Indexfonds: Gefährlich passiver Fonds-Riese

KommentarIndexfonds: Gefährlich passiver Fonds-Riese

von Heike Schwerdtfeger

Den Vorständen von Allianz, RWE oder BASF wird der neue Großaktionär Blackrock kaum wehtun. Der Indexfonds-Verwalter mischt sich nicht ein. Das schwächt die anderen Aktionäre.

Die Nachricht kam überraschend, so mancher könnte eine Attacke auf den Traditionsversicherer vermuten: Der US-Vermögensverwalter Blackrock meldet, er habe rund 1,8 Milliarden Euro in Allianz-Aktien investiert. Er hält damit knapp fünf Prozent der Papiere. Zum Großaktionär in ähnlichem Umfang ist Blackrock auch bei den Dax-Werten Lufthansa, BASF, Münchener Rück, E.On, RWE und MAN aufgestiegen. Um die drei Prozent sind es bei K+S, SAP, Linde und Daimler. Für ein Haus, das bislang hierzulande kaum bekannt war, drehen die Amerikaner damit ein großes Rad. Mit dem Private-Equity-Investor Blackstone, der etwa an der Telekom beteiligt ist, hat Blackrock nichts zu tun. Blackrock ist der weltgrößte Vermögensverwalter: 2176 Milliarden Euro stecken in Blackrock-Fonds. Zum Vergleich: Alle 90 deutschen Fondshäuser bringen es zusammen auf 1664 Milliarden Euro.

Schlaflose Nächte wird der Riese deutschen Vorständen aber kaum bereiten. Den Aufstieg zum Großaktionär verdanken die Amerikaner vor allem einer etwa neun Milliarden Euro teuren Akquisition: Seit 1. Dezember ist Blackrock Eigentümer von Barclays Global Investors. Mit der Übernahme hat sich das Haus auch iShares, den zu Barclays gehörenden weltgrößten Anbieter von Indexfonds, gekrallt. Indexfonds bilden Indizes wie den Dax einfach nur ab – teure Fondsmanager, die sich über die Qualität einzelner Aktien den Kopf zerbrechen, sparen sie sich. Weil sie billig sind und weil die meisten Fondsmanager ihren Index sowieso nicht schlagen, sind Indexfonds beliebt.

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Passive Fonds schaden Aktionären

Die Aktienpakete der deutschen Unternehmen sind Blackrock, die bisher vor allem klassische Fonds verwalteten, eher nebenbei zugefallen. Die Allianz-Aktie etwa steckt in 20 Länder- und Branchenindizes, auf die iShares Indexfonds anbietet – so etwa im Euro Stoxx 50 und eben im Dax.

Macht ausüben, Managern Druck machen – das ist nicht die Sache der Indexfonds. Sie sind ja gerade deshalb so günstig, weil kein Fondsmanager zu einer Hauptversammlung oder Meetings mit Vorständen reisen muss. In der Vergangenheit hat iShares allenfalls Stimmrechte per Brief ausgeübt. Für die anderen Anleger ist das schlecht, wächst doch mit der Zahl der Index-Investments auch die Zahl der passiven Investoren, die Unternehmen frei walten lassen. "Wo war die Aktionärsgilde", fragte jüngst Christian Strenger, Aufsichtsrat der DWS, "als Porsche und Schaeffler sich Kontrollpositionen bei Volkswagen und Continental aufgebaut haben?". Aktionäre wurden geschädigt, doch protestiert haben nur ganz wenige. Wenn immer mehr Geld in Indexfonds wandert, könnte diese Passivität noch zunehmen.

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