Geldanlage: Zertifikate-Investments in hektischen Börsenphasen

Geldanlage: Zertifikate-Investments in hektischen Börsenphasen

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Ein Händler an der New Yorker Börse

Börsenturbulenzen sind Gift für Zertifikate. Spekulative Anleger werden ausgeknockt, Renditeträume vorsichtiger Sparer platzen.

Wenn Steuerberaterin Birgit Hosemann mit den Ergebnissen von Zertifikate-Anlegern konfrontiert wird, kann sie oft nur mit dem Kopf schütteln. „Vor allem private Anleger, die Knock-out-Zertifikate einsetzen, machen oft enorme Verluste“, sagt die Münchner Steuerexpertin für Kapitalanlagen. Knock-outs verfallen wertlos, wenn die dem Zertifikat zugrunde liegenden Aktien bestimmte Kursschwellen durchbrechen – hochspekulative Wetten also, die nur kleinste Bruchteile eines Depots ausmachen sollten.

Doch wenn Anleger einen hohen Einsatz fahren, der Trend gegen sie läuft, sie aber trotzdem nachkaufen, laufen schnell 30.000 Euro und mehr auf. Dazu lassen sich Verluste beim Knock-out steuerlich meist nicht absetzen. „Viele Anleger bringen sich mit spekulativen Derivaten um Haus und Hof“, sagt Hosemann.

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Doch auch Besitzer scheinbar harmloser Anlagezertifikate erlebten zuletzt herbe Enttäuschungen. Christine Seibert (Name geändert) aus Ingolstadt etwa kaufte am 15. März Bonuszertifikate auf den europäischen Index Euro Stoxx 50. Normalerweise werfen diese Papiere eine ansehnliche Rendite ab, wenn der Aktienmarkt über einem zuvor festgelegten Niveau bleibt. „Bei einem Indexstand zum Kaufzeitpunkt von 2884 Punkten erschien die Anlage nahezu ohne Risiko, schließlich versprach das Zertifikat Gewinne bei Fälligkeit, solange kein Rückgang auf 1409 eintritt“, sagt Andreas Raschdorf, Geschäftsführer des Finanzberaters CAFP aus Straßlach bei München.

In der Praxis kompliziert

Der Euro Stoxx fiel seit dem Kauf des Zertifikats um zehn Prozent. Das Bonuspapier federte die Verluste aber nicht ab, sondern verlor überproportional und steht zwölf Prozent im Minus. „Vielen Anlegern ist nicht klar, dass in Zertifikaten dieser Art die Preise komplizierter Optionen einfließen, die den Kursverlauf schwer nachvollziehbar machen“, sagt Raschdorf. An Börsentagen wie dem 6. Mai dieses Jahres, als der Dow Jones im Tagesverlauf um 1000 Punkte schwankte, können solche Optionen die Notierungen von Zertifikaten zusätzlich drücken.

Selbst Garantiezertifikate werden nicht verschont. 68 Milliarden Euro haben die Deutschen hier angelegt, zwei Drittel der in Zertifikaten derzeit investierten Gelder. Garantiepapiere sichern am Ende der Laufzeit den nominalen Einsatz und werfen einen Extragewinn ab, wenn der Basiswert – etwa ein Index, eine Aktiengruppe oder ein Fonds – wie erwartet steigt. Das sieht auf den ersten Blick gut aus, ist in der Praxis aber oft kompliziert und bringt oft zu wenig gegenüber dem Basiswert.

Von den Profis lernen

Die HypoVereinsbank etwa hat soeben ein Garantiepapier auf den Mischfonds Carmignac Patrimoine herausgebracht. Anleger bekommen am Ende der Laufzeit den Nennwert und dazu bis zu 125 Prozent der Kursgewinne, die der Fonds bis dahin schafft. Die Kombination aus Sicherheit und Rendite ist in Zeiten niedriger Zinsen verlockend.

Doch hier gilt das Gleiche wie für das Bonuszertifikat von Anlegerin Seibert: Ob die Rechnung aufgeht, ist offen. Sollte es zu einer schweren Baisse kommen und der Fonds massiv abdriften, zahlt sich der Schutz des Zertifikats aus. Doch wenn der Fonds zulegt, wird es kompliziert: Ausschlaggebend für das Zertifikat ist die durchschnittliche Wertentwicklung des Fonds an 20 vierteljährlichen Terminen. „Für Anleger, die von einem stetig steigenden Kurs des Basiswertes ausgehen, ist die Durchschnittsbildung nachteilig“, sagt Sasa Perovic, Leiter der Zertifikate-Analyse der Ratingagentur Scope. Obwohl das Zertifikat auf den ersten Blick mehr Gewinn als der Fonds verspricht, kann es bei steigender Börse sogar hinter dem -Basiswert zurückbleiben.

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass auch vermeintlich einfache Rechnungen bei Zertifikaten nicht aufgehen. Großanleger dosieren sie dementsprechend vorsichtig. Auf den nächsten Seiten lesen Sie, wie Profis mit Zertifikaten durch Turbulenzen steuern – und aus Kursausschlägen sogar Zusatzgewinn holen.

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