Kommentar: Die Herde und der Alltagsstress

Kommentar: Die Herde und der Alltagsstress

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Handelsaal der Wertpapierbörse in Frankfurt

Börsenturbulenzen vermiesen Anlegern die Lust auf Aktienfonds, jammern die Banken. Doch viele sind selbst schuld an der Misere.

Ist irgendwann gar nichts mehr übrig? Monat für Monat schrumpft das in Aktienfonds gebunkerte Vermögen. Im Januar warfen Anleger deutschen Fondshäusern wieder ihre Aktienprodukte vor die Füße. Unterm Strich zogen sie 3,1 Milliarden Euro ab. Selbst große Namen schützen nicht vor dem Kehraus. Der Aktienfonds mit den höchsten Abflüssen war der von Klaus Kaldemorgen gelenkte DWS Vermögensbildungsfonds I, er verlor 220 Millionen Euro. Top-Gewinner ist ein Neuling aus demselben Haus, der DWS Global Agribusiness, mit Zuflüssen von 171 Millionen Euro. Deutsche-Bank-Berater haben vermutlich viele Anleger, die Geld aus Aktienfonds abziehen wollten, zum Kauf des neuen Mode-Fonds animiert – Agrar ist im Moment en vogue.

Viele Privatanleger, die in Aktienfonds investierten, um Risiken zu streuen und möglichst stabile Gewinne einzufahren, halten die starken Schwankungen nicht mehr aus. Kursbewegungen, die einst in einem Monat üblich waren, halten Anleger inzwischen täglich in Atem. Aktienfondsmanager und -anleger sind die Getriebenen. Verantwortlich dafür sind ausschließlich Profi-Anleger.

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Egal, ob Eigenhändler in den Banken, Hedgefondsmanager oder Portfoliomanager von Versicherungen: Sie alle müssen ihre Investments regelmäßig Stresstests unterziehen und sich bei Vorgesetzten und zum Teil auch bei Aufsichtsbehörden für ihre Anlageentscheidungen rechtfertigen. Dazu rechnen sie meist den Value-at-Risk (VaR) aus, ein relativ simples Risikomaß, das den maximal möglichen Verlust eines Portfolios innerhalb eines festgelegten Zeitraums beziffert. Die Aufsicht fordert den Einsatz des Instruments im Risikomanagement von Banken oder Versicherern, damit diese auch künftig ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen können.

Genau das ist das Problem: Wenn Aktien in den Keller rauschen, gehen die Risiko-Ampeln auf Rot, sodass weitere Aktienpositionen aufgelöst werden müssen. Bekommen auch Händler in anderen Banken, andere Versicherer oder von Pensionskassen beauftragte Portfoliomanager ähnliche Signale, verkaufen die auch und beschleunigen die Kursbewegungen. Fondshäuser bieten jetzt Produkte, die aus der höheren Volatilität Profit schlagen wollen. Alles schön und gut, aber nur als Spielerei für Geübte.

Für den Normalanleger böten Aktienfonds gewiss eine gute Chance, langfristig ordentliche Renditen zu erzielen. Dass das sie den Appellen zur Aktienanlage trotzdem nicht folgen mögen, ist aber nur verständlich. Herdenverhalten von Großanlegern treibt Privatanleger aus dem Markt – das darf einfach nicht sein.

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