Gründertagebuch: Preisverleihung für die Kohlejungs

Gründertagebuch: Preisverleihung für die Kohlejungs

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Preisverleihung Die Suncoal-Gründer v. Olshausen, Wittmann, v. Massow und v. Ploetz (von links) ließen sich bei der Siegerehrung des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs feiern und kamen mit Investoren ins Gespräch

Vier Jungunternehmer geben ihren Job auf, um mit ihrem Startup Suncoal die Energieversorgung zu revolutionieren. Im Gründertagebuch schreibt Hans-Joachim von Massow über Mitarbeitersuche, Lieferengpässe und neue Investoren.

Sie hatten hoch bezahlte Jobs. Doch für ihre Idee gingen die vier Jungunternehmer Hans-Joachim von Massow, 29, Tobias Wittmann, 31, Friedrich von Ploetz, 30, und Christian von Olshausen, 29, auf volles Risiko: Sie kündigten, gaben Dienstwagen und Blackberry ab und gründeten das Startup Suncoal. Im Hafen von Königs Wusterhausen bei Berlin arbeiten sie nun daran, die deutsche Energieversorgung umweltfreundlicher zu machen: Sie kochen Gartenabfälle zu klimaneutraler Kohle. Ihr Verfahren ist zwar uralt, aber sehr komplex, deswegen konnte es bisher niemand in einer großen Anlage umsetzen: Sie erhitzen das Grünzeug mit Wasser in einem Stahlkessel. Nach mehreren Stunden bei rund 200 Grad Hitze spaltet sich in der Brühe Wasserstoff von Kohlenstoff. Das Ergebnis ist ein schwarzer Schlamm, der anschließend zu Kohlestaub getrocknet wird.

Wird die Suncoal-Maschine regelmäßig gefüttert, kocht sie immer weiter, ohne zusätzlichen Energiebedarf. Mit ihrer Geschäftsidee überzeugten sie die Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs, den die WirtschaftsWoche gemeinsam mit der Werbeagentur Jung von Matt, dem Business-Angel-Netzwerk BrainsToVentures, der Kanzlei White & Case, der Personalberatung Heidrick & Struggles und dem Unternehmerverbund Entrepreneurs’ Organization durchführt. In der zweiten Folge des WirtschaftsWoche-Gründertagebuchs schreibt Mitgründer von Massow über die Resonanz nach dem Wettbewerb und große Schritte in Richtung einer ersten Produktionsanlage.

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27. August In wenigen Tagen soll der Artikel über uns in der WirtschaftsWoche erscheinen. Deswegen ist heute ein Fotograf bei uns. Wir fragen uns, was nach der Veröffentlichung des Artikels passieren wird. Wer wird auf uns aufmerksam? Welche neuen Kontakte ergeben sich für uns?

28. August Wir diskutieren die Inhalte unserer Web-Site. Bislang findet man uns im Internet noch nicht. Leider ist keine Zeit mehr für eine schicke Seite, schließlich muss sie noch vor der Preisverleihung des Gründerwettbewerbs ins Netz gehen. Deswegen diskutieren wir nicht lange: Wir beschließen, das Machbare umzusetzen, und beauftragen unsere Design‧agentur.

31. August Finnland. Wir haben uns in ein kleines Haus an einem abgelegenen See zurückgezogen. Friedrich, zuständig für die Finanzen, ist Halbfinne. Wir arbeiten an unserem Geschäftsplan und diskutieren, wie unsere zukünftigen Kunden von unserem Produkt profitieren können: Unsere Kohle wird aus Restbiomassen hergestellt, also Gartenabfälle, Hühnermist, Grünschnitt. Damit lösen wir einerseits das Entsorgungsproblem. Gleichzeitig werden die Kosten für Kohleverbraucher durch die Nutzung des erneuerbaren Energieträgers reduziert. Unsere Kohle kann überall verbrannt werden, wo Kohle heute schon verbrannt wird. Damit ersetzen wir fossile Kohle und können einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Am Nachmittag zeigt Friedrich uns die Plätze, an denen die besten Pilze wachsen. Die langen Spaziergänge tun gut.

2. September Ein von der WirtschaftsWoche-Jury beauftragter Kameramann dreht einen Film über uns, der auf der Preisverleihung gezeigt werden soll. Es bleibt sehr wenig Zeit bis zum Sonnenuntergang: Die Kamera-Einstellungen und O-Töne müssen auf Anhieb sitzen.

3. September Die Designagentur Eiga besucht uns. Wir diskutieren ihre Logo-Entwürfe. Das Logo soll freundlich und gleichzeitig technisch wirken. Damit sich beides im Schriftzug Suncoal widerspiegelt, kombinieren wir zwei unterschiedliche Schriftarten. Die eine wirkt weich, die andere konstruiert. Außerdem soll das Logo auch auf das Produkt eingehen. Dazu wird vor den Schriftzug ein Kohlenstoff-Symbol gesetzt. Die Vorschläge gefallen uns gut, nur mit den Farben sind wir noch nicht zufrieden. Ein paar kleine Veränderungen, und es passt. Noch am selben Tag gehen wir mit einer vorläufigen Web-Site ins Netz, darüber prangt das neue Logo. Abends sitzen wir in Hamburg bei einer Flasche Rotwein.

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