Führungs-Spitzen: Tu felix Helvetia!

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

Stuttgart 21, Frauenquote, Einwanderungsgesellschaft - während die Deutschen Prinzipien reiten, verständigen sich die Schweizer friedlich und werden aktiv. Es wäre daher an der Zeit, die Arroganz des großen Nachbarn einzumotten und zu überlegen, was wir von den Freunden südlich des Bodensees lernen könnten.

Eigentlich schade, dass sich nördlich der Alpen nur selten jemand zu fragen scheint, warum die kleine Schweiz mit knapp 7,8 Millionen Einwohnern so überdurchschnittlich vielen Weltunternehmen eine Heimat gibt? Und nicht nur den Banken wie UBS oder Crédit Suisse, auch so unterschiedlichen Konzernen wie Nestlé, Roche, Novartis oder Zurich.

Die Schweizer tun nicht nur international und mehrsprachig, sie sind es auch. In Sachen Wettbewerbsfähigkeit landet ihr Land im Global Competitiveness Report 2010/11 des World Economic Forums auf Platz eins, vor Schweden und Singapur. Und das zahlt sich aus: Gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf sind die Schweizer die viertreichste Nation der Erde – und mal abgesehen von der guten Milch ist das ein weitgehend ohne Rohstoffe erarbeiteter Wohlstand. Intelligentes Wirtschaften ist Trumpf zwischen St. Gallen und Genf und es wäre an der Zeit zu überlegen, was wir von ihnen lernen könnten.

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Offen für intelligente Einwanderer

Ursprünglich ist die Offenheit für Ausländer in den Schweizer Unternehmen aus der Not geboren. Da es in dem kleinen Land nicht genug Toptalente gibt, handelt man eben pragmatisch und holt sie sich aus dem Ausland. Ganz wesentlich für den Erfolg dieses Unterfangens ist, dass Deutschkenntnisse in einem Schweizer Unternehmen nicht zwingend vonnöten sind. Die Schweiz ist von Hause aus dreisprachig und Englisch kann auch fast jeder.

Wir hingegen scheitern schon am Versuch der Zweisprachigkeit, also daran, dass in unseren Vorständen und Aufsichtsräten Englisch ebenso wie Deutsch gesprochen wird. Schuld ist die Mitbestimmung. Ein Aufsichtsratsvorsitzender in Deutschland hat keinerlei Einfluss darauf, wer von der Arbeitnehmerseite in seinem Kontrollgremium zu sitzen kommt, nach wie vor sprechen jedoch viele Betriebsräte erbärmlich schlechtes Englisch. Das verhindert den Einsatz von Ausländern im Topmanagement, denn kommt tatsächlich ein Manager aus Skandinavien, Großbritannien, USA oder Asien, muss wegen der Betriebsräte fast immer ein Simultanübersetzer her. Die Effizienzverluste in der Kommunikation sind dann so groß, dass sie den Nutzen einer ausländischen Besetzung schon fast wieder zunichte machen.

In der Schweiz ist das anders, da gibt es keine Betriebsräte, sondern sogenannte Arbeitnehmervertretungen mit deutlich geringeren Rechten. Davon ist der Himmel der sozialen Gerechtigkeit bislang nicht eingestürzt, wie der oben schon erwähnten Wohlstand der Schweizer Bürger zeigt. Die Parole für Deutschland müsste also heißen: Mitbestimmung ist fein, aber wer in den Aufsichtsrat will, muss verhandlungssicheres Englisch sprechen.    

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