Gründungsphasen: Die Bilderbuch-Gründung des Bildband-Verlegers Daab

Gründungsphasen: Die Bilderbuch-Gründung des Bildband-Verlegers Daab

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Bildband des Daab Verlags

Nach ein bis zwei Jahren festigt sich ein neu gegründetes Unternehmen. Aber zuvor durchläuft ein Existenzgründer ganz typische Phasen, in denen es auch heftig kriseln kann. Wiwo.de verrät, wie Gründer sicher von der Idee zum stabilen Unternehmen kommen.

Ein Hinterhof im Kölner Friesenviertel: „daab – 1st floor“, steht dort an einem kleinen weißen Schild. In weißen, deckenhohen Regalen stehen geordnet Bücher. Klare Struktur, kräftige Farben, überwiegend junge Künstler und gut lesbare Schriftzüge. Aufwendig-opulent produzierte Bildbände sind das Markenzeichen des Daab Verlags, der den Namen seines Gründers Ralf Daab trägt.

Vor fünf Jahren gründete Ralf Daab den Verlag und vertreibt seitdem Design-, Kunst- und Architektur-Fotobände. Erfahrungen sammelte er vor Beginn seiner Selbstständigkeit beim Taschen-Verlag in Köln und New York und bei teNeues in Düsseldorf. Dort entwickelte sich auch seine Geschäftsidee. „Wir setzen unseren Fokus bewusst auf neue, noch unbekannte Künstler“, beschreibt Ralf Daab seine Buchphilosophie. Die Idee für einen eigenen, ungewöhnlichen Buchverlag reifte lange in Daab. „In meiner Tätigkeit als Vertriebsmanager konnte ich bereits einige Erfahrungen sammeln, die mir bei der Gründung des Daab Verlages dienlich waren“, erzählt Daab zurückblickend.

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Ideenfindung als erstes Hindernis

Wie bei Daab beginnt jede Existenzgründung mit der Ideenfindungsphase. Dabei wird die Entscheidung zur Selbstständigkeit getroffen und eine Geschäftsidee entwickelt. Diese Phase kann sehr schnell verlaufen, wenn etwa schon Kundenaufträge im Raum stehen. Manchmal dauert sie auch einige Monate, teils sogar sogar mehrere Jahre, wenn der Gründer krampfhaft nach einer originellen Idee sucht. Andreas Lutz, Existenzgründungsberater und Betreiber der Website gruendungszuschuss.de, rät: „Gründer sollten ihre vorhandenen Fähigkeiten nutzen, denn die meisten erfolgreichen Geschäftsideen sind gar nicht besonders originell. Viele gründen in Bereichen, in denen sie bisher schon tätig waren.“

Doch bereits in dieser Phase treten für manche Gründer schon die ersten Probleme auf. Durch eigene Unsicherheit, fehlende Unterstützung und Bedenkenträger im persönlichen Umfeld, durch Familie und Freunde bleibt die Existenzgründung meistens ein Traum. Andreas Lutz dazu: „Manche Gründer sind noch nicht mit sich selbst im Reinen, wissen nicht, was sie wirklich wollen, sodass sie in der Ideenfindungsphase stecken bleiben.“

Ralf Daab wusste, was er wollte und so verlief die Gründung des Daab Verlags zügig. Bereits im Jahr 2003 spielte er das erste Mal mit dem Gedanken der Selbstständigkeit. Aufgrund gezielter Überlegungen und gründlicher Planung konnte die Geschäftsidee schnell umgesetzt werden. „Da ich mich bereits in der Vorgründungsphase um Kooperationen und Kunden kümmerte, lagen die ersten Aufträge schon bei der Gründung vor“, erzählt der Inhaber.

Gerade bei der Vorgründungsphase sollten sich die Gründer viel Zeit für die Vorbereitung nehmen und eventuell auch Beratung nutzen. Zu den Vorbereitungen gehört das Verfassen des Businessplanes. Mit ihm lassen sich sich die Zeit, die Meilensteine, das Risiko und die Finanzierung planen. “Den Businessplan sollte der Gründer unbedingt selbst schreiben“, rät Experte Lutz.„Nur so kann sich eine Idee wissend entwickeln.“

Ralf Daab

Ralf Daab

Später kann dann immer noch ein Experte drüberschauen – die Diskussion mit Existenzgründungsberatern schärft noch einmal die Gründungsidee. Staatliche Stellen fördern die Beratung in der Vorgründungsphase besonders großzügig und auch im ersten Jahr nach der Gründung. Der Grund: „Wer einen Berater hat, mit dem er oder sie über Probleme und nächste Schritte sprechen kann, vermeidet Fallstricke und kann die vorhandenen Chancen besser erkennen und nutzen“, sagt Lutz. „Die Beratungsförderung führt so zu höheren Steuereinnahmen.“ Gefördert wird aber nicht nur die Beratung, sondern auch die Gründung generell. Das Arbeitsamt bezahlt zum Beispiel in manchen Fällen Überbrückungsgeld und die staatliche KfW-Bank vergibt Darlehen für unterschiedliche Anlässe.

Zu der Vorgründungsphase gehört auch die Entscheidung über den Firmennamen. „Ein professionell erstelltes Logo, hochwertige Visitenkarten und möglichst auch die Website sollten zur Gründung bereits vorhanden sein“, empfiehlt der Experte. Auch mit Markennamen und –rechte sollte sich Gründer auseinandersetzen, rät Lutz.

Sind allen Vorbereitungen abgeschlossen, beginnt die eigentliche Gründung. Diese beinhaltet nicht nur den juristischen Gründungsakt durch Verträge und die Anmeldung beim Finanzamt, sondern auch die Markteinführung des Produktes oder der Dienstleistung. „Gründer scheitern häufig in dieser Phase, wenn sie sich zuvor nicht genug Zeit für die Vorbereitungen genommen haben und jetzt alles nachholen müssen, statt erste Aufträge abarbeiten zu können“, erklärt Lutz.

Gerade in dieser Phase ist es wichtig, sich auf die Kunden und Aufträge zu konzentrieren, denn es entscheidet sich, ob der Gründer sich mit seiner Idee am Markt etablieren kann und ob seine gesetzten Ziele tatsächlich erreicht werden. Läuft sein Unternehmen gut, kann der Gründer nach ein bis zwei Jahren typischerweise seinen Lebensunterhalt decken oder verdient schon wieder so viel, wie ein vergleichbarer Arbeitnehmer. Mit dem Wachstum des Unternehmens ist es wichtig, die Unternehmensstruktur und -organisation aufzubauen und mit einem Controlling regelmäßig das Unternehmen zu bewerten und zu prüfen.

Bei Ralf Daab traten bei der Gründung seines Verlages keine Probleme auf. Im Gegenteil: Alles lief nahezu perfekt. Bereits nach einem Jahr erzielte der Verlag einen Umsatz von 1,2 Millionen Euro und befand sich in der Wachstumsphase.

In der Ausbau- und auch Wachstumsphase vergrößern sich die frisch gegründeten Unternehmen meistens. Jetzt werden Mitarbeiter eingestellt und die Räumlichkeiten sowie das Dienstleistungs- und Produktangebot erweitert. In dieser Phase sollte der Gründer seine bisherige Unternehmenskonzeption überprüfen und einen neuen Businessplan mit neuen Zielen erstellen.

So sollte die Unternehmensstruktur und -organisation wieder neu aufgebaut und das Unternehmen regelmäßig neu überprüft und bewertet werden.  Häufig machen Gründer in dieser Phase den Fehler, keine Mitarbeiter einzustellen, auch wenn sie selbst gar nicht mehr mit der Arbeit nachkommen. „Das Einstellen von Mitarbeitern kann große Entlastung bringen, stellt aber auch ein finanzielles Risiko dar“, gibt Andreas Lutz zu bedenken.

Zu Beginn steuerte Ralf Daab seinen Verlag noch von zu Hause aus, doch schon nach einem Jahr entschied er sich für ein das Büro im Friesenviertel. Mittlerweile beschäftigt er sechs Mitarbeiter und befindet sich in der Ausbauphase.

Da kann sich Daab auch solch bibliophile Schmuckstücke wie seinen aktuellen Bildband leisten: Jewelry Design heißt es schlicht. Das Buch ziert ein fast schwarzer Ring, von dem wie kleine Tentakeln Edelsteine in unterschiedlichen Farben absprießen. Ebenso wie der Bucheinband ist auch der Rest des Buches opulent fotografiert. Der Daab-Verlag vertreibt das Werk mittlerweile in fünf Sprachen und insgesamt 120 Ländern  Und im Kölner Friesenviertel ziert natürlich auch dieses Buch eines der deckenhohen, weißen Regale.

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