Japan: Tokios Börse beendet Handelsjahr mit Rekordverlust

Japan: Tokios Börse beendet Handelsjahr mit Rekordverlust

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2. Dezember 2008: Der Nikkei-Index der Börse Tokio sinkt erneut unter die 8000-Punkte-Marke. In den 58 Jahren seines Bestehens gab es für den Nikkei kein schlimmeres Handelsjahr als 2008.

Der letzte Handelstag an Tokios Börse endete zwar mit einem Kursplus, der versöhnliche Ausklang konnte jedoch nicht verhindern, dass der Nikkei-225-Index das Jahr mit dem größten Verlust in seiner 58-jährigen Geschichte abschloss.

Der letzte Handelstag an Tokios Börse endete zwar mit einem Kursplus, der versöhnliche Ausklang konnte jedoch nicht verhindern, dass der Nikkei-225-Index das Jahr mit dem größten Verlust während seiner 58-jährigen Geschichte abschloss. Im Sog der Weltwirtschaftskrise und des drastisch gestiegenen Yen stürzte der Nikkei-225-Index an Asiens Leitbörse um 42 Prozent ab und damit so stark wie noch nie. Das ist ein sogar noch größerer Verlust als beim Platzen der Spekulationsblase 1990, als der Nikkei um 39 Prozent abstürzte. Im Jahr 2000 hatte der Nikkei einen Verlust von 27 Prozent erlitten.

Fast sämtliche 33 Börsensektoren mussten 2008 bluten. „Das ist ein beispielloses Jahr, in dem wir von scharfen Gegenwinden erfasst wurden“, sagte Börsenchef Atsushi Saito am Dienstag bei der Jahresendzeremonie. Immerhin schlug sich Japan von allen der zehn größten Märkte der Welt noch am besten. Und ab der zweiten Hälfte des kommenden Jahres sehen manche Börsianer in Tokio auch wieder Licht am Ende des Tunnels.

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Der Zusammenbruch des amerikanischen Marktes mit dem katastrophalen Schiffbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers ließ Japan, das zuvor die längste Wachstumsphase der Nachkriegszeit erlebt hatte, ebenso in eine Rezession abgleiten wie die USA und Europa. An Tokios Börse kam es in Folge des Lehman-Schocks zu Panik-Verkäufen. Der Nikkei-Index stürzte am 28. Oktober erstmals seit 26 Jahren unter die Marke von 7000 Punkten, nachdem er das Handelsjahr noch oberhalb der Marke von 14.000 Punkten begonnen hatte. In Folge der Krise drosselten die Banken ihre Kreditvergabe, was in Japan vor allem im Immobiliensektor zu der größten Pleitenwelle der Nachkriegszeit führte; 33 börsennotierte Unternehmen gingen in diesem Jahr unter.

Angst vor Deflation

Selbst Japans Vorzeigeunternehmen Toyota, der erfolgsverwöhnte größte Autobauer der Welt, wurde von der Krise kalt erwischt und rechnet für das noch bis zum 31. März 2009 laufende Geschäftsjahr nun erstmals in der 70-jährigen Unternehmensgeschichte mit einem operativen Verlust. Die von ihrem Exportmotor abhängige zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt leidet zudem unter dem starken Yen, der zum Dollar auf ein 13-Jahres-Hoch schnellte. Japans Exporte verzeichneten im November einen Rekordrückgang, die Ausfuhren nach Asien sanken so stark wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Industrieproduktion verringerte sich um 8,1 Prozent und damit so stark wie noch nie.

Vor diesem Hintergrund bauen viele japanische Unternehmen massiv Arbeitsplätze ab, was wiederum den privaten Konsum dämpft. Gleichzeitig halbierte sich die Kern-Inflationsrate im November auf nur noch 1,0 Prozent. Schon wird befürchtet, dass Japan im kommenden Jahr wieder in eine Deflation zurückfallen könnte, also in eine Phase anhaltend fallender Preise. Und doch schöpfen viele Börsianer für 2009 Hoffnung. „Die Realwirtschaft ist weiter im Abwärtstrend, aber die Aktien werden sich wahrscheinlich standfest erweisen“, sagte Yukio Takahashi von Shinko Securities der japanischen Agentur Kyodo.

Manche Analysten rechnen damit, dass sich der Nikkei-Index im kommenden Jahr zwischen 6500 und 12 000 Punkten bewegen wird. Takahashi rechnet vom dritten bis vierten Quartal 2009 an mit einem Anziehen der Kurse, da sich die Finanzkrise abschwächen dürfte und die Investoren die ohnehin erwarteten schlechten Konjunkturdaten verdauen würden. Hinzu komme, dass sich dann die rund um den Globus angekündigten gigantischen Rettungspakete bemerkbar machen dürften.

So will die japanische Regierung die Wirtschaftskrise mit dem größten Haushalt in Japans Geschichte bekämpfen. Das Kabinett billigte erst vor wenigen Tagen einen Rekordhaushalt im Volumen von umgerechnet rund 700 Milliarden Euro. Ministerpräsident Taro Aso, dessen Unterstützung in der Bevölkerung drastisch gesunken ist, muss den neuen Haushalt allerdings noch vom Parlament absegnen lassen.

Die konjunkturelle Talfahrt werde sich etwa ab Mitte 2009 verlangsamen, meinen Analysten und stützen ihre Erwartungen auf die Stimulierungsmaßnahmen der Regierungen wie auch die jüngsten Zinssenkungen der Zentralbanken. Angesichts dieser Hoffnung legten die Aktien in Asien am Dienstag zu. Der Nikkei-Index an der Leitbörse Tokio beendete den letzten Handelstag des Jahres mit einem Plus zum Vortag von 112,39 Punkten oder 1,28 Prozent bei 8859,56 Punkten.

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