Führungs-Spitzen: Keine Aktienoptionen für die jungen Wilden

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

Aktienoptionen werden oft mit moralischer Geste diskutiert, denn die generelle Auffassung ist: Die Stock Options machen Chefs risikofreudiger. Eine neue Studie ersetzt die Moralargumente durch Fakten – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Die Top Executives der 200 größten US-Unternehmen verdienten 2010 im Schnitt 10,8 Millionen Dollar im Jahr – 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Das kam nicht gut an in einem Land, das nach wie vor mit hoher Arbeitslosigkeit und noch höherer Verschuldung ringt. Der moralische Aspekt ist aus meiner Sicht dabei aber weniger interessant als der Fakt, dass dieser Anstieg laut der kalifornischen Vergütungsberatung Equilar daran liegt, dass in USA inzwischen weniger Aktienoptionen und mehr Cash-Boni verteilt werden. Viele Unternehmen haben aus der Krise offenbar die Lektion mitgenommen, dass Stock Options ihre Topmanager zu riskanteren Strategien verleiten und das dies nicht immer gesund ist für ihre Organisation. Boni hingegen wirken erst nach Erfolg.

Auf den ersten Blick wirkt das clever: Geld nur gegen Leistung. Wäre da nicht die Studie des Wharton-Professors Todd A. Gormley. Der untersuchte gemeinsam mit Kollegen der Northwestern University und der Washington University in St. Louis empirisch, welche Vergütungsmittel welches Risikoverhalten zur Folge haben – und dabei kam heraus, dass nicht nur Aktienoptionen die Risikobereitschaft fördern, sondern dass Bar-Boni genauso wirken.

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Aktienoptionen haben zwei Seiten: Wenn sie „on the money“ sind, ihr Ausübungspreis also unter dem Aktienkurs liegt, dämpfen sie die Risikolust der CEOs – weil die ganz einfach den Kurs stabil halten und so den Wert ihrer Optionen sichern wollen. In die andere Richtung allerdings gibt es keine Bremse: Sind Optionen eh nichts wert, kann ein Boss persönlich auch nicht mehr schlechter abschneiden – egal wie weit der Aktienkurs stürzt. Für Cash-Boni gilt das gleiche: Ist das Bonusbudget im Unternehmen bei Null, haben die Manager nichts zu verlieren. Gehen übernommene Risiken schief, ändert sich am persönlichen Kontostand gar nichts, gehen sie aber gut, lockt Geldsegen.

Was Optionen in den Köpfen anrichten

Um herauszufinden, welche Vergütungsmethode in der Praxis wie wirkt, haben Gormley und sein Team Unternehmen untersucht, die von einer neuen gesetzlichen Regulierung getroffen wurden. Für verschiedene Branchen und Konzerne suchten die Forscher nach Unternehmen, die in ihrem Produktionsprozess von einer gesetzlichen Änderung betroffen waren. Welchen Einfluss so eine Regulierung für das Risikoprofil einer Unternehmung haben kann, lässt sich am Beispiel Asbest gut zeigen: Als dessen Verwendung in den USA verboten wurde, gingen 85 Firmen in Konkurs, die Schäden beliefen sich auf 265 Milliarden Dollar. 

Was also bedeutet ein aktuelles Verbot einer von ihnen im Produktionsprozess eingesetzten Substanz mit ähnlicher Tragweite für das Risikoverhalten der betroffenen Topmanager? Die „normale“ Reaktion wäre, das Potenzial für Probleme und Gerichtsverfahren einzudämmen und den Versuch zu unternehmen, so möglicherweise ausgelöste Schwankungen im Cash flow in den Griff zu bekommen. Die untersuchten Firmenchefs mit einem unterdurchschnittlichen Anteil an Aktienoptionen verhielten sich auch genau so – die mit einem überdurchschnittlichen Anteil an Optionen jedoch taten, als könne sie kein Wässerchen trüben: Sie verhielten sich genau wie die Unternehmen ihrer Branche, die gar nicht erst von der Neuregulierung betroffen waren.

Mit einer Ausnahme: Waren ihre persönlichen Aktienoptionen werthaltig, verhielten sie sich risikoavers. Laut Gormley gelte dieses Muster auch für Bar-Boni, wie ja auch die Finanzkrise gezeigt habe. Viele Broker und Verkäufer bei den Finanzdienstleistern hatten Cash-Boni-Elemente in ihren Verträgen, die sich sehr wohl auszahlen, wenn eine riskante Strategie gelingt, aber keine Einkommenseinbußen auslösen, wenn sie scheitert.

Was lehrt uns das? Aktienoptionen laden tatsächlich zu riskanteren Entscheidungen ein. Wenn nun allerdings viele Vergütungskommittees glauben, diese Risikoneigung lasse sich verringern, indem sie ihren Topmanagern Bar-Boni versprechen, ist das kurzsichtig. Boni wirken schließlich ähnlich wie Stock Options. Wer den jungen Wilden im Unternehmen tatsächlich Zügel anlegen will, muss also ganz einfach Aktien ausgeben – und weder Aktienoptionen noch Bar-Boni.

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