Führungs-Spitzen: Macht macht nichts

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Kolumne

Strategien setzen sich nicht von allein um und selten sind sich alle Beteiligten an einer Entscheidung einig, was im Unternehmen getan werden sollte. Gute Ideen allein reichen nicht. Um Erfolg zu haben, müssen viele Führungskräfte erst einmal lernen, wie man eine Machtbasis aufbaut und auch nutzt. Doch dieses kleine, alte Wort „Macht“ macht vielen Angst. Warum eigentlich?

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Fragt man erfolgreiche Entscheider, wie sie's halten mit der Macht, fangen erstaunlich viele an, sich zu winden. Macht habe man doch gar keine, höchstens „Gestaltungsspielraum“. „Macht“ hat im deutschen einen Beigeschmack wie zu altes Wild: In dem Wort klingen für viele zuvorderst unethische Motive mit. Macht wird nicht als ein legitimes Mittel der Veränderung wahrgenommen, sondern als etwas, das man höchstens missbraucht. Gesprochen wird bestenfalls von Führungsqualitäten oder Durchsetzungskraft. Die Menschen im englischen Sprachraum haben es da einfacher, sie sagen „power“, das klingt nach Antriebskraft und daher für deutsche Ohren schon viel positiver.

Keine Frage, Machtspiele im Betrieb um ihrer selbst willen sind Motivationskiller. Doch das ist nur eine Seite; wer Macht als degoutantes Thema einfach abtut, macht es sich zu einfach. Die Wissenschaftler David McClelland und David Burnham* beispielsweise analysierten die Zusammenhänge zwischen der Motivation von Managern und ihrem Erfolg. Es gibt Chefs, die in erster Linie gemocht werden wollen, Chefs die auf fachliche Anerkennung scharf sind und Chefs, die Macht wollen, um andere zu beeinflussen. Der Studie zufolge am erfolgreichsten waren letztere.

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Spielregeln kennen

Aber was tun, wenn alle Abteilungen eigene Ziele verfolgen und gegen jede Veränderung Bedenken anmelden? „Wenn Sie für die Durchsetzung Ihrer Ziele den Einsatz anderer Menschen benötigen und wenn die eigene Ideen haben, was getan werden sollte, werden Sie zwangsläufig einen gewissen Druck ausüben müssen, um weiterzukommen,“ sagt Jeffery Pfeffer von der Stanford University, der sich hauptberuflich mit der Frage beschäftigt, wie sich eine Führungskraft eine Machtbasis erarbeitet.

Pfeffers Thesen sind faszinierend. In seinen Büchern* oder Aufsätzen gibt er unumwundene Ratschläge und sagt beispielsweise: Engagieren Sie außergewöhnlich begabte Leute und achten Sie darauf, dass in Ihrem Umfeld hohe Qualitätsstandards gelten. Konzentrieren Sie sich darauf, dass Ihre Daten und Analysen unanfechtbar sind. Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn andere Ihre Meinung nicht teilen.

Es gibt immer Möglichkeiten, Menschen zu helfen, denn obwohl es selten offen ausgesprochen wird, wäscht letzten Endes doch eine Hand die andere. Wer also über Ressourcen entscheidet, die andere haben wollen – Budgets, Planstellen Informationen - kann sich damit gezielt eine Machtposition aufbauen, denn machtbewusste Menschen belohnen Leute, die ihnen nützen, und bestrafen diejenigen, die ihre Kreise stören.

Menschen gehören lieber zum Team des Siegers als zur Seite der Verlierer, beobachtet Pfeffer und manchmal kann man daher Gegner für sich gewinnen, indem man sie ins eigene Team eingliedert oder ihnen einen Posten im System zuweist. Pfeffers Beobachtung stimmt: Es ist erstaunlich, wie leicht sich die Energien der Menschen umlenken lassen, wenn sie sich als Teil des Siegerteams fühlen dürfen.

Die Tugend der Konzentration

Eine andere Möglichkeit, mit Gegnern fertigzuwerden, besteht darin, sie elegant loszuwerden. Wer also seinem Rivalen eine attraktivere Position in einem anderen Unternehmen verschafft, kann möglicherweise sogar noch mit Dankbarkeit rechnen. Dazu lautet Pfeffers Rat: Bleiben Sie immer charmant und höflich und ermöglichen Sie Gegnern, ihr Gesicht zu wahren. Oder was glauben Sie, warum Aufsichtsräte und Vorstände oft so nett über die Leute reden, die sie aus ihren Unternehmen weg komplimentierten?

Und ansonsten gilt laut Pfeffer das oberste Gebot der Konzentration. Sie müssen genau wissen, wo Sie hinwollen und wie Sie dahin kommen wollen. Wer sich auf Probleme oder Personen einlässt, die nur am Rande etwas mit den eigenen Plänen zu tun haben, verschwendet Zeit und Energie.

Vielen werden Pfeffers Thesen nicht gefallen, doch dass der am längeren Hebel sagt, wo es lang geht, lehrt nicht der Wirtschaftsprofessor, sondern die Realität. Und flache Hierarchien machen Machtkämpfe keineswegs obsolet, im Gegenteil. Es konkurrieren immer mehr um den knappen Platz auf der nächsten Stufe der Leiter - und die interessanten Jobs sind nun mal rar. Die meisten Konzerne haben nur einen Vorstandsvorsitzenden. Pfeffer sagt: „Sie werden es mit Ihren strategischen Plänen nicht weit bringen, wenn Sie nicht in der Lage sind, sich eine Machtposition aufzubauen und diese Macht dann auch zu nutzen.“ Wer nach oben will, wird also nicht umhin kommen, über seine Einstellung zum Thema „Macht“ nachzudenken.

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