Gbureks Geld-Geklimper: Kursziele sind Kaffeesatz

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Verwirrend: Kursziel unklar

Kolumne

Was taugen Kursziele? Nichts. Warum werden sie trotzdem veröffentlicht? Offenbar, weil Anleger das so haben wollen. Hier folgt eine nachvollziehbare Außenansicht, ohne dass jemand die finanzmathematischen Tricks der Analysten zu durchschauen braucht.

Die meisten Börsentippdienste sind überflüssig. Aktienanalysten laufen Gefahr, mit den Tippern in einen Topf geworfen zu werden. Aktueller Anlass: das unappetitliche Gemisch aus Kauf- und Verkaufsempfehlungen zur TUI-Aktie, garniert mit Kurszielen von 1,90 bis 7,70 Euro und gewürzt mit einer dreifachen Verkaufsprise des Deutsche Bank-Analysten Simon Champion, das alles gerade mal innerhalb von nur elf Tagen vom 8. bis 19. Juni. Wer sich einen Spaß daraus machen will, kann die Zusammenfassung der Ergebnisse im Internet zum Beispiel unter www.boersen-zeitung.de verfolgen. Doch aus Spaß wird schnell Ernst, wenn man die verwirrenden Empfehlungen und zugehörigen Kursziele in Euro seit dem 8. Juni verfolgt:

kaufen / 7,70 (Julia Winarso, Goldman Sachs, 8. Juni),verkaufen / 1,90 (Champion, s.o., 16. Juni),kaufen / 6,30 (Christian Cohrs, Sal. Oppenheim, 17. Juni),verkaufen / 4,40 (Champion, s.o., 18. Juni),kaufen / 5,80 (Zafer Rüzgar, Independent Research, 18. Juni),kaufen / 6,50 (Jochen Rothenbacher, Equinet Institutional, 19. Juni).

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Hämmern mit Methode

In der fraglichen Zeit sprang die TUI-Aktie munter hin und her, vor allem nach unten, als Champion am 16. Juni zum Hammerschlag ausholte. Der zerbröselte Aktienkurs kam dann nicht mehr richtig hoch, obwohl der Deutsche Bank-Analyst den Vorschlaghammer nur zwei Tage später gegen ein Hämmerchen tauschte, nachdem er wie durch ein Wunder innerhalb von 48 Stunden offenbar zu völlig neuen Erkenntnissen gekommen war. Der TUI-Vorstand warf ihm in einem offenen Brief "technische Fehler" vor, monierte Champions abgewandelte Annahmen in der Hämmerchen-Analyse und ermittelte einen eigenen rechnerischen Wert für die TUI-Aktie von "rund 6 Euro".

Eine verrückte Idee

Die peinliche Affäre offenbart neben der Fragwürdigkeit so mancher Aktienanalyse auch ein Dilemma, das rechtfertigt, Analystenstudien und Empfehlungen von Tippdiensten auf eine Stufe zu stellen: die Angabe dubioser Kursziele. Was soll dieser Unsinn? Wie kommen die Tipper - egal, ob als Schreiber von dünnen Börsenbriefen oder dicken Aktienstudien - auf die verrückte Idee, einen zukünftigen Kurs vorherzusagen? Etwa deshalb, weil es sich so eingebürgert hat und weil es andere auch tun? Weil die Ableitung eines Kursziels aus mathematischen Formeln einen professionelleren Eindruck macht als die einfache Erkenntnis, eine Aktie habe Kurspotenzial nach oben oder nach unten? Oder weil Kursziel besser klingt als Kaffeesatz?

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