Hochtief: Börsengang schürt Übernahmefantasie

Hochtief: Börsengang schürt Übernahmefantasie

Der Baukonzern Hochtief will bis zu eine Milliarde Euro mit dem Börsengang seiner Tochter Concessions, die Beteiligungen an Flughäfen und Straßen verwaltet, einnehmen - der Börsenneuling soll so zum Kandidaten für den MDax werden. Vielleicht tauschen im Index mittelfristig aber nur Mutter und Tochter Hochtief den Platz. Denn der größte deutsche Baukonzern wird durch die Abspaltung erst recht zum Übernahmekandidaten: Ein spanischer Rivale hält bereits fast 30 Prozent.

Noch in diesem Herbst will Hochtief die Sparte Concessions an die Börse bringen, heißte es aus Finanzkreisen. Dabei erwartet Spartenchef Peter Noe mindestens eine halbe Milliarde Euro Emissionserlös. "Von der Marktkapitalisierung her könnte Hochtief Concessions sicherlich ein Kandidat für den MDax sein", sagte Noe der Nachrichtenagentur Reuters. Dafür sind rund eine halbe Milliarde Euro an Streubesitz, also an der Börse handelbaren und nicht bei Großaktionären liegendem Aktienwert, nötig. Nach Informationen der Agentur peilt Hochtief sogar rund 700 bis 750 Millionen Euro Emissionserlös an, von denen 500 bis 550 Millionen Euro an den Mutterkonzern fließen sollen. 

Ob Hochtief Concessions ein gutes Geschäft für neue Aktionäre ist, lässt sich noch nicht beurteilen. Denn noch ist nicht bekannt, welchen Anteil an der Tochter für die angestrebte Summe hergibt. Auf jeden Fall will der Konzern 51 Prozent und damit die Mehrheit behalten. Auch ist nicht bekannt, mit wie viel Schulden Hochtief Concessions an den Start gehen wird.

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Spanier können sich Übernahme leisten

Klar ist dagegen schon jetzt, dass die Abspaltung die Übernahmefantasie um Hochtief schürt. Schon jetzt hält der börsennotierte spanische Baukonzern ACS 29,98 Prozent an Hochtief. Die Spanier sind im März 2007 mit 25 Prozent eingestiegen und nutzen zwei Jahre später ihre Option, den Anteil zu erhöhen - bis 0,2 Prozentpunkt unter die Schwelle, aber der ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre vorgeschrieben ist. ACS hat wiederholt bekundet, derzeit den Anteil nicht erhöhen zu wollen. Aber aus anderen Übernahmen weiß man, wie schnell sich so etwas ändern kann.

Die Aktienanalysten von Unicredit kommen überdies zu dem Schluss, dass sich die Spanier die Mehrheit an Hochtief durchaus leisten könnten. Trotz der schwerwiegenden Probleme der spanischen Wirtschaft, gerade auch der Baubranche. Die Rechnung geht so: Zwar ist ACS mit 9,3 Milliarden Euro verschuldet, dem mehr als Sechsfachen des für 2009 erwarteten Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Doch um die nötigen 2,7 Milliarden Euro für den Kauf der übrigen 70 Prozent an Hochtief aufzubringen, müsste ACS nur seine 25,8 Prozent am Infrastruktur-Unternehmen Albertis verkaufen. Oder zwei Drittel des 12,6-Prozent-Anteils am Energieversorger Iberdrola (Börsenwert der Beteiligung: vier Milliarden Euro).

Bei der nächsten Index-Anpassung im März könnte ein weiteres Unternehmen mit dem Namen Hochtief in den MDax aufgenommen werden. Vielleicht währt die doppelte Mitgliedschaft der Essener jedoch nicht lang. Wenn die Spanier zugreifen, wäre wie jetzt auch nur ein Hochtief im Index - und der hätte dadurch nicht wie jetzt erhofft an Gewicht gewonnen.

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