
Der verstorbene Börsenaltmeister André Kostolany hatte gut reden: „Anleger sollten Aktien kaufen, dann Schlaftabletten schlucken. Nach ein paar Jahren können sie sich über einen hübschen Gewinn freuen.“ Kostolany selbst wurde allerdings mit Anleihen reich –nicht mit Aktien. Und in der Tat funktioniert sein Ratschlag beim Handel mit Anleihen hervorragend. Am Ende der Laufzeit werden Anleihen – falls die Emittenten nicht vorher pleite gehen – immer zu 100 Prozent ihres Nominalwertes zurückgezahlt. Wer in Aktien investiert, sollte dagegen vorsichtiger agieren. Dividendenpapiere haben keine Laufzeitbegrenzung und schon gar keine Rückzahlungsgarantie. 100 Prozent sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Aktien können zu allem Überfluss innerhalb kurzer Zeit deutlich an Wert verlieren oder – noch schlimmer – sogar über Jahre hinweg. Wie sich ein veritabler Crash auf Raten anfühlt, erfuhren Anleger zuletzt in den Jahren 2000 bis 2003. Der Dax stürzte während seiner dreijährigen Talfahrt von seinem Höchststand bei 8 065 Punkten bis auf 2 203 Punkte ab – ein kapitaler Wertverlust von 73 Prozent. Wer damals ausschließlich Aktien gekauft hat, sitzt heute noch auf den Verlusten. Die Angst davor, dass sich so etwas noch einmal wiederholen könnte, hat zu radikalem Umdenken bei vielen Privatanlegern geführt: Der Verkauf von Finanzderivaten mit Sicherheitsmechanismus boomt. Nach Angaben des Branchenverbandes Derivate Forums gehört derzeit ein Drittel aller Anlagezertifikate in den Depots zur Kategorie der Garantiezertifikate. Diese Papiere versprechen verlustfreies Investieren bei voller Performance – auf den ersten Blick. Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass Sicherheit natürlich nicht kostenfrei zu haben ist. Garantie ist nicht gleich Garantie. Es gibt verschiedene Arten von Garantiezertifikaten. Manche garantieren einfach die Rückzahlung des Emissionspreises, manche knüpfen die Rückzahlungshöhe an Bedingungen, und wiederum andere passen die Rückzahlungshöhe nach und nach an. Beliebt bei Anlegern sind vor allem die klassischen Garantiezertifikate. Sie locken mit hohen Renditeversprechen: voller Gewinn, wenn alles gut geht. Und wenn es nicht so läuft, gibt es am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital zurück. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 wird zum Preis von 100 Euro ausgegeben. Die Laufzeit beträgt beispielsweise fünf Jahre. Am Ende der Laufzeit wird abgerechnet. Ist der Index gestiegen, dann gewinnt auch der Zertifikateinhaber. Der Gewinn ist dann genauso hoch, als ob der Inhaber ein Indexzertifikat gekauft hätte. Notiert der Index am Laufzeitende niedriger als zu Beginn, dann gibt es 100 Euro pro Zertifikat zurück. Das Verlustrisiko ist also ausgeschlossen – scheinbar. Doch ein Ruhekissen für schlechte Börsenzeiten sind die Garantiepapiere nicht. Denn bei fallenden Kursen gibt es auch keinen Gewinn. Im schlimmsten Fall verhindern die Zertifikate zwar einen Totalverlust, die ausschließliche Rückzahlung des Anfangskapitals tut aber im Vergleich zu einer Sparbuchanlage immer noch weh. Schmiert die Börse ab, bleibt der Anleger auf den Kaufkosten sitzen. Das sind meistens etwa ein Prozent Spread plus Courtage. Dazu kommt noch der Inflationsverlust. Möglicherweise halten Anleger das Zertifikat fünf Jahre lang und haben im letzten Jahr das Pech, dass die Kurse unter den Emissionspreis fallen, dann rentiert das Papier gegenüber einer Festgeldanlage bis zu 20 Prozentpunkte schlechter. Auch während der Laufzeit der Papiere sind Verluste möglich, denn bei stark steigenden Kursen sind Garantiezertifikate nicht die optimale Lösung. Brummt die Börse, dann sehen Anleger den Gewinnen hinterher. Denn die volle Performance entfalten Garantiezertifikate erst am Laufzeitende.









