Katastrophe: Erdbeben in China

Katastrophe: Erdbeben in China

Bei dem Erdbeben in China am Montag kamen laut jüngsten Berichten der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua bis zu 20.000 Menschen ums leben. Das genaue Ausmaß der Katastrophe sei bis heute noch nicht absehbar.

Die Ortschaften in der Nähe des Epizentrums, welches in der Provinz Sichuan liegt, bieten ein Bild des Grauens: Gebäude sind zusammengestürzt wie Kartenhäuser. Soldaten müssen Angehörige zurückdrängen, um die Zufahrtsstraßen zum Katastrophengebiet für Rettungsfahrzeuge frei zu halten.

Die Industriestadt Mianyang mit ihren 700.000 Einwohnern ist indes zur überlaufenen Anlaufstelle für Flüchtlinge geworden. Die Lebensmittelpreise in der Stadt haben sich teils mehr als verdoppelt, manche Supermarktregale blieben leer. Xinhua berichtete, dass "50.000 Zelte, 200.000 Baumwolldecken, 300.000 Jacken, Nahrungsmittel, Trinkwasser und Medikamente verzweifelt benötigt" würden. Die Region wurde immer wieder von Nachbeben erschüttert. Die Streitkräfte begannen am Mittwoch mit ersten Hubschrauberflügen in die Orte nahe dem Epizentrum. Nach zwei Tagen schlechten Wetters konnten sie endlich dringend benötigte Hilfsmittel einfliegen. Zuvor hatten sich Soldaten zu Fuß einen Weg ins Krisengebiet gebahnt. Die Regierung in Peking hat bis zu 50.000 Soldaten für den Hilfseinsatz mobilisiert.

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Ministerpräsident Wen Jiabao, der wenige Stunden nach dem Unglück in die Region reiste, besuchte am Mittwoch weitere Opfer der Tragödie und stellte sich ihnen als „Opa“ vor.

In Shanghai haben wir von dem Erdbeben nichts mitbekommen. Andere Kommilitonen unserer Uni berichten, dass sie ein leichtes Rütteln gespürt haben.

Ein Kommilitone, mit dem ich in Köln studiert habe, absolviert zur Zeit sein Auslandsjahr in Chengdu, der Hauptstadt der vom Erdbeben betroffenen Provinz Sichuan. Er berichtete, dass er sich zum Zeitpunkt des Erdbebens in seiner Wohnung befand, die im 26. Stock eines Hochhauses liegt. In Todesangst ist er die Treppen hinuntergerannt und hat seine Freundin aufgesucht. Da sein Wohnhaus einsturzgefährdet ist, kann er zur Zeit nicht mehr in seine Wohnung. Glücklicherweise erklärten sich die Eltern seiner Freundin bereit, ihn aufzunehmen.   Die internationale Presse sagt dem Krisenmanagement der KP nach, dass sie das Desaster zum Positiven nutzen will, um die internationale Isolation nach der Tibet-Krise zu beenden. Ich denke, dass man die Tibetkrise und das Erdbeben von getrennten Perspektiven betrachten muss. Vielleicht hat sich ja tatsächlich was zum Guten verändert. Gerade in diesem olympischen Jahr hatten Staat und Partei mehr als genug Gelegenheit, ihr Krisenmanagement zu testen: Erst legte ein Schneesturm weite Teile Südostchinas lahm, dann protestierten die Tibeter. Kürzlich verunglückte ein Zug in der Provinz Shandong, 72 Menschen kamen dabei um, mehr als 416 wurden verletzt. Und nun das Erdbeben.

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