
Die US-Notenbank kauft Staatsanleihen auf und pumpt damit noch mehr Liquidität in die Märkte. Beunruhigt Sie das?
Konrad Hummler: Die Fed glaubt, dass sie auf diese Weise den Konsum anregen kann. Aber das wird nicht gelingen. Das Unbehagen der Bürger ist so groß, dass sie ihr Geld lieber sparen, als es auszugeben, selbst wenn es dafür kaum Zinsen gibt. Die negativen Folgen dieser Politik sind weit größer als der stimulierende Effekt.
Was sind die Folgen?
Das Bedrohlichste ist aus meiner Sicht, dass sich unter Berücksichtigung von Quantitative Easing 2 beinahe die Hälfte der ausstehenden amerikanischen Staatsschulden in der Hand der US-Notenbank oder von staatsnahen Agenturen befindet. Der Schuldner ist gleichzeitig auch Gläubiger. Das führt zu großen Verzerrungen im System.
Halten Sie einen Crash am Anleihemarkt für möglich?
Niemand weiß, was die Schulden der Amerikaner in Wahrheit wert sind. Es ist gut möglich, dass es eines Tages zu einer großen Wertberichtigung kommt. Die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe darf nicht unterschätzt werden.
Das klingt beunruhigend. Ihre Kunden werden das nicht gerne hören.
Die meisten wollen nur, dass ihr Geld sicher ist. Viele halten unglaubliche Mengen an Cash - aus Ratlosigkeit, weil sie nicht wissen wohin damit.
Was sollten Anleger tun?
Sie sollten Vorkehrungen für den Fall eines Anleihecrashs treffen. Wenn Sie damit rechnen, dass ihr Haus in den nächsten zwei Jahren abbrennt, dann werden Sie eine Feuerversicherung abschließen.
Und wie versichert man sein Vermögen?
Nominalwerte wie Staatsanleihen sind keine gute Wahl. Stattdessen tut man gut daran, einen Teil seines Vermögens in Sachwerten anzulegen. In ein solches Realwert-Portfolio gehören beispielsweise jeweils zu einem Drittel Aktien, Gold und Währungen von Ländern mit großen Rohstoffreserven. Wobei man das Gold nur physisch, nicht in verbriefter Form halten sollte. Es geht hier um eine Absicherung und nicht darum, mit diesem Teil des Portfolios hohe Renditen zu erzielen, obwohl diese Werte in den letzten Monaten gar nicht mal schlecht performt haben.
Je mehr Anleger in Sachwerte flüchten, desto größer die Gefahr, dass sich dort neue Blasen aufblähen.
Das kann sein. Aber im Moment ist das noch kein Thema. Es gibt eine Blase am Anleihemarkt. Für Staatsschulden wird fast nichts mehr an Zinsen verlangt. Was ist das anderes als eine Blase? Das ist schon verrückt.
Auf welchen Aktienmärkten liegt ihr Fokus?
Jeder hat eine Vorliebe für das Heimatland, ich auch. Schweizer Unternehmen wie Holcim, Nestlé oder Novartis haben den Vorteil, dass sie sehr global aufgestellt sind. Dasselbe trifft aber auch weitgehend auf deutsche Firmen zu. Entscheidend ist, dass der Großteil zukünftiger Wertschöpfung nicht mehr in Europa oder den USA stattfinden wird, sondern in den Ländern, die Nachholbedarf haben.
Sie meinen die sogenannten Schwellenländer?
Ja, dort sind sehr viele Menschen aus der Armut heraus zu einem gewissen Wohlstand gekommen. Die Leute sind nicht mehr nur Produzenten von Billigwaren, sondern Konsumenten. Länder wie China oder Brasilien sind außerdem von der Finanz- und Schuldenkrise unbelastet.
Wann wird China die USA als größte Wirtschaftsmacht überholen?
Vielleicht ist es schon ein bisschen passiert. Nicht in der Hochtechnologie, sondern zumindest was die Industriekapazitäten betrifft, hat China die USA schon überholt. Reisen Sie mal mit dem Zug von New York nach Washington. Da fahren Sie stundenlang an verfallenen Industrieanlagen vorbei. Das ist unglaublich bedrückend.
Dr. Konrad Hummler ist geschäftsführender Teilhaber von Wegelin & Co. Privatbankiers, Schweiz und Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers









