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Handelsriese bricht Käufersuche für Kaufhof ab: Metro-Chef Cordes steht vor Scherbenhaufen

von Christoph Schlautmann Quelle: Handelsblatt Online

Die anhaltende Finanzkrise macht Metro-Chef Eckhard Cordes beim angekündigten Konzernumbau einen Strich durch die Rechnung. Wie das Handelsblatt von mehreren Geschäftspartnern des Düsseldorfer Einzelhändlers erfuhr, hat die mit dem Verkauf beauftragte Investmentbank JP Morgan ihr Bemühen eingestellt, Metros Warenhaustochter Kaufhof zu veräußern.

Metro-Chef Cordes kriegt Kaufhof nicht verkauft. Quelle: ap
Metro-Chef Cordes kriegt Kaufhof nicht verkauft. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Niemand sei bereit gewesen, hieß es, die geforderten 3,1 Mrd. Euro für die 113 Standorte auf den Tisch zu legen. Besonders pikant: Ohne über die abgebrochene Käufersuche zu berichten, senkte JP Morgan am Freitag das Kursziel für die Metro-Aktie auf 28 Euro. Zuvor hatten die Analysten noch an einen Kurs von 40 Euro geglaubt.

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Ein Metro-Sprecher wollte sich zum Stand des Kaufhof-Bieterverfahrens nicht äußern. Es sei von vornherein klar gewesen, sagte er, dass die Verkaufsankündigungen "nicht kurzfristig" umgesetzt würden. Doch nicht nur der Verkauf der Warenhauskette steht in den Sternen. Insider berichten, auch über den für 2010 angekündigten Verkauf der SB-Warenhauskette Real - falls diese keinen Turn-around schafft - werde inzwischen in der Konzernleitung kontrovers diskutiert. Selbst die Pläne rund um den geplanten Börsengang der Konzerntochter Mediamarkt/Saturn seien womöglich hinfällig.

"Das ist sicherlich nichts, was im nächsten Jahr ansteht", erklärte dazu ein Konzernsprecher. Grundsätzlich habe man aber bislang keines dieser Vorhaben abgeblasen. Doch die Anzeichen mehren sich, dass es zu einer Revision der Umbaupläne kommen wird. Eine Führungskräftetagung im türkischen Antalya, auf der die Metro-Oberen im November über den mit 64 Mrd. Euro Jahresumsatz größten deutschen Handelskonzern beratschlagen wollten, wurde überraschend abgesagt. Erst im kommenden März, wenn klar sein soll, was mit Metro geschieht, will die Konzernleitung sie nachholen. "Derzeit jagt eine Strategiesitzung die nächste", berichtet ein Eingeweihter. Offiziell spricht der Konzern von "ein paar Projekten", die es noch zu klären gelte.

Tatsächlich benötigt Konzernchef Cordes eine rasche Lösung. Im August vergangenen Jahres hatte sein Arbeitgeber, der Duisburger Familienkonzern Haniel, gemeinsam mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck die Metro-Beteiligung auf 50 Prozent aufgestockt. Anfang November übernahm Haniel-Vorstandschef Cordes, nachdem er Konzernlenker Hans-Joachim Körber aus dem Amt gedrängt hatte, in Düsseldorf den Führungsjob. Um für Haniel mehr aus dem Investment herauszuholen, kündigte er im März ein Verkaufsprogramm an, an dessen Ende - im schlimmsten Fall - allein Metros ertragreiche Cash & Carry-Sparte übrig bleiben sollte.

Kaum ein Jahr später stellt sich das Engagement für Haniel als ein Fiasko dar. 3,1 Mrd. Euro hatten die Duisburger im Sommer 2007 für den Zukauf ihres 15,7-Prozent-Anteils bezahlt - 1,7 Mrd. Euro mehr, als er zum Wochenende an der Börse wert war. Dabei ist es längst nicht nur die Finanzkrise, die den Metro-Kurs seit dem Cordes-Antritt in den Keller schickte.

Die anhaltende Konsumflaute in Deutschland, die mühsame Sanierung von Real, Probleme der Cash & Carry-Sparte in Großbritannien und Italien wie auch hohe Sonderabschreibungen für die zum Verkauf stehende Modekette Adler belasten seither das Geschäft. Mit Hilfe von McKinsey will man nun die Kosten wieder in den Griff bekommen.

Der Niedergang der Metro-Aktie trifft Hauptaktionär Haniel, der 34,2 Prozent der Anteilsscheine besitzt, nun mit voller Wucht. Mitte vergangener Woche stufte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonität des Familienkonzern auf "BBB+" herab. Damit verteuern sich künftig Kredite für Haniel - ein Szenario, das Cordes noch vor kurzem als "Unsinn" bezeichnet hat.

Es könnte noch schlimmer kommen. Schon in wenigen Wochen, schreibt S&P-Analyst Andreas Kindahl, droht eine weitere Herabstufung. "Nur wenn Haniel unverzüglich das Verhältnis zwischen Verschuldung und Beteiligungsvermögen verbessert", warnt er, "werden wir das derzeitige Rating bestätigen."

Im Kreis der 560 Haniel-Familienmitglieder, berichten Geschäftspartner, gerät deshalb offenbar Aufsichtsratschef Franz M. Haniel unter Druck. Der 53-jährige Konzernerbe und Metro-Aufsichtsratschef, der Cordes ins Haus holte, gilt als Urheber des Metro-Plans.

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