Gbureks Geld-Geklimper: Vorsicht, Anlegerschützer!

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Am 1. Jahrestag der Lehman-Pleite demonstrieren Geschädigte in der Innenstadt von Frankfurt am Main

Kolumne

Ein Jahr nach der Lehman-Pleite wird das Thema Anlegerschutz heißer denn je diskutiert. Die Ergebnisse sind ernüchternd, die Verbesserungsvorschläge absurd.

Viele Anleger kennen eine neue Zeitrechnung: Am Mittwoch begann für sie das Jahr zwei nach Lehman, dem Finanzskandal, durch den auch biedere deutsche Sparer von verkaufsgetriebenen Banken und Sparkassen um ihr Vermögen gebracht wurden. Grund genug, den Anlegerschutz unter die Lupe zu nehmen, der unterschwellig - bei der Frage, ob die wild gewordenen Kapitalmärkte national oder international gezähmt werden sollen - sogar im Wahlduell Merkel/Steinmeier seine Duftmarke hinterließ.

Der beste Anlegerschutz besteht darin, selbst aufzupassen. Wenn alle Anleger danach handeln würden, brauchten Politiker wie Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner sich nicht mit dem Vorschlag einer Ampel-Kennzeichnung für Finanzprodukte zu profilieren, müssten umstrittene Ratingagenturen wie Moody's oder Standard & Poor's den Großteil ihrer Leute entlassen, hätten Analysten und so genannte Aktionärsschützer nichts zu tun und dürften Millionen von Bankbroschüren zur vermeintlichen Schüleraufklärung über Fonds oder Zertifikate im Papierkorb landen.

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Schönschreiben, manipulieren, erpressen

Schon diese kurze Aufzählung lässt die Komplexität des Themas erahnen und wirft grundsäzliche Fragen auf: Wer soll die Ampel bedienen und wann muss sie auf Rot springen, erst bei einem Zertifikat, das niemand außer ein paar gewieften Mathematikern versteht, oder schon bei einer an Renditeschwindsucht leidenden Kapitallebensversicherung mit drei Jahrzehnten Laufzeit? Wie und durch wen soll den Ratingagenturen das Handwerk gelegt werden, soweit sie von denselben Unternehmen Geld kassieren, die sie bewerten? Arbeiten Analysten im Auftrag ihrer Bank oder Fondsgesellschaft, um unterbewertete Aktien zu entdecken (im Branchenjargon Buy Side genannt), oder sollen sie eine AG schönschreiben, damit deren nächste Aktienemission zum Erfolg wird (Sell Side)? Ist es nicht so, dass in - oder sogar vor - Hauptversammlungen als Anlegerschützer getarnte Opponenten in Wahrheit Profilneurotiker und mehr oder weniger sanfte Erpresser sind? Und handelt es sich bei der Schüleraufklärung nicht einfach nur um den Versuch, die Inhalte des immer noch in den Anfängen steckenden Schulfachs Wirtschaft zu manipulieren?

Anlegerverhalten ist entscheidend

Alle Versuche, Finanzprodukte in Chance-Risiko-Klassen einzuteilen und im Extremfall nach dem Ampelsystem ähnlich zu kennzeichnen, wie in Bezug auf Lebensmittel bereits heiß diskutiert, sind zum Scheitern verurteilt. Denn welche Erträge Aktien, Anleihen, Fonds, Zertifikate etc. bringen und wie riskant sie sind, hängt weniger vom Produkt als vom Verhalten des jeweiligen Anlegers ab. So ist das nach gründlicher Analyse und reiflicher Überlegung von einem vermögenden Anleger zusammengestellte Depot aus Siemens-, BASF-, BMW- und weiteren Dax-Aktien mit dem Ziel, sie ohne jeglichen Zeitdruck in einigen Jahren nach möglichst hohen Kursgewinnen zu verkaufen, trotz zwischenzeitlicher Kursverluste auf Dauer chancenreich und risikoarm. Dagegen kann schon der mittels Kredit finanzierte Kauf eines aus ähnlichen Standardwerten bestehenden Aktienfonds - ja sogar eines Rentenfonds - im Extremfall zum Totalverlust führen.

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