Geldanlage: Gold kaufen und wegschließen!

Geldanlage: Gold kaufen und wegschließen!

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Krügerrand: Einer der größten Bullenmärkte aller Zeiten

von Frank Doll

Gold im Depot ist als eiserne Reserve gut geeignet, weniger als Spekulationsobjekt. Investoren sollten nicht den günstigsten Einstiegszeitpunkt suchen, sondern den langfristigen Trend nutzen, solange es geht.

Im Büro von John Magee, Autor des Börsenklassikers „Technische Analyse von Aktientrends“, hängt ein Poster: „Sag mir nicht, was ich kaufen soll – sag mir nur, wann ich es kaufen soll.“ Bei Gold ist die Frage nach dem besten Einstiegszeitpunkt geklärt – er liegt Jahre zurück. Der Goldpreis in Dollar startete 2001 bei weniger als 300 Dollar pro Unze, in Euro nahm Gold Anfang 2005 bei gut 300 Euro endgültig Fahrt auf. WirtschaftsWoche-Leser waren von Beginn an dabei.

So schrieben wir im Mai 2001 (Heft 20/2001): „Nach 21 langen Jahren der Baisse beim Goldpreis verdichten sich jetzt die Signale, dass die Talsohle erreicht ist.“ Knapp vier Jahre später hieß es (Heft 17/2005): „Gold im Vorteil – Aktien haben ihren Nimbus als überlegene Anlageform verloren. Davon sollten nun auch europäische Goldinvestoren nennenswert profitieren.“

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Gold-Rally nahm schon 2001 Anlauf

Grafik: Goldpreis

Grafik: Goldpreis

Seither stand der Goldpreis am Jahresende immer höher als zu Beginn. Zwischen März 2003 und Mitte 2007 und zwischen März und September 2009 liefen Aktien zwar besser als Gold. Beiden Phasen ging allerdings ein dramatischer Aktienkursverfall voraus. Unter dem Strich war es ratsam, einen Teil des Vermögens in Gold angelegt zu haben. Doch bleibt das so? Soll man noch Gold kaufen, weil der große Goldrausch erst noch bevorsteht? Oder platzt bald eine Anlageblase?

Anleger sollten erst gar nicht versuchen, beim Gold einen günstigen Einstiegspunkt zu suchen, rät Altmeister Richard Russell, Herausgeber des viel beachteten US-Börsenbriefs „Dow Theory Letters“ – und erst recht nicht damit zocken. Dabei sein ist alles – in einem der größten Bullenmärkte aller Zeiten. Wer Bares übrig habe, solle, sofern er noch kein Gold besitzt, damit Goldanlagemünzen kaufen und wegschließen. Punkt.

Keine Goldblase wie 1980

Grafik: Gold und Dax im Vergleich

Grafik: Gold und Dax im Vergleich

Wäre Russell 60 Jahre jünger und Bankberater, mit dem Auftrag, seinen Kunden Goldzertifikate ins Depot zu drücken – die Alarmglocken müssten schrillen. Aber Russell ist 1924 in New York geboren, hat als Kind die Große Depression miterlebt, einen Weltkrieg überlebt – und schon mehr als eine Anlageblase studieren können, auch die letzte Goldblase, die im Januar 1980 platzte. Russell rechnet vor: „Heute notiert Gold 52 Prozent über seinem durchschnittlichen Wochenhoch vom Januar 1980, der US-Verbraucherpreisindex aber ist seither um 177 Prozent gestiegen, die US-Geldmenge M2 um 464 Prozent, der S&P 500 um 892 Prozent.“ Eine Goldblase sieht anders aus.

Dax/Gold-Ratio für den Ausstieg beobachten

Aber wann müssten sich Goldanleger Gedanken darüber machen, ihre eiserne Reserve abzubauen? Als guter Indikator für strategische Vermögensentscheidungen für Euro-Anleger eignet sich die Dax/Gold-Ratio. Sie wird ermittelt, indem der aktuelle Stand des Dax durch den aktuellen Goldpreis in Euro geteilt wird. Fällt die Kennzahl, weist Gold eine bessere Performance auf als Dax-Aktien und umgekehrt. Seit 2000 läuft Gold besser als der Dax. Die Dax/Gold-Ratio fiel seither von über 25 auf aktuell 7,5, im März unterschritt sie kurzzeitig 5. Der letzte Abwärtszyklus der Dax/Gold-Ratio endete zwischen Anfang 1980 und Anfang 1983 erst bei einem Wert von mindestens 2. Das wäre auch in dieser Goldhausse das Ziel. Spekuliert werden darf, wie es erreicht werden könnte. Dax 10.000, Gold 5000 wäre eine Variante; Dax 2000, Gold 1000 eine andere.

Preisrückschläge zum Aufstocken nutzen

Fazit: Wer noch kein physisches Gold besitzt, sollte lieber heute als morgen mit dem Aufbau dieser eisernen Reserve beginnen. Preisrückschläge wären nur Gelegenheiten zum Aufstocken. Vielleicht kommt die Gelegenheit schon bald. Nach dem kräftigen Anstieg des Goldpreises in Euro auf 811 Euro pro Unze Anfang Dezember, notierte der Goldpreis fast 20 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnittspreis. Ideale Zukaufgelegenheiten eröffneten sich bisher stets, wenn der Goldpreis auf oder leicht unter seinem 200-Tage-Durchschnitt notierte. Der Abstand zur 200-Tage-Linie ist allerdings noch nicht ganz so hoch wie in vergangenen Preisspitzen. Nach einer kurzen Seitwärtsbewegung könnte Gold noch mal einen gewaltigen Sprung nach oben machen, bevor tatsächlich der Rückschlag kommt.

Wer Gold nicht als Spekulationsobjekt, sondern als Versicherung gegen Wertverfall von Währungen begreift, kann solche Schwankungen ignorieren. Seelenruhig.

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