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Investmentfonds: CO2-Fonds sind ein Schnellschuss

von Martin Gerth

Anleger sollen in CO2-Fonds gelockt werden. Doch ist nicht klar, dass wenig CO2 emittierende Unternehmen spürbar günstiger produzieren und daher ein profitables Investment sind.

WirtschaftsWoche Redakteur Martin Gerth
WirtschaftsWoche Redakteur Martin Gerth

Trotz Stahlflaute können sich ThyssenKrupp und ArcelorMittal freuen, denn die Rezession beschert ihnen einen Überschuss an CO2-Emissionsrechten. Diese von den Regierungen für den EU-Emissionshandel zugeteilten Zertifikate ermöglichen es den Unternehmen, eine bestimmte Menge CO2 an die Atmosphäre abzugeben. Weil die Welt derzeit weniger Stahl braucht, jagen die Hochöfen auch weniger Treibhausgase durch die Schornsteine. Die Unternehmen können überzählige Emissionsrechte an der Börse versilbern oder für Jahre mit hoher Stahlnachfrage bunkern. Entsprechend gering ist derzeit der Anreiz, CO2 einzusparen. Seit der Lehman-Pleite im September ist der Preis für eine Tonne CO2 an der Leipziger Strombörse (EEX) um 43 Prozent eingebrochen.

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Dennoch versucht eine Reihe von Fondsgesellschaften, den Anlegern Produkte zu verkaufen, die die CO2-Vorreiter des Aktienmarkts herausfiltern sollen, um so einen Mehrwert zu schaffen. Wenn aber, so wie derzeit, die CO2-Emissionsrechte gar kein entscheidender Kostenfaktor sind, dann führt das Auswahlverfahren in die Irre.

Weltweiter Emissionshandel lässt auf sich warten

Irgendwann wird die Konjunktur zwar wieder anspringen, aber es bleiben Zweifel, ob das Kontingent an Emissionsrechten bis 2012 so knapp bemessen ist, dass es den Unternehmen mit dem im Branchenvergleich niedrigeren CO2-Ausstoß einen Wettbewerbsvorteil bringt. Bereits in der ersten Handelsperiode von 2005 bis 2007 zählte die EU-Kommission bei deutschen Energieversorgern einen Überschuss an Emissionsrechten von 4,3 Prozent des Gesamtkontingents.

Zudem hat die Bundesregierung durchgesetzt, dass in der dritten Handelsperiode von 2013 bis 2020, ein Großteil der Unternehmen aus den energieintensiven Branchen Stahl, Zement oder Chemie ihre Emissionsrechte weiter kostenlos erhalten. So sollen Nachteile gegenüber der Konkurrenz außerhalb der EU vermieden werden.

Solange es keinen weltweiten Emissionshandel gibt, der alle energieintensiven Branchen erfasst, werden sich CO2-Einsparungen an der Börse nicht auszahlen. Bisher hat nur die EU einen verpflichtenden Emissionshandel. In den USA ist das Klimagesetz, Voraussetzung für den Emissionshandel, noch nicht durch den Senat. Australien hat seinen Emissionshandel von 2010 auf 2011 verschoben. Bis Chinas Stahlkocher Emissionsrechte kaufen müssen, kann noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen.

CO2-Fonds sind ein trendiger Schnellschuss. Bisher bleiben die Anleger zu Recht skeptisch. So wird die DWS einen Fonds, der unter anderem in CO2-Emissionsrechte investiert, im August wegen zu geringer Nachfrage auflösen.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 05.08.2009, 13:58 UhrAnonymer Benutzer: Jens Plambeck

    Sehr geehrter Herr Gerth,
    um CO2-Vorreiter intelligent zu identifizieren orientiert man sich nicht an der effektiven Menge an ausgestoßenen Treibhausgasen, sondern an nachgewiesener Effizienz und einer glaubwürdigen und stringenten Strategie zur Reduktion und Vermeidung von Treibhausgasen, welche eine klare und hohe Unterstützung des Vorstandes hat. Transparenz und interaktion mit Stakeholdern sind weitere indikatoren um CO2-Vorreiter zu identifizieren zu erkennen; als Stichworte sei hier nur genannt das Carbon Disclosure Project (CDP) und The Greenhouse Gas Protocol initiative (GHG Protocol).

    Etwas mehr Tiefe wäre auch in einem so kurzen Kommentar der Wiwo wünschenswert.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jens Plambeck

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