
BERLIN. Es gibt zwar keine Lücke mehr im Kalender von Angela Merkel, doch die Begegnung mit 400 jungen Führungskräften aus China ließ sich die Kanzlerin nicht nehmen. Wenn die Finanzkrise wirklich die Gewichte der globalen Machtverteilung verschiebt, dann sind die wenigen Minuten Aufmerksamkeit der Regierungschefin für die junge Elite der künftigen Weltmacht sicher gut investiert. Ansonsten kennt Merkels Terminplanung nur noch eine Priorität: die Finanzkrise.
War es schon schwer genug, im Ringen mit Washington, London und Paris ein Rettungspaket zu schnüren, so geht es in dieser Woche vor allem darum, nach der Ankündigung auch politische Akzeptanz für den 500-Mrd.- Euro-Plan zu erzielen. Schon die schiere Wucht der Zahl ist geeignet, gleichermaßen Angst, Fassungslosigkeit und Widerstand herauszufordern. Eine mehrfache Ablehnung und Veränderung des Rettungsplans durch die Abgeordneten wie in den USA will sich die Bundesregierung auch mit Blick auf die völlig verunsicherten Börsen ersparen.
Hand in Hand mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück geht Merkel deshalb in der Politik und der Wirtschaft auf Roadshow. "Nicht Ankündigungen wirken, sondern eine klare Umsetzung", heißt es dazu mit Blick auf Washington im Kanzleramt.
Josef Ackermann war der erste Banker, den Merkel über die Rettungspläne der Regierung informierte. Der Deutsche-Bank-Chef flog bereits Sonntagabend mit dem Privatjet von Washington nach Berlin, um noch vor der Kabinettssitzung mit Merkel zu sprechen. Die Kanzlerin ließ sich noch einmal persönlich von Ackermann versichern, dass das deutsche Rettungspaket geeignet ist, die Turbulenzen an den Börsen zu beenden und die Banken vorerst vor Pleiten zu schützen. Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing, Bankenpräsident Klaus-Peter Müller und Allianz-Chef Michael Diekmann wurden um ihren Rat gebeten.
Montagmittag tagten die Staatssekretärsrunde und das Kabinett. Schließlich betraten die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen das Kanzleramt, um sich über das Gesetz zum Rettungsplan informieren zu lassen - inklusive der Linken Oskar Lafontaine und Gregor Gysi.
Am gestrigen Dienstag schließlich versuchte Bundesfinanzminister Steinbrück, seine Amtskollegen aus den Ländern auf das gigantische Notfallpaket einzuschwören. Die Landesfinanzminister fühlen sich von der Eile des Verfahrens überrumpelt; sie wissen aber, dass sie sich nicht verweigern können.
Während Steinbrück noch mit den Landeskassenwarten streitet, wirbt Merkel nach einem kurzen Redeauftritt vor den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern im Bundestag bereits bei den Fraktionen für den Rettungsplan. Der Ton der Aussprachen ist ruhig, die Abgeordneten wissen um den Ernst der Lage. Auch die beispiellose Eile, mit der das Gesetzespaket bis Freitag durch das Parlament gepeitscht werden soll, wird ohne größeres Murren akzeptiert; die Finanzkrise gibt das Tempo vor.
Am Abend schließlich empfängt Merkel die Spitzenvertreter der "Realwirtschaft" im Kanzleramt, wie ein Berater es formuliert. Nach den Bankmanagern will Merkel auch die Vorstandschefs der großen Dax-Unternehmen und einige Mittelständler einbinden und aus erster Hand informieren.
Am heutigen Mittwoch fliegen Merkel und Steinbrück zum Europäischen Rat, um nach den 15 Staaten der Euro-Zone auch die anderen zwölf Mitglieder der EU auf eine gemeinsame Antwort der Europäer auf die Finanzkrise einzuschwören. Zeitgleich wird das Rettungspaket in den Bundestag eingebracht. Für Donnerstag haben sich dann in Berlin die Ministerpräsidenten bei Merkel angemeldet. Vor allem Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die Probleme mit ihren Landesbanken haben, sollen in die Pflicht genommen werden. Am Freitag steht die Verabschiedung des Pakets auf der Tagesordnung; zunächst im Bundestag und schließlich in einer Sondersitzung des Bundesrates. Erst dann kann aus dem Rettungstopf des Steuerzahlers auch Geld fließen.







