Geldanlage ohne Bank: Anlagestrategie selbst gemacht

Geldanlage ohne Bank: Anlagestrategie selbst gemacht

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Mit selbst gemanageten Wertpapierdepots besser als die Bank: Drei Musterportfolios von Privatanlegern wagen den Praxistest

Wer sein Geld an der Börse anlegen will, geht meist zu seiner Bank und lässt sich beraten. Dabei ist die Geldanlage in Eigenregie kein Hexenwerk. Drei erfahrene Privatanleger zeigen, wie es geht.

Zahlreiche Studien beweisen: Bei der Geldanlage richtig auf die Anlageklassen Aktien, Anleihen, Bargeld und Rohstoffe zu verteilen,  ist für den langfristigen Anlageerfolg ungleich wichtiger als die richtige Wahl einzelner Aktien oder Fonds. Dennoch verwenden die meisten Privatanleger viel mehr Zeit auf die Frage, ob sie lieber die Aktien von Linde oder Air Liquide, Daimler oder BMW ins Depot nehmen.

Dabei liegt es auf der Hand: Wenn eine ganze Anlageklasse  in kurzer Zeit stark an Wert verliert – wie Aktien 2008 oder 2001–, ist es egal, ob man Daimler oder Siemens, deutsche oder französische Staatsanleihen gekauft hat. Worauf es ankommt, ist die Verteilung auf Aktien, Anleihen, Bargeld, Rohstoffe und – für Nicht-Eigenheimbesitzer – Immobilien. Eine simple Rechnung: Wer 2008 nur die Hälfte seines Geldes in Aktien investiert hatte und die andere Hälfte in Staatsanleihen, verlor durch den Aktiencrash nur 20 statt 45 Prozent.

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Banken lassen oft die wichtigste Grundsatz-Beratung aus

Schlimmer noch: Die Banken machen es nicht besser; sie verkaufen den Kunden immer das, was gerade viel Vertriebsprovision bringt. Meist wird weder das vorhandene Depot analysiert noch, kümmert sich der Banker um die wichtige Frage, wie viel Aktien, Renten oder Fondsanteile das Produkt eigentlich enthält, das er dem Anleger anpreist. Studien beweisen, dass Anleger, die von Bankern oder Finanzvertrieben beraten werden, eine noch schlechtere Performance haben als Anleger, die in Eigenregie agieren.

Grund genug, die Geldanlage endlich in die eigenen Hände zu nehmen. „Mit vertretbarem Aufwand kann man mit einer Do-it-Yourself-Anlage die Bank schlagen“, sagen drei Privatleute, die ihre privaten Depots offen legen. „Eine Stunde am Tag muss ich im Durchschnitt in die private Geldanlage investieren“, sagt zum Beispiel Peter Schöffel, Chef des gleichnamigen Sportartikel-Herstellers aus Schwabmünchen bei Augsburg.

Depotvergleich vom 1. Juli 2009

Depotvergleich vom 1. Juli 2009

Auch Henrike von Platen, freie Unternehmensberaterin aus Berlin, hat sich von der WirtschaftsWoche beim Vermehren ihres Vermögens über die Schulter schauen lassen; mit weniger Aufwand als von Platen und Schöffel kommt Thomas Winderl aus. Der Österreicher, der hauptberuflich Entwicklungshilfeprojekte evaluiert und berät, verteilt sein Geld grundsätzlich nach einem festgelegten Muster auf Anleihen, Immobilien, Aktien und Rohstoffe. Alle drei bis vier Monate schaut er nach, ob sich die Gewichte der einzelnen Anlageklassen zueinander verschoben haben; wenn ja, stellt er die ursprüngliche Gewichtung wieder her – unabhängig davon, was Medien und so genannte Experten gerade aktuell von Aktien oder Immobilen halten. „So verhindert man, dass man sich bei der Anlage zu sehr von Modetrends leiten lässt“, sagt Winderl.

Anlageklassen im Blick

Ein einfaches Rezept, das schon der Renaissance-Bankier Jakob Fugger Ende des 15. Jahrhunderts kannte und beherzigte. Auch Fugger verteilte sein Geld auf die vier Klassen; warf eine mehr ab als die anderen, verteilte er den Gewinn auf die drei Nachzügler.

„Das ist besser als das, was 99 Prozent der Anleger heute machen und vor allem weit besser als das, was sie in der Regel von Finanzdienstleistern verkauft bekommen“, sagt Robert Arnott, Gründer und Chef des anerkannten US-Finanzanalysehauses Research Affiliates.

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