„Kein Problem“ – Nette Chefs sind die schlimmsten von allen: „Kein Problem“ – Nette Chefs sind die schlimmsten von allen

„Kein Problem“ – Nette Chefs sind die schlimmsten von allen: „Kein Problem“ – Nette Chefs sind die schlimmsten von allen

Wie schrieb mich kürzlich ein Leser (eine junge Führungskraft) mit einer persönlichen Frage an. Die ist alles andere als trivial und dazu ein weit verbreitetes Problem unter Managern, weshalb ich sie hier gerne auch noch einmal öffentlich beantworte. Sie lautet: „Gibt es einen Weg, seinen Mitarbeitern unangenehme Dinge angenehm zu sagen?“

Gute Frage! Sicher, kaum einer mag Konfrontationen im Job. Chefs bilden da keine Ausnahme. Den meisten Führungskräften, da schließe ich mich ein, macht es einfach keinen Spaß, einen Mitarbeiter zu kritisieren, Entscheidungen zu treffen, die für ihn unangenehme Konsequenzen haben (damit ist jetzt keine Kündigung gemeint) oder sich im Zweifel auch gegen Uneinsichtigkeit durchzusetzen. Loben ist viel leichter: Danach sind beide glücklich. Dahinter steckt jedoch ein gefährliches Entscheidungsmuster. Es basiert auf Harmoniesucht. Diese Manager wissen zwar, dass sie ihre Mitarbeiter fordern und fördern sollen, weil sie diese Formel schon hundertfach gehört haben. Sie wissen, dass Qualität von quälen kommt und gelegentliche Ermahnungen so unvermeidlich sind wie Erbauungen nötig. Trotzdem meiden sie unangenehme Gespräche wo sie nur können: Sie beschönigen, generalisieren, werden vage und verstecken sich hinter dem unbestimmten “man sollte vielleicht…” statt im Klartext zu sagen “Ich möchte, dass…” (Oder noch bestimmter: “Ich erwarte von Ihnen, dass…”). Solche Führungskräfte führen nicht, sie managen allenfalls. Und kaum etwas diskreditiert sie im Ansehen ihrer Mitarbeiter und Kollegen schneller und mehr.

Natürlich gibt es auch die andere Sorte Manager: kontrollwütige, cholerische Sonnengötter, die alles besser können, deshalb nie zufrieden sind und an allem etwas auszusetzen haben. Aber die sind seltener. Wesentlich verbreiteter sind jene Bosse, die kritische Worte stets dort vermeiden, wo sie ihre Leute am dringendsten hören sollten. Diese netten Chefs sind die schlimmsten! Sie dividieren Freundlichkeit von Verantwortung und Fairness von Aufrichtigkeit. Sie suchen zuerst ihren Vorteil, statt den des Unternehmens und streben in erster Linie nach Anerkennung und Sympathie, statt nach bester Leistung. Das ist eine gefährliche Schwäche, und sie macht sie enorm erpressbar. In einer Arbeitswelt, die immer stärker auf Teamplay, Kommunikation und Kreativität basiert, ist ehrliches Feedback unverzichtbar. Wie sollen sich die Leute sonst entwickeln können? Und sei es nur, dass sie lernen, mit Kritik besser umzugehen. Stellen Sie sich eine Gruppe vor, in dem ein Mitarbeiter ständig große Reden schwingt, aber kaum etwas von seinen kühnen Visionen umsetzt, während alle anderen für ihn mitschuften. Die Kollegen sehen das, der Boss sieht das – und alle erwarten von ihm, das er etwas dagegen unternimmt, Tacheles redet, den Minderleister zur Rede stellt und die Arbeit fair verteilt. Doch er schweigt – aus Angst vor dem Konflikt, vor der dicken Luft hinterher und dem vorwurfsvollen Blick des verkannten Visionärs. Wie lange glauben Sie, geht das so gut? Über kurz oder lang wird die Luft trotzdem zum Schneiden sein, die wahren Leistungsträger werden sich kurz nach der Produktivität verabschieden. Und die Chefchefs werden sich sicher auch ihren Teil dazu denken: Test nicht bestanden. Jede Führungskraft sollte sich klarmachen, dass sie nicht dafür bezahlt wird, einen Sympathiewettbewerb zu gewinnen. Natürlich sollten die Kollegen ihren Chef respektieren und schätzen, aber das tun sie eben in der Regel an jenen Tagen, an denen er ehrlich Ihre Leistung bewertet nicht zwangsläufig. Na und?! Wenn die Kollegen grundsätzlich spüren, dass ihr Chef das aus Verantwortungsgefühl heraus und mit dem aufrichtigen Wunsch, sie zu fördern, tut, dann wird der Ärger schon in den nächsten Tagen verraucht sein. Die Leistungen werden sich nachhaltig verbessern – und nicht zuletzt wird auch der Chef an dieser Minikrise gewachsen sein. Das war die lange Antwort. Die kurz lautet: Nein, es gibt keinen solchen Weg. Man sollte unangenehme Dinge freundlich und respektvoll mitteilen. Aber sie zu verpacken, macht aus ihnen eine Mogelpackung und wirkt sprichwörtlich kontraproduktiv.

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