Jungunternehmer: Valley Talk: Was man im Valley lernen kann

Jungunternehmer: Valley Talk: Was man im Valley lernen kann

Die WirtschaftsWoche hat mit Matthias Hohensee einen sehr gut informierten Korrespondenten im Silicon Valley. Und weil Matthias selber nicht bloggt, werde ich an dieser Stelle nun regelmäßig kleine Gespräche mit ihm führen. Im ersten Teil geht es um die Frage, was deutsche Jungunternehmer im Silicon Valley lernen können.

Gründerraum: Es gibt zahlreiche Fälle, in denen deutsche Gründerdie ihr Glück im Valley suchen, jüngstes Beispiel ist Qitera. Welche Vorteile hat das?

Hohensee: Man ist hier im Epizentrum der Hightech-Industrie, egal ob es um Computer, Software oder Biotech geht, das ist ein klarer Vorteil. Gleichzeitig ist das Silicon Valley etwas sehr Lokales. Das hat schon etwas Paradoxes wenn man sich die Globalisierung anschaut. Aber man hat hier alles auf einem Fleck: Universitäten, Forscher, Unternehmer, Geldgeber, Manager, Entwickler, Marketing-Spezialisten, Kooperationspartner und nicht zuletzt Kunden.

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Was ist der Hauptgrund, dort ein Unternehmen zu starten?

Es geht meist schneller. Ich muss die Leute nicht so lange überzeugen. Es wird einfach gemacht und nicht so viel diskutiert oder durch Ebenen geschoben und blockiert.

Was kann man als Unternehmer im Valley lernen?

Man lernt sehr schnell, wie man ein Produkt am besten vermarktet. Forschen und entwickeln - würde ich mal behaupten - kann man in Deutschland sogar besser. Im Valley geht es darum, wie man Produkte an die richtigen Leute, in die richtigen Kanäle bringt und von da aus weiterentwickelt. Deutschen Startups empfehle ich, am besten nur einen ihrer Chefentwickler mitzubringen, die Abteilung allerdings in Deutschland zu lassen. Einmal spart man Kosten, zum anderen hat man nicht die ganzen Probleme mit den Visas und letztlich dem Abwerben der Leute.

Aber es nicht alles rosig, wie man hört.

Das stimmt. Ich sage nur Kosten, Kosten, Kosten. Es ist unwahrscheinlich teuer hier. Das fängt bei Büros an und geht bis hin zu den persönlichen Lebenshaltungskosten. Trotz des niedrigen Dollars sind Neuankömmlinge - das ging ja auch den Quitera-Leuten so - geschockt, was hier Wohnungen, Büros, Lebensmittel, Kindergarten und gute Schulen kosten. Viele verstehen zum ersten Mal Deutschland, wie bequem Vieles in Deutschland ist, besonders wenn sie versuchen, einen Arzttermin zu ergattern und als erstes nach der Kreditkarte gefragt werden.

Welche Deutschen spielen im Valley eine Rolle?

Nun, der prominenteste ist sicherlich Andreas von Bechtolsheim, einer der Gründer von Sun Microsystems. International bekannt wurde er als der erste Geldgeber von Google, was ihn zum Milliardär gemacht hat. Übrigens arbeitet er trotzdem weiter als Chefwissenschaftler/Ingenieur von Sun Microsystems, entwickelt neue Computer und Server. Bekannt ist auch Hartmut Esslinger, der Gründer von Frog Design. Zu nennen ist auch der Deutsch-Österreicher Martin Roscheisen, der bereits etliche Internet-Unternehmen gegründet und verkauft hat und momentan versucht, Nanosolar zum einem der führenden Solarpanel-Hersteller zu machen. In der Spielebranche ist Lars Butler von Trion bekannt.

Welchen Ruf haben deutsche Startups bei Unternehmen im Valley?

Im Grunde spielt Nationalität hier keine große Rolle. Man ist Silicon Valley Unternehmer. Einen kleinen Vorteil hat man vielleicht, wenn man aus Indien oder China kommt, weil man da auf gewachsene Strukturen innerhalb ethnischer Gruppen zurückgreifen kann. Aber der Vorteil ist eher klein. Für Europäer spielt dieser Zusammenhalt nicht so eine Rolle, was manchmal nachteilig ist. 

In Deutschland wird immer wieder über Copy Cats, die Kopien vor allem amerikanischer Geschäftsmodelle, diskutiert. Ist das ein Thema?

Geklaut oder "nachempfunden" wird überall. Hartmut Esslinger verwendet den schönen Begriff "Copyleft", man schaut, was andere gut machen und baut darauf auf. Allerdings haben Europäer mittlerweile schon den Ruf, dass sie gern Geschäftsideen kopieren. Wenn sie die sogar besser umsetzen, warum nicht. Amerikaner machen es in vielen anderen Bereichen genauso.

Gibt es gute Anlaufstellen für deutsche Unternehmer vor Ort?

Die German American Business Association (Gaba) kann sehr hilfreich sein.

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