
Die deutsche Wirtschaft boomt, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich der deutsche Aktienmarkt auch 2011 besser entwickeln wird als die meisten anderen europäischen Aktienmärkte. Es ist deshalb grundsätzlich eine gute Idee, als Anleger in deutsche Unternehmen zu investieren. Viele Investoren nehmen diese Idee allerdings ein wenig zu wörtlich und sind, wenn es um die Auswahl der passenden Zertifikate geht, leider nicht besonders einfallsreich.
Laut offizieller Umsatzstatistik der deutschen Börsengeschäftsabwicklung (BÖGA) wurde im vergangenen Jahr etwas mehr als die Hälfte aller Umsätze mit Zertifikaten getätigt, die den Dax als Basiswert hatten. Bei Indexzertifikaten beträgt der Dax-Anteil 45 Prozent. Zum Vergleich: Nur 1,4 Prozent des Umsatzvolumens aller Indexzertifikate haben den MDax als Basiswert, und der SDax-Anteil liegt bei schmalen 0,4 Prozent. "Zertifikate mit einem anderen deutschen Index als dem Dax werden leider kaum gehandelt", bedauert Nicolai Tietze von der Deutschen Bank. "Dabei war der Dax in der jüngsten Vergangenheit gar nicht der Index mit der stärksten Performance, wenn es um deutsche Aktien ging", so Tietze. Der deutsche Leitindex legte in den zurückliegenden zwölf Monaten zwar rund 20 Prozent zu, doch der Midcap-Index MDax (+30 Prozent) und der Small Cap-Index SDax (+38 Prozent) für die "kleinen Unternehmen ließen das populäre deutsche Vorzeige-Börsenbarometer weit hinter sich.
Aufschwung geht weiter
Wer die passenden Indexzertifikate im Depot hat, beispielsweise ein MDax-Zertifikat von HSBC Trinkaus (WKN: Deutschen Bank (WKN: Fuchs Petrolub oder auch Krones, der Weltmarktführer in der Produktion von Abfall- und Verpackungsmaschinen.
Familien denken langfristig
Weiterer Vorteil des MDax: Bei einigen der im Index enthaltenen Unternehmen wie beispielsweise bei Fielmann, Krones oder Vossloh bestimmen die Gründerfamilien noch die Firmenpolitik mit. Langfristige Ziele gehen hier vor kurzfristigem Erfolg. Die Vorstände von familiengeführten Unternehmen agieren allerdings offensichtlich auch privat als Aktionäre ihrer Firma nach diesem Motto. Deshalb geht die Idee eines Mid-Cap-Insider-Indexzertifikats (WKN: Commerzbank bisher nicht auf. Denn in den Index, der dem Zertifikat zugrunde liegt, werden Unternehmen aufgenommen, deren Entscheider, also Insider, auffällige Summen in die Aktien der eigenen Firma investiert haben. Würden die Insider kurzfristige Kurserfolge erwarten und deshalb kurzfristig investieren, wäre das Insider-Zertifikat vermutlich auch auf Jahressicht ein Erfolg. So aber erzielte das Zertifikat in den vergangenen zwölf Monaten eine geringere Rendite als der MDax. Vielleicht zahlt sich das Konzept ja langfristig aus.
Immerhin entwickelte sich das MDax-Insider-Zertifikat besser als der Dax. Ob das langfristig auch für ein Zertifikat von der Hypo-Vereinsbank (WKN: Krones und Vossloh, zwei Vorzeige-Werte, die sowohl im MDax als auch im Dax-Plus Family 30 Index vertreten sind, finden sich auch in einem weiteren DaxPlus-Index wieder: dem Daxplus Export Strategy Index. Nicht nur deshalb sollten sich Anleger Zertifikate auf diesen Index genauer ansehen. Denn Deutschland ist zwar in Sachen Export von China überholt worden und "nur noch" zweitstärkste Exportnation der Welt. Doch das ändert nichts an der Dynamik der exportstarken deutschen Unternehmen und der Nachfrage nach deren Qualitätsprodukten. Die Konzerne produzieren teilweise am Limit, und die Auftragsbücher sind auch für die kommenden Monate voll. Vom Wachstum im vergangenen Jahr konnten Dax-Unternehmen wie Siemens, Hochtief oder K+S überproportional profitieren.
Das lässt sich auch an den Börsenkursen ablesen: Der Dax-Plus Export Strategy Index entwickelte sich zuletzt deutlich besser als der Dax. Unter dem Strich steht ein Jahresplus von etwa 30 Prozent. Das sind rund zehn Prozentpunkte mehr als alle Dax-Aktien im Durchschnitt erzielen konnten. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, können Anleger mit einem passenden Hypo-Vereinsbank-Zertifikat auf den deutschen Export-Index am Erfolg teilhaben (WKN: Deutschen Börse bietet auch Strategien, mit denen sich aus der Entwicklung der im Dax enthaltenen Aktien noch mehr Rendite herausholen lassen soll. Ein Beispiel: Der Dax-Plus Maximum Sharpe Ratio Germany Index setzt die nobelpreisgekrönte Strategie von William F. Sharpe um. Seine Idee: Die sogenannte Sharpe-Ratio misst, wie viel Rendite ein Anleger pro Risikoeinheit erhält. Das Prinzip: Vom Ertrag einer Anlage wird der risikofreie Zinssatz (zum Beispiel der Inter-Bankenzinssatz Euribor) abgezogen und durch die Volatilität im selben Betrachtungszeitraum geteilt. Als Ergebnis erhält man eine Zahl, eben die Sharpe-Ratio. Je höher die Sharpe-Ratio einer Anlage ist, desto attraktiver ist diese Anlage im Vergleich zu den Alternativen. Somit werden verschiedene Anlagen in punkto Risiko und Rendite miteinander vergleichbar.
"Der Dax-Plus Maximum Sharpe Ratio Germany Index wendet dieses Vergleichsprinzip an und ermittelt auf diese Weise die Dax-Aktien mit dem besten Renditeprofil für das übernommene Risiko", erklärt Kemal Bagci von der Royal Bank of Scotland, die den Index als Basiswert für ein Dax-Strategie-Zertifikat verbrieft hat (WKN: AA0KF0). Derzeit sind zwölf Aktien im Sharpe-Ratio-Index. Die Werte sind offensichtlich gut ausgewählt: Unter dem Strich entwickelte sich das "12 aus 30"-Zertifikat in den vergangenen zwölf Monaten 3,66 Prozent besser als der deutsche Leitindex Dax.
Ein ähnliches Zertifikat von der RBS (WKN: AA0KFZ), das den Dax-Plus Minimum Variance Index Germany als Basiswert hat, setzt weniger auf die Rendite-Optimierung als auf eine Risikoreduzierung durch eine Mischung von Werten, deren Kursentwicklung und Branchenzugehörigkeit möglichst wenig miteinander korreliert. Dahinter steckt die Idee, dass sich die Kurse verschiedener Wertpapiere gegenläufig oder unabhängig voneinander entwickeln. Kursverluste von Aktie A werden durch Kursgewinne von Aktie B aufgefangen. Da die Aktienmärkte aber langfristig insgesamt steigen, bleibt auf Dauer unter dem Strich ein Gewinn. Das Ergebnis des Ansatzes ist eine geringere Volatilität des Zertifikats - allerdings aber auch eine geringere Performance.
Gute Idee - leider ausverkauft
Eine äußerst performancestarke Strategie, nämlich monatlich immer wieder Optionen auf den Dax zu verkaufen, sei an dieser Stelle noch erwähnt: Der Dax-Plus Covered Call Index von der Deutschen Börse hat in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von rund 33 Prozent erzielt. Wer das entsprechende Zertifikat (WKN: Nomura im Depot hat, darf sich über einen Renditevorteil von 14 Prozentpunkten gegenüber dem Dax freuen. Leider haben nicht allzu viele Anleger von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Der Verkauf des Zertifikats wurde eingestellt. Es werden nur noch Geld-Kurse gestellt. Schade eigentlich.
Die Beispiele zeigen: Es kann sich für Anleger lohnen, rechts und links vom Dax nach Alternativen Ausschau zu halten. Nach dem Motto: Investieren in den Dax ist gut, es geht aber auch noch besser. Selbst wenn es nur um eine bestimmte Anlageregion geht, kann eine Streuung des Kapitals auf mehrere Indexzertifikate auf jeden Fall nicht schaden. Das lehrt jede Analyse zum Thema Portfolio-Management.







