Führungs-Spitzen: Mamas im Management unerwünscht

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

Die Rhetorik vieler Unternehmen zur Frauenförderung bleibt Gerede, denn eine aktuelle Studie zeigt, dass nach wie vor viele Chefs schwangere Mitarbeiterinnen am liebsten loswerden würden. Eine gesetzliche Quote wird diesen Sachverhalt nicht ändern – weitere Sonntagsreden der Verantwortlichen allerdings auch nicht.

Nach einem Gespräch mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder im März sahen sich die Personalchefs der 30 Dax-Konzerne genötigt, ihre Frauenförderung  zu verteidigen. Schließlich waren sie trotz einer Selbstverpflichtung zehn Jahre lang so aktiv geblieben wie Faultiere im Tiefschlaf.

Nach einem ministeriellen Rüffel und der Drohung mit einer Quote als Ultima Ratio schrieben die Herren Personalchefs nun, sie wollten, „die systematische Förderung von Frauen noch stärker als bisher in der Weiterentwicklung der Unternehmenskultur verankern.“ Inzwischen hätten sie auch erkannt, „dass gemischte Teams den Unternehmenserfolg nachhaltig untermauern“.

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Mütter werden hier nichts!

Was von diesen schönen Worten zu halten ist, zeigt eine neue Studie der Fachhochschule Frankfurt, die über 1800 berufstätige Mütter befragte. Ergebnis: Immer noch wollen viele deutsche Vorgesetzte eine schwangere Mitarbeiterin am liebsten loswerden. Ein knappes Drittel der Befragten berichtete, ihr Chef hätte auf das kommende Baby negativ reagiert, 12 Prozent meinen gar, ihrem Boss wäre es am liebsten, wenn sie nach dem Erziehungsurlaub erst gar nicht wiederkommen würden. Leider deckt sich das mit Äußerungen, die ich in der Praxis auch immer wieder zu hören bekomme.

Bei sieben von zehn Frauen löste die Schwangerschaft einen Karriereknick aus, bei drei von zehn wurde eine anstehende Beförderung abgeblasen. Fast jede zweite hatte auch bei einer eigentlich fälligen Gehaltserhöhung das Nachsehen: Gestrichen! Nach der Rückkehr in den Job erlebten drei von zehn Frauen, dass ihre Stelle neu besetzt oder abgeschafft war, 17 Prozent der Befragten wurden in einer niedrigeren Position weiterbeschäftigt. Immerhin: acht Prozent bekamen einen besseren Job. Dennoch, die unausgesprochene  Botschaft lautet in allzu vielen Unternehmen immer noch: Mütter werden hier nichts!

Weniger reden, mehr tun

Fazit: Es gibt noch viel Arbeit für die Personalchefs, die künftig weniger über Frauen reden und mehr für sie tun müssen. Ändern wird sich die Situation nämlich nur mit einem von ganz oben vorgegebenen Null-Toleranz-System, das Sanktionen für Machos vorsieht. Wer Schwangere unter Ausreden nicht befördert oder ihnen das Gehalt kürzt, wer über Familienpflichten Witze reißt (das erleben 35 Prozent der Befragten!) oder Mütter bei Terminen und Konferenzen ausgrenzt (was 53 Prozent der Befragten widerfährt), muss zunächst den Bonus gestrichen bekommen und im Wiederholungsfall abgemahnt und gekündigt werden. Macho-Allüren sind schließlich geschäftsschädigend. 

Das setzt jedoch voraus, dass die Frauen im Unternehmen einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner haben, der bei Beschwerden nicht insgeheim denkt: 'Der hat ja recht, der Kollege!' Den Frauen selber kann man nur raten, sich nicht länger an solchen Chefs abzuarbeiten, sondern sich einen neuen Vorgesetzen oder gleich einen neuen Arbeitgeber zu suchen.

Bis 2013 muss sich die Zahl der weiblichen Vorstände und Aufsichtsräte  nämlich verdoppeln, sonst droht Berlin in der Tat mit der gesetzlichen Quote. Es gibt daher immer mehr Unternehmen, die inzwischen begreifen, dass diese Frauen ja irgendwo herkommen müssen. Diese Betriebe lernen dann auch schnell, dass eine Frau, die endlich einen Platz gefunden hat, wo sie Mutter und Managerin sein kann, zu den loyalsten Mitarbeitern überhaupt gehört.

Wie gesagt, für Personalchefs gibt es noch viel zu tun.

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