Geldanlage: Kohle abgraben mit Aktien

Geldanlage: Kohle abgraben mit Aktien

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Kohlegrube

von Christof Schürmann und Stefan Hajek

Die Staaten überschuldet, die Unternehmen auf der Suche nach Kapital: Seit der Dax bis auf 6200 Punkte geklettert ist, wird die Luft an der Börse dünner. Aber keine Angst, es gibt noch Käufer – und attraktive Aktien.

Die Nachricht platzte in die Frühlingsstimmung an der Frankfurter Börse wie ein plötzlicher Eisregen: Vier Milliarden Euro neues Geld will Volkswagen an der Börse holen, die größte Kapitalerhöhung seit Jahren. Die Anleger reagierten verstört: Sechs Prozent verlor die VW-Aktie binnen Stunden.

Zeitweise rutschte der Deutsche Aktienindex wieder unter die Marke von 6000 Punkten, die sich Börsianer gerade erst wieder mühsam erarbeitet hatten, allen Sorgen um den Wert des Euro und drohende Staatspleiten in Griechenland oder Portugal zum Trotz. Mitte der Woche übertraf der Dax dann sogar das bisherige Jahreshoch von 6094 Punkten, angetrieben vom Versprechen einer weiter laxen Geldpolitik durch US-Notenbankchef Ben Bernanke und von überraschend guten Konjunkturdaten.

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Ende des Börsenhöhenflugs?

Doch die Probleme sind damit noch nicht ausgestanden – und je weiter der Dax steigt, desto näher kommen die Einschläge. Karl Huber, Manager eines Fonds für deutsche Aktien beim Anbieter Pioneer, sieht für den Dax noch drei Prozent Potenzial nach oben, aber dreimal so viel nach unten. „Der Dax wird sich in diesem Jahr zwischen 5500 und 6300 Punkten bewegen“, sagt er. „Der erste Höhenflug der Aktienmärkte ist vorüber“, warnen die Aktienanalysten der Citigroup – ganz entgegen ihrem sonstigen Berufs-Optimismus –, „jetzt beginnt für Anleger die Plackerei.“

Was sie damit meinen: Es gibt zwar noch kaufenswerte Aktien; aber sie werden weniger. Einfach mit dem Dax nach oben schwimmen dürfte nicht mehr lange funktionieren. Staatliche Konjunkturprogramme laufen langsam aus, viele Betriebe haben nach dem Konjunktureinbruch 2008 ihre Lagerhallen wieder aufgefüllt, für steigende Umsätze fehlen bei vielen Unternehmen jetzt die Impulse.

"Frühling in der Wirtschaft"

Immerhin: Die Konjunkturaussichten sind nicht so schlecht. Sollte die monat-liche Stimmungsumfrage unter 7000 Firmen (ifo-Umfrage) vom vergangenen Mittwoch nicht täuschen, ist „in der Wirtschaft der Frühling ausgebrochen“, so ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der ifo-Index erreicht seinen höchsten Stand seit Juni 2008. China, wo Regierung und Notenbank versuchen, langsam die Luft aus der Aktien- und Immobilienblase zu lassen, hält sich wacker; auch in den USA berappelt sich die Konjunktur wieder (siehe "Hält Chinas Fundament bei Immobilien und Aktien").

Für Investoren wird es jedoch schwieriger. Schließlich haben die Aktienmärkte schon eine Menge an Optimismus vorweggenommen. Der Dax ist seit seinem Tief vom März 2009 um rund 70 Prozent gestiegen. „Die erste Phase der Erholung, in der einfach das am besten läuft, was vorher am stärksten gefallen war, ist vorbei“, sagt Peter Oppenheimer, Aktienstratege bei Goldman Sachs in London. Gefragt sind nun Unternehmen, die auch nach Ende der ersten Erholungsphase weiter Umsatzwachstum und nachhaltige Gewinne erwirtschaften können – oder deren Entwicklung Fantasie für weitere Kurszuwächse lässt. Natürlich, diese Unternehmen sucht jeder. Die Kunst ist, zu erkennen, welche Aktien noch Luft für Zuwächse haben – unabhängig davon, ob der Dax gerade mal wieder die runde Marke bei 6000 Zählern übersprungen hat oder ob er gerade ein paar Pünktchen darunter notiert.

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