 20 und 29 bevorzugen einen männlichen Boss in ähnlich überwältigender Mehrheit wie Befragte zwischen 50 und 59 Jahren. Auch das zeigt nur, dass es auf deutschen Entscheiderebenen einfach noch nicht genug Rollenvorbilder im Rock gibt, um einer anderen Atmosphäre Bahn zu brechen.

Mama im Management

Wirklich interessant an der Untersuchung ist nur, dass Eltern anders reagieren als Kinderlose. Je mehr Nachwuchs die Leute haben, desto eher können sie sich einen weiblichen Chef vorstellen. Das kann daran liegen, dass die Leute von einem weiblichen Chef mehr Verständnis erwarten, sollte ein Mitarbeiter mal wegen kranker Kinder ausfallen. 

Es könnte aber auch sein, dass sich die Leute ihre Töchter anschauen und sich wünschen, dass sie in ihrem Leben machen können, was sie glücklich, zufrieden und wohlhabend macht. Beispielsweise Managerin oder Unternehmerin werden. Mit diesem Ergebnis lässt sich leben

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