Job-Netzwerke: Banker suchen online dringend Freunde

Job-Netzwerke: Banker suchen online dringend Freunde

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50 Prozent mehr Finanzmanager als nur vor zwei Wochen nutzen das Onlinenetzwerk Linked In

Seitdem in den Finanzzentren immer mehr Jobs kippen, entdecken die Banker dieser Welt eine lange ignorierte Spezies: ihren Nächsten. Soziale Netzwerke im Internet erleben einen Ansturm aus der Finanzindustrie. Viele Banker suchen jetzt Kontakte, die sie durch die Krise tragen. Der Erfolg ist fraglich.

Arif Aziz hat es schon früh kommen sehen. Die Zeiten für Banker wie ihn werden härter. Ende Mai hat der Manager der Royal Bank of Scotland  aus dem britischen Blackburn vorsichtshalber im Online-Netzwerk Linked In eine eigene Freundesgruppe gegründet. Aziz hofft: „Kollegen so besser zu erreichen und durch gegenseitige Kontakte die Karriere zu beschleunigen.“ Mittlerweile müsste es wohl heißen: die Karriere zu retten.

Seitdem weltweit die Finanzinstitute wie Dominosteine umfallen, herrscht in den Bankentürme die nackte Panik. 140000 Jobs haben Banken bereits seit Ausbruch der Finanzkrise Mitte vergangenen Jahres gestrichen. Die einst selbstbewussten Banker fürchten weltweit um ihre Zukunft – und suchen hektisch Kontakte und Beziehungen, die sie durch die Finanzkrise tragen und ihnen am Ende ein lukratives Pöstchen sichern. Besonders deutlich merken die sozialen Netzwerke im Internet das neue Nähebedürfnis der Banker. Sie erleben einen echten Ansturm furchtsamer Finanzjongleure, die schnell noch in der virtuellen Welt Freunde und Kontakte suchen, die ihnen im echten Leben fehlen.

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Sie heißen „Real Estate Open Networkers“, „BankNet“ oder „Global Bankers Network“. Sie haben mal mehrere tausend Mitglieder, manchmal auch nur einige hundert. Vor allem haben sie aber eins gemeinsam: in den vergangenen Wochen sind sie kräftig gewachsen. Allein im Online-Netzwerk LinkedIn, einer speziell auf Führungskräfte spezialisierten Plattform, ist der Bestand registrierter Banker aus den oberen Etagen der Finanzwelt seit dem Zusammenbruch der amerikanischen Bank Lehman Brothers – dem Auslöser der jüngsten Panik – um 100 Prozent gewachsen. Die Networking-Aktivitäten der Banker stiegen in den vergangenen 14 Tagen um die Hälfte.

Die in Großbritannien ansässige LinkedIn-Zentrale hat unter 28 Millionen weltweiten Mitgliedern eine Umfrage zur aktuellen Situation gemacht. Ein Ergebnis: „Die aktuelle Finanzkrise ruft enorme Zukunftsängste hervor“, sagt LinkedIn-Europachef Kevin Eyres. „Die Studie macht aber auch deutlich, dass Online-Networking gerade in Krisenzeiten immer wichtiger wird. Führungskräfte nehmen gerne aktiv Einfluss auf ihre Karriere und bringen sich durch Austausch über LinkedIn in eine bessere Ausgangssituation.“ Ob das auch wirklich klappt, ist fraglich.

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