
FRANKFURT. Das hochverschuldete Griechenland kann nicht auf eine Sonderbehandlung durch die Europäische Zentralbank (EZB) hoffen. Keine Regierung und kein Staat könnten eine spezielle Behandlung erwarten, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gestern in Frankfurt. Die unerwartet deutlichen Worte ließen gestern die Kurse von griechischen Anleihen weiter fallen und trieben die Risikoprämien für Kreditausfallversicherungen für Griechenland auf ein neues Rekordhoch.
Trichet forderte die Griechen auf, sich selbst zu helfen und nicht auf mögliche Hilfen der anderen Euro-Länder zu setzen. Für Griechenland müssten die Mitgliedschaft im Euro-Raum und die dadurch bedingten niedrigen Anleihezinsen Hilfe genug sein, sagte Trichet.
Auch mit Blick auf die Sicherheiten, die die Notenbank von den Banken im Euro-Raum für kurzfristige Leihegeschäfte akzeptiert, fand Trichet deutliche Worte. Die Notenbank werde ihre Prinzipien nicht ändern, nur weil die Staatsanleihen eines Mitgliedslandes die entsprechenden Kriterien nicht mehr erfüllten. Die Kriterien beziehen sich auf die Ratings. Üblicherweise akzeptiert die EZB nur Anleihen als Sicherheit, die von mindestens einer Ratingagentur die Bonitätsnote "A-" - entsprechend den Skalen von Standard & Poor's und Fitch - beziehungsweise "A3" (Moody's) haben. Bis Ende des Jahres gilt zwar noch eine Ausnahmeregelung mit einer um drei Stufen nach unten verschobenen Ratinggrenze. Ab 2011 gelten laut Trichet aber definitiv wieder die alten Regeln.
Das könnte für Griechenland problematisch werden, da nur noch Moody's die Bonität der Hellenen mit einer A-Note, und zwar mit "A2" bewertet. Diese ist noch zwei Stufen von der bald wieder kritischen Dreifach-B-Grenze entfernt. Wenn griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit bei der EZB hinterlegt werden könnten, würde dies bei griechischen Banken mit Blick auf die Liquiditätsbeschaffung "kaum lösbare" Probleme aufwerfen, warnte Kornelius Purps, Zinsstratege bei Unicredit. Dabei ist auch Moody's mit Blick auf Griechenland skeptisch. Der Ausblick für das Rating ist schon länger negativ, und jüngst warnte die Ratingagentur vor einem "langsamen Tod" der Volkswirtschaften in Griechenland und Portugal.
Die Märkte zeigten sich gestern sehr verunsichert. Die Kosten, zu denen sich Investoren über "Credit Default Swaps" (CDS) vor einer Pleite Griechenlands schützen können, stiegen auf ein Rekordhoch von über 300 Basispunkten. Das bedeutet, Investoren müssen als Absicherungsprämie für fünf Jahre jährlich drei Prozent der zu versichernden Summe zahlen. Damit sind die Absicherungskosten für Griechenland deutlich höher als für viele Schwellenländer.
"Investoren spekulieren darauf, dass Griechenland aus dem Euro-Raum austreten wird und dann seine auf Euro lautenden Anleihen nicht mehr zurückzahlen kann", sagt Birgit Figge, Zinsstrategin bei der DZ Bank. Trichet bezeichnete gestern entsprechende Überlegungen als "absurd". Die Investoren beruhigte das aber ebenso wenig wie Griechenlands Pläne zum Schuldenabbau. Die Regierung in Athen gab gestern erste Details aus ihrem Sparplan bekannt. Dabei sollen zum Beispiel Rüstungsausgaben und Krankenhauskosten gesenkt und die Gehälter für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst begrenzt werden.







