Insiderskandal: Kungelplatz Wall Street

Insiderskandal: Kungelplatz Wall Street

von Andreas Henry

Der Insiderskandal um Hedgefonds, Anwälte, Analysten, Investmentbanker und Manager von Unternehmen gewährt tiefe Einblicke in eines der größten und aktivsten Kungel-Netzwerke weltweit: die New Yorker Börse.

Die Drehbuchautoren der im Oktober gestarteten amerikanischen TV-Serie „White Collar“ müssen sich nicht sorgen, dass ihnen die Ideen ausgehen. Geschichten über Wirtschaftsstraftaten – White-Collar-Kriminalität – liefert ihnen New York täglich neu. „Wie in einem James-Bond-Film“ hätten sich die bösen Buben eines jetzt von Ermittlern gesprengten Insiderhandelsrings verhalten, sagt Robert Khuzami, Chef der Fahndungsabteilung der US-Börsenaufsicht SEC. Raj Rajaratnam, Gründer der Hedge-fondsgruppe Galleon, und der ehemalige Hedgefondshändler Zvi Goffer, genannt „Octopussy“, sitzen im Zentrum des verzweigten Netzwerks. Dessen Zweck: sensible Informationen über Unternehmen und Aktiengeschäfte zu sammeln, auf Basis der Insiderinformationen gewinnbringend zu handeln und dieses illegale Treiben dann gut zu verbergen.

Schlaflos in Greenwich

Laut Anklageschrift hat Galleon mithilfe illegal erhaltener Informationen rund 25 Millionen Dollar Profit gemacht. Doch das ist nur die Summe, die SEC und Bundespolizei FBI belegen können. Sollten illegale Insidergeschäfte zum jahrelang praktizierten Geschäftsmodell von Galleon gehört haben – und vieles spricht dafür –, dürften die tatsächlichen illegalen Gewinne um ein Vielfaches höher liegen.

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Der Hedgefonds soll zum Beispiel 2007 Informationen über eine von Google vorbereitete Gewinnwarnung von einem Mitarbeiter einer Investor-Relations-Agentur erhalten haben. Für weitere Infos soll der Mann 100.000 bis 150.000 Dollar pro Quartal von Galleon gefordert haben. Rajaratnam wettete nach diesem Tipp mit Verkaufsoptionen auf einen fallenden Google-Kurs. Auch von einem Intel-Manager soll Rajaratnam Informationen über bevorstehende Gewinnmeldungen erhalten haben. Ein McKinsey-Direktor wiederum soll über einen bevorstehenden Einstieg einer Gesellschaft aus Abu Dhabi beim Halbleiterbauer AMD geplaudert haben. Auch über IBM, Hilton und Sun Microsystems soll Rajaratnam Insiderinformationen gehabt haben.

Netzwerk aus Anwälten, Analysten und Insidern

Händler Zvi Goffer bezog angeblich Tipps von einem Mitarbeiter der New Yorker Anwaltskanzlei Ropes & Gray. Die bereitete für Kunden Übernahmen vor. 2007 etwa soll Goffer so über den bevorstehenden Kauf von Alliance Data System durch die Private-Equity-Gruppe Blackstone informiert worden sein. Goffer handelte selbst und streute die Tipps innerhalb seines Netzwerks. Laut SEC machten zwei Hedgefonds damit mindestens zehn Millionen Dollar Gewinn.

Es sei „verstörend“, sagt SEC-Fahnder Khuzami, „mit welcher Leichtigkeit Wall-Street-Professionelle, Unternehmensinsider, Analysten und Anwälte die Gesetze und ihre Pflichten gegenüber ihren Kunden und Aktionären missachtet haben, für Kickbacks und einen schnellen Profit“.

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