Geldanlage: Dollar drückt Goldgewinne

Geldanlage: Dollar drückt Goldgewinne

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Schwacher Dollar drückt Goldgewinne

von Anton Riedl und Frank Doll

Der schwache Dollar lässt die Gewinne von Goldbesitzern schmilzen. Spekulative Anleger schalten mit Zertifikaten das Dollar-Risiko aus. Auf lange Sicht sind Münzen jedoch besser.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen für 773 Euro eine Goldmünze, zum Beispiel einen Krügerrand. Gold zieht an, binnen zwölf Monaten von 1100 Dollar auf 1300 Dollar die Unze. Sie verkaufen Ihre Münze – und machen womöglich keinen Cent Gewinn.

Das Szenario ist nicht unrealistisch. „Ein wesentlicher Preistreiber für Gold ist der schwache Dollar“, sagt Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank. „Verliert der Dollar im Vergleich zu wichtigen Währungen wie dem Euro an Wert, steigt der Goldpreis – und andersherum.“ Der Grund: Viele Investoren sehen Gold als Konkurrenz zur Weltreservewährung Dollar. Seit 1999 korreliert Gold mit Faktor 0,85 mit dem Währungspaar Euro-Dollar. Will heißen: Steigt der Goldpreis in Dollar um 10 Prozent, legt der Euro gleichzeitig um 8,5 Prozent zu.

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Erst seit Frühjahr 2005 steigt der Unzenpreis auch in Euro. Seither nimmt die Korrelation des Goldpreises gegenüber Euro/Dollar ab. Anleger spüren sie aber dennoch und phasenweise gar kräftig: Binnen zwölf Monaten stieg Gold von 710 Dollar auf 1100 Dollar – 55 Prozent Plus. Weil der Dollar verlor, der Euro um 20 Prozent zulegte, gewannen Anleger in Euro mit Gold nur 29 Prozent – und selbst die nur theoretisch: Bei Goldmünzen schmälert ein beim Kauf zu zahlender Aufschlag auf den Rückkaufpreis von gut vier Prozent den Gewinn zusätzlich.

Goldzertifikate für schnelle Wetten

Krügerrand und Barren helfen, Teile des Vermögens vor Entwertung zu schützen. Zur kurzzeitigen Spekulation sind sie ungeeignet. Wer auf Sicht von bis zu einem Jahr spekulieren will, kann dies mithilfe von Zertifikaten tun, die fest an den Goldpreis gebunden sind. Die Tabelle auf der rechten Seite zeigt, welche Chancen und Risiken Zertifikate in verschiedenen Gold/Dollar-Szenarien bieten. Gegen einen fallenden Dollar schützen sich Goldspekulanten mit Quanto-Zertifikaten – so heißen Papiere mit eingebauter Währungssicherung. Die Kosten für den Währungspuffer schwanken, derzeit liegen sie bei 2,9 Prozent pro Jahr. Die Emittenten schneiden diese Gebühr schrittweise vom Zertifikatepreis ab. Je kürzer der Anlagehorizont, desto weniger fällt eine solche Gebühr ins Gewicht.

Langfristig wird Quanto teuer – die Absicherungsgebühren entfalten einen Zinseszinseffekt, außerdem droht ein irgendwann wieder steigender Dollar. Quanto-Zertifikate sind also nur für Anleger interessant, die, auf ein Jahr gesehen, mit einem Rückgang des Dollar gegenüber dem Euro von mehr als 2,9 Prozent rechnen. Bei einem aktuellen Euro von 1,4966 Dollar rechnet sich der Quanto-Zuschlag erst ab 1,54 Dollar je Euro.

Hebel nutzen

Grafik: Goldpreisentwicklung je nach Währung

Grafik: Goldpreisentwicklung je nach Währung

Einen zusätzlichen Effekt bieten Hebelzertifikate. Bei diesen spekulativen Papieren müssen Anleger nur einen Teil der Anlagesumme aufbringen, den Rest streckt die Emissionsbank vor – gegen Zinsen. Wenn Investoren mit niedrigem eigenen Kapitaleinsatz eine deutlich höhere Summe bewegen, sprechen Börsianer von „hebeln“. Hat ein Papier einen Hebel von zwei, steigt dessen Wert nahezu doppelt so stark wie der Goldpreis.

Angesichts eines durch den Kredithebel erzielten höheren Gewinns mit Gold fallen Dollar-Verluste nur schwach ins Gewicht. Selbst bei einem schwachen Dollar bringen Hebelzertifikate ohne Währungssicherung laut Modellrechnung respektable Gewinne. Der Hebel kann natürlich auch gegen den Anleger wirken: Sollte der Goldpreis stark fallen, verlieren Hebelzertifikate viel stärker als ungehebelte Papiere. Fällt der Goldpreis unter 685 Euro, ist der Einsatz komplett verloren. Hebelzertifikate auf den Goldpreis eignen sich deshalb nur für risikofreudige Anleger, die ihre Papiere zudem mit einem Stoppkurs absichern, spätestens 20 Prozent unter Einstand.

Risiken der Gold-Zertifikate

Auch die währungsgesicherten und ungehebelten Quanto-Papiere haben ihre Tücken: Sollte der Dollar nicht wie erwartet nachgeben, sind die 2,9 Prozent Sicherungsgebühr verloren. Schlimmer noch: Der damit verbundene Euro-Rückgang macht sich im Quanto-Zertifikat natürlich nicht bemerkbar. Aus einer vermeintlichen Absicherung gegen Dollar-Verluste wird ein bedauerlicher Verzicht auf Währungsgewinne.

Sollte dann dazu auch noch der Goldpreis in Dollar nachgeben, laufen Verluste auf. Bei einem Goldpreis von 900 Dollar summieren sich die Goldverluste und Sicherungskosten auf mehr als 21 Prozent. Schon bei nur leicht steigendem Dollar wären ungesicherte Zertifikate und Krügerrand auf Jahressicht attraktiver.

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