Hochfrequenzhandel: Börsenstrategien des Computerhandels

Hochfrequenzhandel: Börsenstrategien des Computerhandels

von Niklas Hoyer

Computer kaufen und verkaufen Wertpapiere an der Börse vollautomatisch und mit unglaublicher Geschwindigkeit. Wie der Computerhandel die Börsenkurse verfälscht.

Rabattjäger

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Börsenhandler in Tokio: Was früher per Handzeichen und Zuruf ausgehandelt wurde, übernehmen jetzt Computer vollautomatisch und in einem Bruchteil der Zeit

Um ihren Umsatz zu steigern, gewähren Börsen Maklern Boni, wenn diese auf eigene Rechnung Aktien handeln. Einige Makler nutzen dies mit ihren Computerprogrammen aus. Beispiel: Ein Investor möchte 10 000 Aktien zu maximal 15,05 Dollar kaufen und aktiviert ein automatisches Kaufprogramm. Das Programm kauft erst 2000 Aktien zu 15 Dollar, dann weitere 1000. Ein Rabattjäger-Programm eines Börsenmaklers wittert angesichts der Ordergrößen, dass ein Kaufprogramm aktiv ist. Der Rabattjäger stellt selbst eine Kauforder zu 15,01 Dollar ins System. Andere Verkäufer gehen darauf ein und verkaufen ihre Aktien dem Rabattjäger. Nun bietet dieser die Aktien zu 15,01 Dollar an. Im Idealfall, wie im Beispiel, greift das Programm des Investors zu. Der Rabattjäger bekommt für seine Kauf- und Verkaufsorder den Bonus, oft nur ein paar Zehntelcent pro Aktie. Das Geschäft lohnt dennoch, denn Börsen berechnen Maklern für solche Order keine Gebühren. Der Investor aber zahlt pro Aktie einen Cent zu viel.

Compuerspion

Ähnlich gehen Computerspione vor. Hinter diesen stecken Makler, die an der Börse als Market Maker eingesetzt werden. Sie müssen Kauf- und Verkaufskurse ins Börsensystem stellen und bei flauem Handel selbst für Liquidität sorgen. Anders als Rabattjäger beobachten Computerspione den Markt nicht nur, sondern locken Profi-Händler und deren Kauf- oder Verkaufsprogamme aktiv aus der Deckung. Das funktioniert so: Ein Computerprogramm soll 10 000 Aktien zu maximal 15,05 Dollar kaufen. Um die Preise nicht zu treiben, zeigt das System zunächst nur an, dass es 1000 Aktien zu 15 Dollar kaufen würde. Der Spion gibt eine Verkaufsorder mit extrem kurzer Gültigkeit für 1000 Stück dieser Aktie zu 15,06 Dollar aus (Flash-Order). Das ist dem Kauf-Computer zu teuer, er greift nicht zu. Der Spion storniert die Verkaufsorder und bietet erneut 1000 Stück zu 15,05 Dollar an. Nun schlägt der Kauf-Computer, der ja bis 15,05 kaufen will, auf der anderen Seite zu. Der Käufer, der geheim halten wollte, wie viel er maximal bieten würde, ist demaskiert. Der Spion registriert, dass er vermutlich weitere Aktien zu 15,05 Dollar an den Kauf-Computer verkaufen kann, obwohl dieser weiter nur eine Kauforder zu 15,00 zeigt. Der Spion, der als eng an die Börse angebundener Maklerrechner einen Millisekunden-Vorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern hat, fischt nun zu 15,01 Dollar alle am Markt erhältlichen Aktien weg. Anschließend verkauft er sie dem Kauf-Computer zu 15,05 Dollar.

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Räuberalgorithmus

Die meisten Computerhändler koppeln ihre Kauf- und Verkaufsformeln (Algorithmen) an den aktuellen Aktienkurs. Daher können sich Algorithmen gegenseitig in die Höhe treiben oder nach unten drücken. Räuberalgorithmen nutzen dies aus. Beispiel: Ein Computerhändler will eine Aktie bis maximal 15,05 Dollar kaufen. Der Marktpreis liegt bei 15 Dollar. Der Räuber-algorithmus hat den Computer erspäht und bietet ihm die Aktie in kleinen Paketen an, ohne dass er diese vorher gekauft hat (Leerverkauf). Dabei erhöht er den Preis schrittweise um einen Cent. Im Idealfall verkauft der Räuberalgorithmus möglichst viele Aktien zum Kauflimit der Gegenseite, hier 15,05 Dollar. Weil er den Preis selbst hochgetrieben hat, unterstellt er, dass dieser nicht mehr der vorhandenen Nachfrage entspricht, also zu hoch ist. Deshalb wartet der Räuberalgorithmus kurz, bis sich der Preis wieder dem Marktniveau von 15 Dollar annähert, und besorgt sich erst dann die schon verkauften Aktien, die er dem Computer auf der Gegenseite liefern muss. Ihm bleiben fünf Cent Profit pro Aktie; der Aktienkurs wird in Kaskadenbewegungen verfälscht.

Turbostarter

So heißen Kauf- oder Verkaufsorder in kleinen Paketen und mit gestaffelten, minimalen Preisunterschieden. Über sie können Computerhändler bereits existierende Auf- oder Abwärtsbewegungen verstärken und mit eigenen Kauf- oder Verkaufsaufträgen ausnutzen. So verstärken die Computer Kursausschläge noch zusätzlich.

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