Gesundheitsfonds: Zu früh für einen Kassenwechsel

Gesundheitsfonds: Zu früh für einen Kassenwechsel

Bild vergrößern

Teure Behandlung: Für Schwerkranke bekommen die Kassen mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds als für Gesunde

Der Gesundheitsfonds wird für Versicherte teuer. Ein Kassenwechsel ist aber erst sinnvoll, wenn es Preisunterschiede zwischen den Kassen gibt.

Die Haushalte der gesetzlichen Kassen für 2009 stehen – vorerst. Von Januar an bekommen sie aus dem Gesundheitsfonds ihr Geld, um Arztbesuche oder Krankenhausaufenthalte ihrer Versicherten zu zahlen. In trockenen Tüchern ist die Finanzierung aber keineswegs.

„Der tatsächliche Haushalt kann am Ende um 10 bis 15 Prozent abweichen, sowohl nach oben als auch nach unten“, sagt Matthias Schönermark, Professor für Medizinmanagement und Unternehmensberater in Hannover. „Es gibt einfach noch keine verlässliche Planungsgrundlage.“

Anzeige

Zwei Wochen vor dem Start des umstrittenen Herzstücks der Gesundheitsreform wird klar, dass eigentlich kaum etwas klar ist. Die Kassen müssen sich erst einmal sortieren, viele Versicherte fragen sich, ob sich ein Kassenwechsel lohnt. Was also tun? „Abwarten“, rät Schönermark. „Bevor es keine wesentlichen Preisunterschiede gibt, muss man auch nicht nervös werden.“

Von Januar an zahlen gesetzlich Versicherte den einheitlichen Rekordbeitragssatz von 15,5 Prozent ihres Bruttogehalts – bis zu einem Einkommen von 44 100 Euro im Jahr. Vorbei sind die Zeiten, in denen schlanke Direkt- oder Betriebskrankenkassen mit niedrigen Beitragssätzen um Versicherte werben konnten.

Für 90 Prozent der gesetzlich Versicherten wird es nun teurer. Wer bisher beispielsweise mit günstigen 13,8 Prozent als freiwillig gesetzlich Versicherter bei der Techniker Krankenkasse davonkam, zahlt jetzt jeden Monat 20,55 Euro mehr.

Konjunkturkrise schwächt Gesundheitsfonds

Arbeitgeber überweisen jeden Monat 7,3 Prozent des Bruttogehalts. 8,2 Prozent schultern die Versicherten allein. Die Beiträge fließen in den Gesundheitsfonds, der im nächsten Jahr 167 Milliarden Euro an die Kassen verteilt. Ob so viel tatsächlich zusammenkommt, ist zweifelhaft: Der Schätzerkreis für die gesetzliche Krankenversicherung meldete vergangene Woche, dass der Fonds nächstes Jahr wegen der Konjunkturkrise wohl 440 Millionen Euro weniger einnehmen werde als geplant.

Die Lücke stopft der Bund mit einem Darlehen zusätzlich zum Bundeszuschuss. Das Geld aus dem Fonds wird zudem nach einem völlig anderen System verteilt, dem „Morbiditäts-Risikostrukturausgleich“. Von nun an zählt nicht nur, wie viele Versicherte eine Kasse hat, sondern welche Kosten sie verursachen. Für Schwerkranke bekommt eine Kasse mehr Geld als für Gesunde.

Wer mit dem Geld aus dem Fonds nicht auskommt, kann von seinen Versicherten einen Zusatzbeitrag verlangen – allerdings begrenzt auf ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens. Wer weniger braucht, kann den Mitgliedern Beiträge erstatten. Die Zusatzbeiträge scheuen die Kassen aber – sie haben Angst, dass ihnen die Mitglieder in Scharen davonlaufen. „Das ist wie beim Mikado. Wer sich als Erster bewegt, hat verloren“, sagt Schönermark.

Die ersten Kassen haben daher schon Zurückhaltung signalisiert. Wilfried Jacobs, Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg, wird seinen Versicherten keinen Zusatzbeitrag aufbrummen. Krankenkassenexperte Schönermark geht generell davon aus, dass bis zur Bundestagswahl im Herbst 2009 in Sachen Beiträge erst mal gar nichts passiert.

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%