Führungs-Spitzen: Kandidatenraten in Frankfurt

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bekräftigte gerade, in 2011 zehn Milliarden Euro vor Steuern verdienen zu wollen. Doch das mediale Hauptinteresse gilt der Nachfolgediskussion. Was dahinter steckt.

Die erste Frage in der Jahrespressekonferenz an Josef Ackermann aber betraf nicht die Strategie, sondern das Personal: „Wenn die Deutsche Bank ihr ehrgeiziges Ziel in diesem Jahr erreichen würde, wäre das für Sie ein Grund, dann schon früher mit diesem Rekord abzutreten?“ Ackermann lächelte zur Antwort und verwies auf seinen bis 2013 gültigen Vertrag. Warum auch sollte er sich selber schon jetzt zur lahmen Ente machen? Wieso überhaupt dieser Theaterdonner um die Nachfolge? 

Hinter den Spekulationen in den Medien stecken mehrere Überlegungen. Ackermann könnte womöglich schon im kommenden Jahr abtreten, weil er selber schon sagte, dass er nicht noch mal drei Jahre am Steuer stehen bleiben möchte. Dies wiederum könnte der Fall sein, weil Ackermann seit gestern 63 ist und einfach nicht mehr mag. Alternativ ist auch zu lesen, er gehe früher, weil er gerne mit einem großen Erfolg abtreten und als Held in die Finanzgeschichte eingehen wolle. Auch ein paar sachliche Gründe werden angeführt: Die Entscheidung müsse bald fallen, so ist zu lesen, denn im April 2012 liefen bei einigen Vorständen – so auch bei Rainer Neske und Anshu Jain - die Verträge aus und es sei nun mal üblich, dass rund ein Jahr vorher klare Verhältnisse definiert werden. Geschehe das nicht, könnten die Kandidaten beschädigt werden und sich am Ende gezwungen sehen, das Haus zu verlassen. Und schließlich werde ein Chef wie Ackermann auch daran gemessen, wie gut er seine Nachfolge bestelle.

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Als Kandidaten handelt die Presse sowohl Neske, den 46-jährigen Privatkundenvorstand, als auch Anshu Jain, den 47-jährigen Chef des Investmentbankings - wenn auch aus sich widersprechenden Gründen. Für Neske spreche laut Analyse der Medien, dass er fürs Privatkundengeschäft stehe, das im Konzern gestärkt werden soll - siehe den Kauf der Postbank. Für Jain spreche, dass das Investmentbanking mehr als 70 Prozent des Geschäfts ausmache. Andere sehen Stefan Krause, den 48-jährigen früheren BMW-Manager und jetzigen Finanzchef weit vorne beim Kandidatenrennen, weil er den Kauf der Postbank so geschickt eingefädelt habe. Und dann ist da noch Hugo Bänziger, der 55-jährige Risikovorstand. Er ist Schweizer – und das spreche in der Branche und unter einem eidgenössischen Chef ja für sich. 

Aufgabe des Aufsichtsrats

Tatsächlich ist nicht bekannt, dass ein groß angelegtes, professionelles, global orientiertes Benchmarkingprogramm zur Suche nach einem Ackermann-Nachfolger bereits liefe. Vermutlich muss das auch gar nicht sein, denn Ackermann und sein Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Börsig sitzen in genügend Gremien und besuchen ausreichend viele internationale Veranstaltungen, um jeden Topbanker der Welt, der in Frage käme, persönlich zu kennen. Und bei einem internationalen Assessment käme vermutlich ohnehin heraus, dass man von den Spitzenbankiers, die bereit sind, nach Frankfurt an den Main zu ziehen, einige der besten schon im Hause hat. 

Bisher lächelte Ackermann nur breit und sagte, über die Nachfolge werde er gemeinsam mit Börsig entscheiden. Recht hat er, denn letztlich ist die Identifikation eines Vorstandsvorsitzenden die Aufgabe des Nominierungsausschusses im Aufsichtsrat. Und der hat Zeit, denn Ackermanns Vertrag läuft noch bis 2013 und kein Unternehmen der Welt benennt derart früh einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Wohl wahr, auch Ackermanns Name fiel bei der Deutschen Bank weit im Voraus – aber dennoch keine zwei Jahre vor dem Stichtag. Außerdem passierte das seinerzeit unter Rolf Breuer und damit unter einem angeschlagenen ersten Mann. 

Statt also Ackermann zu kritisieren, weil er „immer noch keinen Nachfolger hat“, sollte rundherum Genugtuung herrschen. Schließlich ist es der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren gelungen, ein so starkes Team zusammen zu stellen, dass nun der halbe Vorstand als Vorsitzender in Frage käme. Grund zur Nörgelei gäbe es doch nur, wäre das nicht der Fall. Kandidaten werden übrigens nicht beschädigt, wenn sie als solche benannt werden, im Gegenteil. Das ist der Ritterschlag für jede Karriere, insbesondere wenn man bei der Nummer 1 der Branche zu den Kronprinzen gezählt wird. Kein Wunder also, dass auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank so viel gelächelt wurde.

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