Gbureks Geld-Geklimper: Anleihen kontra Aktien

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Anleihen kontra Aktien

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Manfred Gburek

Kolumne

Die Krise lässt Anleger scharenweise in die Sicherheit flüchten - oder was sie sich darunter vorstellen. Das sind für die einen etwa Bundesanleihen, für die anderen auch Unternehmensanleihen oder sogar bereits wieder Aktien mit hoher Dividendenrendite. Welche Anleger werden am Ende vorn liegen?

Zunächst eine Momentaufnahme vom 21. April am Beispiel der Deutschen Telekom: Der Renditevergleich ihrer Aktie und einer noch über fünf Jahre laufenden Anleihe ihrer Finanzierungsgesellschaft scheint alles klar zu machen. Die Anleihe wurde am 10. September 2008 - sozusagen "fünf vor Lehman", der ultimativen Bankpleite - zu einem Nominalzins von 5,875 Prozent aufgelegt. Aufgrund ihres starken Kursanstiegs rentiert sie aktuell nur noch mit 4,7 Prozent. Dagegen bringt es die Telekom-Aktie auf 8,0 Prozent Dividendenrendite.

Kommen etwa die Zeiten wieder, wie in den USA von den Dreißiger- bis zu den Fünfzigerjahren, als Aktien wegen ihres Risikos für Anleger mehr Rendite abwerfen mussten als Anleihen, damit überhaupt jemand sie kaufte? Im Fall Telekom sieht es ganz danach aus, und eine weitere Momentaufnahme vom 21. April erhärtet eindrucksvoll die Risikothese: An diesem Tag verlor die T-Aktie aufgrund einer Gewinnwarnung wie vom Fallbeil getroffen in wenigen Minuten über elf Prozent an Wert und erreichte ein neues Kurstief. Wenn sich mit einer so heftigen Reaktion mehr als die ganze Dividendenrendite plötzlich in Luft auflöst, ist es offenbar immer noch viel zu früh, die T-Aktie unter Renditeaspekten zu kaufen.

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Dividendentitel erscheinen wieder attraktiv

Wie steht es diesbezüglich um andere deutsche Konzerne, deren Aktien zum DivDAX gehören, einem aus 15 renditestarken Dividendenwerten zusammengesetzten Börsenindex? Dazu eine weitere Momentaufnahme mit den nach der Telekom höchsten Renditen: E.on 6,5, RWE 6,2, Deutsche Post und BASF 6,1, Münchener Rück 5,4 und Allianz 5,0 Prozent. Der ungewichtete Renditedurchschnitt aller 15 Aktien aus dem DivDAX beträgt immerhin 4,2 Prozent. Weit darüber liegen vorwiegend Anleihen von Unternehmen aus zyklischen Branchen, wie BMW, Daimler, VW, Lufthansa und Metro. Darin spiegelt sich das höhere Risiko der Anleger wider - dagegen längst noch nicht in den Dividendenrenditen der Zykliker, beispielsweise 1,7 Prozent bei der Daimler- und nur 1,1 Prozent bei der BMW-Aktie. Zum Vergleich: Die Umlaufrendite von Bundesanleihen bewegt sich zurzeit um 3,0 Prozent.

Besteht hier die Gefahr, Äpfel mit Birnen zu vergleichen? Schließlich fahren die Kurse der Aktien im Gegensatz zu denen der Anleihen traditionell Achterbahn, Aktien werden - über Banken und Börsen - von Aktiengesellschaften und nicht von Staaten ausgegeben, Dividenden können stark schwanken oder ganz ausfallen, durch ihren Abschlag vom Kurs am Zahltag sinkt der Aktienwert rechnerisch erst einmal, und Aktien sind anders als das Gros der Anleihen theoretisch mit einer unendlichen Laufzeit ausgestattet. Dagegen schwanken die Kurse der meisten Anleihen eher moderat, zu ihren Emittenten gehören neben Unternehmen auch viele Staaten und Organisationen, ihre Nominalzinsen sind in der Regel fix, die Zinszahlung schmälert nicht den Anleihenwert als solchen, sondern die bis dahin aufgelaufenen Stückzinsen, und die Laufzeit der Anleihen ist, von Ausnahmen abgesehen, begrenzt. Hinzu kommen weitere Unterscheidungskriterien, wie der jeweils andere rechtliche Status von Aktionären und Anleihenbesitzern, die Bonität und das Rating der Emittenten, die steuerliche Behandlung und der unterschiedliche Schutz vor Geldentwertung.

Technische Kurserholung

Dennoch, private und institutionelle Anleger sind zum Äpfel-Birnen-Vergleich geradezu gezwungen, geht es doch darum, die Struktur ganzer Wertpapierportfolios je nach Anlageziel und Risikobereitschaft der Anleger festzulegen und das Timing darauf abzustimmen. Struktur und Timing hängen eng zusammen. Soll man mit dem Aktienkauf warten, bis nach der T-Aktie auch andere deutsche Dividendentitel so hohe - wenngleich trügerische - Renditen abwerfen? Für Aktien spricht lediglich ein Argument: Dass ihre beachtliche technische Kurserholung seit Anfang März (Tiefststand des DAX 30 damals: 3666 Punkte) eine kräftige Belebung der Konjunktur im Herbst signalisieren könnte, aufgrund der die Aktien dann auch fundamental nochmals zulegen dürften. Etwas zu viel Konjunktiv, abgesehen davon, dass die technische Erholung von - im Vergleich zum desaströsen Akienherbst 2008 - geringen Börsenumsätzen begleitet wurde.

Also doch lieber warten? Die Antwort hängt von den Anlagezielen ab: Wer sich im kurzfristigen Timing fit genug fühlt, kann in den kommenden Monaten mit etwas Glück sicher viel Geld verdienen - mit Pech allerdings auch verlieren. Wer dagegen langfristig-strategisch orientiert ist und der These folgt, wonach Dividendenrenditen wegen des Kursrisikos der Aktien über den Renditen von Unternehmensanleihen liegen sollten, wartet ab, bis die Aktienkurse im Zuge der jetzigen Weltwirtschaftskrise nochmals kräftig gesunken sind. Dafür spricht im Übrigen auch die eine oder andere Beobachtung am Rand des Geschehens. Zwei Beispiele: DWS Top Dividende, mit einem Volumen von immerhin gut 2,2 Mrd. Euro einer der führenden Fonds mit dem Schwerpunkt dividendenstarke Aktien, führt unter seinen Top 10 mit K+S erst einen deutschen Titel auf. Und die DekaBank will ihre Fondsgesellschaft in diesem Jahr ausdrücklich auf "sicherheitsorientierte Anlagen" ausrichten. Dazu gehören unter anderem Fonds für Unternehmensanleihen - aber keine Aktienfonds.

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