Führungs-Spitzen: Schizophrenie statt Führungskraft

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

In der Wirtschaft gilt: Wenn sich ein Mensch in der Rolle als Vorstandsvorsitzender einer Gesellschaft als Totalausfall erweist, ist er meist auch als Aufsichtsrat nicht mehr zu halten. In der FDP hat sich das offenbar noch nicht herumgesprochen - doch auch diese Partei wird auf Dauer nicht umhin kommen, die Gesetze guter Führung anzuerkennen.

„Damit es irgendwann auch zum Wirtschaftsminister reicht.“ Unter diesem Motto läuft die neue Anzeige für die Wiwo, adressiert an den designierten Parteivorsitzenden der FDP, Philipp Rösler. Der mag vielleicht Aussichten haben, die fundamentalen Prinzipien zu verstehen, nach denen unsere Wirtschaft funktioniert, die Partei als Ganzes jedoch hat von tragfähigen Regeln der Organisation offenbar wenig Ahnung. Sie hat Guido Westerwelle inzwischen als Parteichef abgeschossen, als Außenminister jedoch bleibt er im Amt. Das ist, gelinde gesagt, schizophren.

Projiziert man den Vorgang in die Wirtschaft, wird die ganze Peinlichkeit des Vorgangs klar: Ein Vorstandsvorsitzender eines großen Konzerns wird monatelang von allen Seiten kritisiert: Intern von den Kollegen, den Mitarbeitern, den Kunden, den Lieferanten und extern von seinen Kreditgebern, den Analysten und der Presse. Schließlich reagiert das Unternehmen und entbindet den Mann von seinen Aufgaben. Die Botschaft ist unüberhörbar: Diese Person ist an ihren Aufgaben gescheitert.

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Gleichzeitig aber behält dieselbe Person eine Position als Aufsichtsratsvorsitzender, wo sie die Verantwortung für ein milliardenschweres Unternehmen und hunderttausende Mitarbeiter tragen muss. Auch diese Botschaft ist klar: Dieser Mensch ist fähig und hat unser volles Vertrauen. Anschließend gibt sich das Unternehmen baff erstaunt, dass der Rest der Welt sich über widersprüchliche Signale wundert. Normal ist das nicht, denn in der Regel gilt: Wer als Vorstandschef spektakulär und publikumswirksam scheitert, tritt auch sonst von allen Ämtern zurück.

Trostpreis Außenministerium

Denn entweder ist Westerwelle als Führungskraft und Parteivorsitzender ein Totalausfall – und so klangen auch die parteiinternen Kritiker monatelang – dann muss er weg. Oder aber er ist in der Lage, als Außenminister eine der größten Wirtschaftsnationen der Welt zu vertreten - dann kann er auch eine kleine Partei leiten. Doch statt klar zu entscheiden, ob Westerwelle als Anführer nun „hui!“ ist oder „pfui!“ ist, wackelt die FDP herum wie ein Lämmerschwanz.

In der jüngsten Sitzung von Präsidium und Landesvorsitzenden lobten die Lokalfürsten die Führungsstärke ihres Guidos, als sei er Gottes Gabe an die FDP: Erst dank seiner Wahlkampferfolge habe die Partei „die parlamentarische Existenz“ zurück gewonnen. Das mag schon sein, doch dann muss sich die FDP auch die Frage gefallen lassen: Warum musste diese angeblich so großartige Führungskraft als Parteichef dann überhaupt entsorgt werden? Oder haben die FDP-Granden da nur eine freundliche Grabrede gehalten für eine Leiche, die jetzt als Widergänger im Außenministerium herum sitzen soll? Solchen unappetitlichen Murks würde in der Wirtschaft spätestens jetzt der Kapitalmarkt abstrafen. Wähler haben leider keine so direkte Durchgriffsmöglichkeit.

Schwache Führung

Wichtiger noch ist die Frage, ob nun Westerwelle das deutsche Außenministerium quasi als Trostpreis behalten darf, weil seine Partei nicht den Mumm hat, für klare Verhältnisse zu sorgen? Welche Bedeutung hat dieses Amt dann noch, wenn einer es ausfüllen kann, den nicht mal seine eigene Partei als Chef akzeptiert? Auch das wäre in der Wirtschaft undenkbar: Ein Manager versenkt in einer Rolle das erfolgsentscheidende Mega-Projekt des Unternehmens – darf aber als Pflaster für sein wundes Ego in einer anderen Rolle  weiter herum experimentieren und im Ausland den Betrieb repräsentieren.

Ein Konzern würde so nur demonstrieren, dass er führungslos dümpelt. Philipp Rösler, Christian Lindner und der neuen Spitze der FDP ist genau das gelungen und die Wiwo wird wohl noch viele Anzeigen schalten müssen, bis diese Leute verstehen lernen, wie die Wirtschaft tickt.

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