Investmentbanken: Merrill Lynch sucht mit Rosskur Weg aus der Finanzkrise

Investmentbanken: Merrill Lynch sucht mit Rosskur Weg aus der Finanzkrise

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Merrill Lynch Niederlassung in Kalifornien: Die schwer angeschlagene US-Investmentbank will sich mit einem Doppelschlag aus der Krise befreien.

Notverkauf zum Schleuderpreis und eine neuerliche Kapitalerhöhung: Mit diesem Doppelschlag sucht die angeschlagene US-Investmentbank Merrill Lynch einen Weg aus der Finanzkrise. Die Lage spitzt sich für Merrill Lynch zu: Innerhalb eines Jahres hat die Investmentbank einen Verlust von 19 Milliarden Dollar angehäuft.

Neben dem Notverkauf eines großen Teils problematischer Wertpapiere soll eine weitere milliardenschwere Kapitalerhöhung Geld in die Kasse spülen. Die zu den weltweit größten Opfern der Kreditkrise zählende Investmentbank muss wegen des Verkaufs nochmals eine erhebliche Abschreibung vornehmen.

Merrill Lynch gibt das Riesenpaket forderungsbesicherter Anleihen zum Schleuderpreis von 6,7 Milliarden Dollar (4,25 Milliarden Euro) an eine Fondstochter des US-Finanzinvestors Lone Star. In den Büchern der drittgrößten US-Investmentbank stehen die riskanten Papiere, die einen Nominalwert von 30,6 Milliarden Dollar haben, noch mit 11,1 Milliarden Dollar. Allein daraus ergibt sich ein Abschreibungsbedarf von 4,4 Milliarden Dollar, teilte Merrill Lynch gestern Abend mit. Insgesamt muss die Bank im laufenden dritten Quartal nochmals 5,7 Milliarden Dollar wertberichtigen.

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Verlust von 19 Milliarden Dollar in zwölf Monaten

Die Abschreibungen seit Beginn der Kreditkrise vor rund einem Jahr summieren sich damit auf fast 50 Milliarden Dollar. Weltweit haben Banken bisher weit mehr als 400 Milliarden Dollar an Wertverlusten erlitten.

An der dringend benötigten Kapitalspritze von 8,5 Milliarden Dollar beteiligt sich auch Merrills inzwischen größter Aktionär Temasek Holdings. Der Staatsfonds Singapurs war Ende 2007 an Bord gekommen und zeichnet nun für 3,4 Milliarden Dollar neue Aktien. Ein Großteil der Summe stammt jedoch aus Rückzahlungen, die Merrill Lynch an Temasek vertragsgemäß leisten muss, weil dessen bisheriger Anteil stark an Wert verloren hat. Die Anteile bestehender Aktionäre werden durch die Kapitalerhöhung weniger wert.

Im Zuge der Kreditkrise beteiligten sich Staatsfonds besonders aus der arabischen und asiatischen Welt an zahlreichen Großbanken weltweit. So stieg Temasek auch bei der Schweizer UBS ein. Merrill Lynch hatte erst vor knapp zwei Wochen mit einem erneuten Minus von 4,7 Milliarden Dollar den vierten schweren Quartalsverlust in Folge erlitten. Insgesamt steht unter dem Strich damit binnen zwölf Monaten ein Minus von 19 Milliarden Dollar.

Merrill Lynch trägt unter den Investmentbanken damit klar die rote Laterne. Von den neuen Kapitalmaßnahmen war vor zwei Wochen noch keine Rede. Der seit Ende vergangenen Jahres amtierende Merrill-Lynch-Chef John Thain streicht derzeit mehr als 4000 der Ende 2007 noch rund 63.000 Stellen. Seit dem Ausbruch der Kreditkrise vor gut einem Jahr verlor Merrill Lynch rund zwei Drittel des Börsenwerts.

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