Kolumne: Fußball, Fitness, Führungskräfte!

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Ferdinand Linzenich

Kolumne

Ein heiterer Blick auf Fußball und Metaphern. Die zu allem passen, auch zum Management.

Das Thema Nummer eins ist zurzeit ja die Fußball-WM und das Abschneiden der deutschen Mannschaft. Selbst Leute, die normalerweise Messi für ein schottisches Ungeheuer und Robben für eine Fortbewegungsart halten, laufen plötzlich im Büro in Trikots herum.

Ich finde das toll, dieses nationale Gemeinschaftsgefühl. Fußball macht Spaß – ob man spielt oder nur zuguckt. Ob er uns allerdings Wesentliches darüber lehren kann, wie man Unternehmen fitter machen kann, wage ich zu bezweifeln.

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Einige prominente Fürsprecher hat der Fußball als Management-Metapher ja mittlerweile. Liegt natürlich in WM-Jahren auch etwas im Zeitgeist. Wenn nächstes Jahr eine 14-Jährige -ohne Sauerstoff den Mount Everest besteigt, ist wahrscheinlich Bergsteigen das beliebteste Bild für Unternehmenserfolge – und jede dritte Führungskräfteveranstaltung heißt dann „Together to the Top“ und nicht wie jetzt „Go for Goals“ oder „Challenge for Champions“.

Natürlich passen Fußball-Metaphern irgendwie auf alles. Leistungsdenken, Teamfähigkeit und klar verteilte Zuständigkeiten sind unbestritten sichere Erfolgsfaktoren – und kommen auch in Fußballmannschaften vor – allerdings nicht häufiger als in anderen Unternehmen.

Aber ist es zum Beispiel wirklich ratsam, wenn sie einen guten Vertriebschef im Unternehmen haben, für einen zweiten guten Vertriebschef viel Geld auszugeben, nur um diesen auf die Ersatzbank zu setzen, damit der erste nachts schlechter schläft? Oder wie darf man sich „taktisches Foulspiel“ im Unternehmensalltag vorstellen? – Wenn einer an dir vorbei will, hol’ ihn von den Beinen?

Auch „Mauern und Lauern“ ist nicht das, was man von -Führungskräften in Sachen „Gestaltungswillen“ erwartet. Und unter offener Kommunikation sollte man ja wohl auch nicht -verstehen, wer lautstark seine Meinung vertritt, riskiert die Rote Karte.

Wo der Vergleich von Fußball und Management meines Erachtens jedoch am allermeisten hinkt: Fußballer sind keine Manager, Fußballer sind hoch bezahlte Facharbeiter.

Erinnern Sie sich an die Szene, als Arjen Robben bei einem Spiel ausgewechselt wurde und der Superstar der Bayern an der Außenlinie von Trainer van Gaal wie ein Schuljunge zusammengefaltet wurde, weil er es gewagt hatte, seinem Ärger über die Auswechslung Luft zu machen? Fußballmannschaften haben nichts mit modernem Führungsstil und flachen Hierarchien zu tun, sondern eher mit den Führungsstrukturen der Steppenarmee von Dschingis Khan.

Man kann natürlich darüber diskutieren, ob patriarchalisches Führen uns nicht mittlerweile ein wenig zu sehr abhanden gekommen ist, aber das bietet Stoff für eine eigene Kolumne und ist jetzt nicht das Thema. Sport als Management-Lebenshilfe – denn das bisher Gesagte gilt natürlich nicht nur für den Fußball – ist also mit Vorsicht zu genießen. Das gilt auch für den Einsatz bekannter Sportgrößen als Motivationsredner.

Nicht mit 0:0 zufrieden

Ich frage mich da immer, was kann zum Beispiel ein Sparkassenkundenberater von einem Einhand-Weltumsegler lernen, außer vielleicht, dass es Jobs gibt, bei denen man sich noch einsamer fühlen kann. Oder was schlussfolgert ein Pharmakonzern in Sachen Produktentwicklung von dem Beispiel eines Profiradfahrers? Die ungewöhnliche Leistung, die Tour de France durchzustehen, hat mit der ungewöhnlichen Leistung, ein Produkt wie eine Anti-Krebs-Pille zu erfinden, ungefähr genauso viel zu tun wie meine Oma mit Table Dance – wenn man von grundlegenden Tugenden wie Fleiß, Disziplin, Beharrlichkeit und Kreativität absieht.

Die allerdings hätte man auch von meiner Oma lernen können, die in schwierigen Zeiten ihre Kinder durchbringen musste. Sie wäre aber nie auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben, wie „Together to the Topf! – Was Manager von Kindererziehung lernen können“.

Gut, der Kabarettist und der Geschäftsmann in mir hat auch schon darüber nachgedacht, ein Lebenshilfebuch zum Thema „Sport und Manager“ zu schreiben. Mit Kapiteln wie „Handicap 16 – Wie man auch halbtags im Beruf erfolgreich sein kann“ oder „Skilaufen für Krisenzeiten – Wie man lernt, dass es Spaß -machen kann, wenn es bergab geht“.

Aber zurück zum Thema: Ich finde, dass es keine allgemeinen Lösungen für spezielle Probleme gibt. Menschen sind zwar veränderungsfähig und können motiviert werden. Allerdings ist das keine einfache Aufgabe. Sie scheitert zumeist an Aktionismus, schlechter Kommunikation und fehlender Nachhaltigkeit.

Die Aufgabenstellung von Führungskräften sollte es deshalb sein, an konkreten Szenarien aus der Alltagswirklichkeit zu arbeiten, anstatt sportliche Vergleiche zu bemühen, die hinten und vorne nicht passen. Denn um auf das Fußballbeispiel zurückzukommen: Vielleicht lässt sich von dem Eisverkäufer, der im Stadion mit ungewöhnlichen Sprüchen für sein Produkt wirbt, unternehmerisch mehr lernen als von den 22 Fußballstars auf dem Rasen, die sich ja oft nur auf hohem Niveau taktisch neutralisieren. Der Eisverkäufer ist nämlich ähnlich wie ein Unternehmer nicht mit einem 0:0 zufrieden.

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