Führungs-Spitzen: Warum der Chef selten gefeuert wird

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

In den 2500 größten Unternehmen der Welt wurden im vergangenen Jahr nur 291 Vorstandsvorsitzende ausgetauscht. Das sind erstaunlich wenige. Sind die Chefs und ihre Auswahl besser geworden oder versagt die Kontrolle?

Laut der Managementberatung Booz & Company mussten in den weltgrößten Unternehmen im vergangenen Jahr nur 11,6 Prozent der Chief Executive Officers ihren Rang abgeben, freiwillig oder auch nicht und  – das ist der geringste Prozentsatz seit sechs Jahren. Doch was bedeutet das konkret?

Zunächst nur, dass die seit 2000 jährlich durchgeführte Booz-Studie den Lauf der Welt spiegelt. Immer mehr der größten Unternehmen sitzen heute in den BRIC-Staaten, also in Brasilien, Russland, Indien und China – der Anteil der Konzerne aus diesen Regionen hat in den vergangenen elf Jahren um stolze 24 Prozent zugelegt. China alleine stellt jeden fünften Neuzugang in der Stichprobe. Wenn dieses Jahr deutlich weniger Chefs ausgetauscht wurden, zeigt es zunächst einmal nur, dass die in der Gruppe neu auftretenden chinesischen Staatsbetriebe den Durchschnitt drücken. Dort wurden nämlich nur 5,2 Prozent der Chefs ausgewechselt.

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Es könnte aber auch sein, dass in den Vorjahren so viele Unternehmenskapitäne recycled  wurden, dass dieses Jahr kaum weiterer Wechsel stattfinden konnte. Was auch ganz gut ist, aus meiner Sicht haben wir das Heuern und Feuern etwas übertrieben in den vergangenen Jahren. Ein neuer Konzernlenker muss eben auch genug Zeit eingeräumt bekommen, um Ideen umsetzen zu können. Das deutsche System mit seinen Fünfjahresverträgen ist aus meiner Sicht daher recht intelligent. 

Schlauer geworden

Die Booz-Berater allerdings meinen, dass der sinkende Durchsatz an Vorstandsvorsitzenden in der Welt auch daran liegt, dass Unternehmen in der Auswahl ihres Personals einfach schlauer werden und daher weniger Top-Manager gefeuert werden. Für die These vom lernfähigen Unternehmen steht, dass rund um die Welt immer weniger Unternehmenschefs auch gleichzeitig den Titel Chairman des Aufsichtsrats bekommen – nur noch 14 Prozent erhalten beide Jobs, 2001 waren es noch 52 Prozent. Überdies werden externe Berufungen seltener und Insider halten sich einfach länger im Chefsessel: Sie bleiben im Schnitt 7,1 Jahre im Amt, Externe nur 4,3. Auch sind die neu bestellten Leute inzwischen mit 52 Jahren etwas älter – zur Jahrtausendwende lag der Schnitt noch bei 50. Offenbar sind die Aufsichtsräte tatsächlich stärker an Erfahrung interessiert - wofür auch spricht,  dass im vergangenen Jahr mehr als die Hälfe der neuen, extern bestellten CEOs aus der gleichen Branche kamen.   

Also alles sorgfältig ausgesuchte Chorknaben? Nicht ganz, insgesamt werden immer noch  mehr Chefs entlassen als in den 90er Jahren. Gegen die These von den zunehmend sorgfältig ausgesuchten CEOs spricht auch, dass die meisten Abgänge in Unternehmen stattfinden, in denen die Chefs tatsächlich im operativen Geschäft involviert sind. Von allen Wechseln in 2010 fanden nur 10 Prozent in Holdings statt, wo die Vorstandsvorsitzenden vor allem Resultate sehen wollen. 20 Prozent in strategisch gesteuerten Unternehmen, 30 Prozent in Betrieben, wo der Vorstand auch aktiv an der Umsetzung der Strategie beteiligt ist. Aber 40 Prozent in Konzernen, wo die Chefs auch operativ die Geschäfte führen. Kurz: Je dichter jemand am Markt operiert, desto eher kracht es. In der letzten Gruppe fliegt jeder Dritte innerhalb von nur vier Jahren.

Hart kritisiert

Der gesündeste Job ist also der als Holdingvorstand – möglichst spät im Leben und überdies im angestammten Laden. Wer diesen Traumjob nicht schafft, muss von vorneherein einen ordentlichen Fallschirm verhandeln, denn es droht Gefahr von innen und außen: Die operativ gemanagten Unternehmen werden laut Booz-Daten besonders oft übernommen, sind häufig die Bühne  für Machtkämpfe und außerdem gibt es in der Gruppe immer noch die meisten CEO plus Chairman Besetzungen. Und solche Obermuftis werden eben auch besonders hart kritisiert.

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