
Herr Rorsted, Sie werden zitiert mit der Aussage, dass Sie von idealen Mitarbeitern Internationalität erwarten. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Henkel ist ein sehr internationaler Konzern. Über 80 Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten außerhalb Deutschlands. Gleiches gilt für den Umsatz, den wir zu über 80 Prozent auf den internationalen Märkten erwirtschaften. Wenn wir als globale Firma auftreten und erfolgreich sein wollen, müssen wir diese Internationalität auch leben.
Was heißt das ganz konkret?
Wir fördern dies mit internationalen Job-Rotation-Programmen, die integrierter Bestandteil unserer Mitarbeiterentwicklung sind. Bestimmte Managementebenen können nur mit nachgewiesener internationaler Erfahrung erreicht werden. Das macht sich bemerkbar: Unser Vorstand besteht aus zwei Deutschen, einem Belgier, einem Österreicher und mir, einem Dänen. Auf der nächsten Managementebene arbeiten rund 30 Kollegen, wovon höchstens die Hälfte Deutsche sind.
Sie selbst haben ausschließlich für IT-Konzerne gearbeitet, bevor Sie zu Henkel gewechselt sind. Konnten Ihre internationale Erfahrung und die Expertise aus der IT-Branche die fehlende Hauskarriere, die für viele Dax-Vorstände typisch ist, aufwiegen?
Ich denke, gerade meine Internationalität hat eine wichtige Rolle bei der Entscheidung gespielt. Die Henkel-Gesellschafter haben einen Manager mit viel internationaler Erfahrung gesucht um die Internationalisierung des Unternehmens weiter voranzutreiben. Ich wiederum habe ein Unternehmen gesucht, das eine hervorragende Reputation im Markt hat und international sehr gut aufgestellt ist. So sind wir beide fündig geworden.
Hinzu kommt ein genereller Wechsel: Musste man in Deutschland in der Vergangenheit oft viele Jahre im Unternehmen tätig gewesen sein, bis man nach oben kam, so geht es heute in erster Linie um Performance, nicht um Seniorität.
Abgesehen von einer guten Performance: Was müssen Manager heutzutage noch mitbringen – insbesondere vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und der Kritik an ihnen?
Grundsätzlich finde ich es nicht zielführend, dass man, ausgelöst durch Fehlverhalten in Einzelfällen, eine Pauschalkritik betreibt. Vor diesem Hintergrund denke ich, ist besonders wichtig, dass Manager ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Authentizität aufweisen und damit eine Vorbildfunktion einnehmen. Darüber hinaus ist eine der wichtigsten Führungsaufgaben, dass Manager den Wandel vorantreiben und als „Change-Agents“ in ihren Unternehmen agieren um die Mitarbeiter in dem Veränderungsprozess mitzunehmen.
Wie sollte sich angesichts dieser Ziele die Ausbildung angehender Manager ändern?
Es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass es darum geht, das eigene Unternehmen nach vorn zu bringen und nicht um persönliche Profilierung. Als Manager bewege ich mich mit meinem Unternehmen zudem nicht im luftleeren Raum. Unternehmen mit der Größe von Henkel müssen auch eine soziale und gesellschaftliche Aufgabe wahrnehmen. Dieser kommen wir mit unserer Verpflichtung zu 'good corporate citizenship' und dem Bekenntnis zum nachhaltigen Wirtschaften nach.
Führungskräfte sind Botschafter
An der Harvard Business School, an der auch Sie ausgebildet wurden, haben sich die Studenten mit einem Eid dem Guten und der Gesellschaft verpflichtet. Kann ein solcher Akt helfen, neue Manager hervorzubringen?
Der MBA-Eid kann Bewusstsein schaffen und Denkanstöße liefern. Generell ist das gemeinsame Verständnis und das Bekenntnis zu verbindlichen Werten sehr wichtig. Hier wiederum kommt insbesondere den angehenden Führungskräften eine wichtige Vorbildfunktion zu. Jede Führungskraft ist durch ihr Handeln Botschafter und trägt dazu bei, dass aus Worten auch Taten werden. Bevor Sie nach Düsseldorf gezogen sind, haben Sie lange in München gelebt. Haben Sie sich – trotz der Distanz zum FC Bayern - gut im Rheinland eingelebt? Ja, sehr gut. Ich fühle mich sehr wohl in Düsseldorf. Mir gefällt die sehr offene Art der Menschen. Sie erleichtert das Einleben. Was den FC Bayern angeht, so habe ich ja zum Glück die Möglichkeit den Club bei den vielen Gastspielen im Rheinland anzufeuern.
Herr Rorsted, vielen Dank für das Gespräch.









