
Auf den ersten Blick ist die Personenbeschreibung eher unauffällig: „Geschäftsführer, männlich, 49, mit Freude an seiner Arbeit, Anerkennung im Leben, eigenem Haus, Firmenwagen und knapp 120.000 Euro Jahresgehalt ...“
So könnte seine Kontaktanzeige beginnen. Dumm nur, dass es den Betreffenden in echt so nicht gibt. Einerseits.
Andererseits rennt er so oder so ähnlich in vielen der rund 600.000 deutschen GmbHs über die Flure: Die Rede ist vom Musterchef, dem Prototyp des GmbH-Geschäftsführers, der meist auch Gesellschafter des Unternehmens ist, das im Mittel rund 100 Mitarbeiter beschäftigt.Über das Einkommen dieser Spezies ist wenig bekannt, anders als bei börsennotierten Kapitalgesellschaften müssen die Gehälter von GmbH-Chefs nicht veröffentlicht werden. Licht ins Dunkel bringt jedoch zum 17. Mal die Studie von Handelsblatt und dem GmbH-Vergütungsspezialisten BBE Media.
Fast 3800 Geschäftsführer gewährten intime Einblick in Festgehalt, Tantiemen, Pensionszusagen, Firmenwagen und Arbeitszeit. Die Gehälter der Geschäftsführer stiegen 2010, dem Aufschwung sei Dank, wieder kräftig um 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - von 109.500 auf 118.473 Euro, um ganz genau zu sein. Gemeint ist damit der sogenannte Zentralwert, soll heißen: Die Hälfte der Befragten verdiente mehr, die andere Hälfte weniger.
Einige Geschäftsführer verdienen mehr als so mancher Dax-Vorstandschef. Der eigentliche Gehaltsdurchschnitt liegt zwar mit 146.980 Euro etwas höher, und er ist auch stärker gestiegen, nämlich um 10,1 Prozent. Diese Zahl ist jedoch kaum aussagekräftig, schließlich wird sie von einigen wenigen Top-Verdienern verzerrt.
Firmenwagen bleibt Statussymbol
Denn es muss nicht immer ein Vorstandsposten in einem Dax-Konzern sein, auch als GmbH-Chef lassen sich Spitzeneinkommen erzielen. Auf 3,74 Millionen Euro Jahresverdienst einschließlich Tantiemen kommt zum Beispiel einer der befragten Geschäftsführer aus der Büro-Großhandels-Branche. Er verdiente damit mehr als elf der Dax-30-Vorstandschefs im Jahr 2010. Infineon-Chef Peter Bauer (2,19 Millionen) oder der gerade ausgeschiedene Beiersdorf-Chef Thomas-Bernd Quaas (1,08 Millionen) hatten deutlich niedrigere Einkommen.
Doch nicht nur die Größe der Firma, gemessen an Umsatz oder Mitarbeiterzahl, ist entscheidend, die Chefgehälter variieren ganz eklatant auch nach Branchen. Am besten verdienen Geschäftsführer traditionell in der Industrie, der Großhandel folgt an zweiter Stelle. Am Ende der Einkommensskala rangiert der Einzelhandel hinter dem Handwerk. Gerade die Aufschlüsselung nach Branchen ist für die Finanzämter wichtig. Welches Geschäftsführergehalt ist noch angemessen?
Die heikle Frage beschäftigt regelmäßig die Betriebsprüfer. Denn die Gesellschafter-Geschäftsführer gewähren sich ihr Gehalt selbst - sie können folglich in gewissen Grenzen wählen, ob sie sich Gehalt oder Gewinne zukommen lassen. Die beiden Einkommensarten werden jedoch unterschiedlich besteuert. Deshalb legen die Finanzämter Wert darauf, dass die gängigen Gehaltsgrenzen eingehalten werden. Die Studie von Handelsblatt und BBE dient dabei als Richtschnur.
„Viele Gesellschafter-Geschäftsführer sind übervorsichtig und gönnen sich weniger Gehalt, als sie steuerlich ausreizen könnten“, sagt Peter Rath, Vergütungsexperte von BBE Media. So mancher will das dann durch hohe Tantiemen wieder wettmachen, die nur gezahlt werden, wenn die Geschäfte gut laufen. Doch das ist eine Steuerfalle. „Für ihre Zurückhaltung werden die Geschäftsführer bei der Betriebsprüfung bestraft“, beobachtet Steuerberater Rolf Leuner von Rödl & Partner.
Ungewöhnlich hohe Tantiemen beargwöhnt der Fiskus oft als verdeckte Gewinnausschüttung. Die meisten Geschäftsführer arbeiten hart für ihr Geld. Fast jeder dritte hat mindestens eine 50-Stunden-Woche. In der Industrie ist jeder zehnte Chef gar über 60 Stunden für die Firma tätig. Für ihren hohen Einsatz haben viele GmbH-Chefs weitere Extras ausgehandelt. Knapp 90 Prozent verfügen über eine Direktversicherung. Wichtiges Statussymbol für Chefs ist und bleibt der Firmenwagen. 83 Prozent fahren einen.
Und wie das bei Männern so ist: Auf die Marke kommt es an. Am beliebtesten ist die Mercedes-E-Klasse (10,8 Prozent), gefolgt vom BMW 5er und dem Audi A6. Und immer öfter sieht man Geschäftsführer im Großstadtdschungel in Geländelimousinen wie BWM X oder Touareg ins Büro fahren. In den Familienkutschen der Besserverdiener also. Dieser Chef-Typ gibt jedoch in aller Regel keine Kontaktanzeigen auf.









