Josef Ackermann und die Finanzkrise: Victory-Joe bleibt mal wieder unverstanden

KommentarJosef Ackermann und die Finanzkrise: Victory-Joe bleibt mal wieder unverstanden

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WirtschaftsWoche-Redakteur Cornelius Welp

In Krisenzeiten wächst die Sehnsucht nach einfachen Erklärungen: Es muss schließlich einen Schuldigen geben - und warum sollte das nicht der sein, der sowieso immer an allem Schuld ist? Prompt ist Victory-Joe wieder da. Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, mag inzwischen in Deutschland angekommen sein. Verstanden wird er hier nach wie vor nicht.

Der angeblich so abgehobene, abgezockte, arrogante und amoralische Alphakapitalist Josef Ackermann hat, so die Volksmeinung, mal wieder sein wahres Antlitz gezeigt. Und prompt dreschen Politiker aller Parteien wie im Wettlauf verbal auf den Frankfurter aus der Schweiz ein. Ein tatteriger Ex-Fernsehkommissar und Hobby-Präsidentschaftskandidat erklärt gar, er wolle ihn „einfach mal so“ verhaften.

Was soll Ackermann gesagt haben? Er würde sich also schämen, das Rettungspaket anzunehmen. Das ist so natürlich eine bedenkliche Aussage.

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Sie macht es anderen Banken nicht eben leichter, die Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn staatliche Unterstützung zum Stigma wird, ist der Erfolg der gesamten Aktion gefährdet.

Der Branchenprimus trägt hier auch eine Verantwortung für das gesamte System. Diese hat Ackermann in den vergangenen Wochen immer wieder für sich eingefordert. Und schließlich war er einer der ersten, der öffentlich staatliche Unterstützung anmahnte. Deshalb sind die empörten Reaktionen zumindest im Ansatz verständlich.

Aber ist Ackermanns Aussage, so unglücklich sie auch formuliert gewesen sein mag, inhaltlich wirklich so falsch?

Warum sollte die Deutsche Bank freiwillig Staatsgeld annehmen, wenn sie es tatsächlich nicht braucht, andere Institute aber dringend darauf angewiesen sind? Sie hat die Krise nun mal bislang besser als viele Konkurrenten überstanden.

So üppig das Paket derzeit auch aussieht, so unklar ist, ob es selbst in diesen Dimensionen seinen Zweck erfüllt. Ist es da nicht eigentlich ein gutes Zeichen, wenn es eine Bank aus eigener Kraft schafft? Ist es verwerflich, aus einer vorteilhaften Position Vorteile ziehen zu wollen?

Ist es nicht viel mehr ein Konstruktionsfehler der deutschen Lösung, dass sie, anders als in Großbritannien oder den USA, die Banken zu Bittstellern macht? Und wie würde erst die Reaktion aussehen, wenn Ackermann tatsächlich auf Steuergeld zugriffe? Noch mehr Hohn und Häme wären ihm gewiss.

So wie nach seiner Ankündigung, in diesem Jahr auf einen Bonus zu verzichten. Natürlich ist das nicht mehr als ein symbolischer, ein populistischer Akt. Er tut Ackermann, der allein im vergangenen Jahr 14 Millionen Euro verdiente, nicht weh.

Eine ähnliche Geste hätte man sich freilich auch von einigen Landesbankern oder den Managern der IKB gewünscht. Für die von diesen Banken angehäuften Milliardenverluste muss übrigens, anders als bei der Deutschen Bank, der Steuerzahler einstehen.

Schon mehrfach musste die Deutsche Bank im Verlauf der Krise Aussagen Ackermanns revidieren oder richtig stellen. Vieles hatte er angeblich oder tatsächlich ganz anders gemeint, als es dann verstanden wurde. Ackermann mag inzwischen in Deutschland angekommen sein. Verstanden wird er hier nach wie vor nicht.

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