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Kommunikation: Reden ist Silber, Zuhören Gold

von Daniel Rettig

Führungskräfte und Angestellte sollen heute vor allem kommunizieren können – doch die Flut von Informationen in Mails und Meetings verdrängt eine Tugend, die wesentlich mehr bewirkt: das Zuhören.

Anderen ein Ohr leihen: Auch eine gute Strategie für den Job Quelle: Fotolia
Anderen ein Ohr leihen: Auch eine gute Strategie für den Job Quelle: Fotolia

Die Szenerie hatte etwas Gespenstisches. Als der General der US-Marine, Michael Abrashoff, im Juni 1997 Kommandant des Flugzeugträgers USS Benfold wurde, wohnte er der Verabschiedung seines Vorgängers bei. Doch als der alte Kapitän von Bord ging, guckte die Besatzung nicht traurig oder wehmütig – sie jubelte. Sogar recht laut.

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Abrashoffs Vorgänger hatte das Schiff äußerst autoritär und nach Gutsherrenart geführt – mit knappen Befehlen, zackigen Kommandos und scharfen Kontrollen. Rückfragen, Diskussionen oder gar Anregungen durch die Mannschaft waren alles andere als willkommen. Am Ende hatte er alle 310 Besatzungsmitglieder komplett demoralisiert und ihnen jegliche Motivation genommen. Abrashoff nahm sich vor, einen anderen Abschied zu erleben.

Also behandelte er vom ersten Tag an Begegnungen mit Crewmitgliedern mit höchster Priorität – so, als gäbe es in diesem Moment nichts Wichtigeres. „Das war nicht einfach, und ich war auch nicht perfekt, aber der Enthusiasmus meiner Crew motivierte mich zum Weitermachen“, berichtete Abrashoff später. Seine Methode beruhte auf einem vermeintlich simplen Rezept: Er hörte zu.

Abrashoff ist das Paradebeispiel für eine Tugend, die im Zuge der fortschreitenden Dauerkommunikation durch Handy, Internet und Meetings sträflich vernachlässigt wird: Wir alle sind nur noch auf Dauersendung – reden, präsentieren, diskutieren, simsen, twittern, mailen –, aber kaum einer schenkt seinem Gegenüber echte Aufmerksamkeit.

Erst vor wenigen Wochen fragte die Personalberatung Boyden Global Executive Search 400 CEOs, Geschäftsführer und Manager der oberen Führungsebene aus diversen Branchen, ob die Krise ihre Kommunikation verändert habe. Ergebnis: 75 Prozent gaben an, nun stärker auf ihre Mitarbeiter zuzugehen und auch das „persönliche Gespräch“ zu suchen. 64 Prozent informieren die Angestellten bevorzugt via regelmäßiger Mailings. Mit keinem Wort erwähnt die Studie eine viel wichtigere Eigenschaft: das Zuhören.

Zum guten Gespräch gehört das Zuhören

Sie hätten es besser wissen können. Als das Marktforschungsinstitut Allensbach im Jahr 2008 rund 1800 Deutsche danach fragte, was für sie zu einem guten Gespräch gehört, antworteten 80 Prozent „zuhören“. Im selben Jahr fand die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft heraus: Nur 16,5 Prozent halten ihren Chef für einen guten Zuhörer. Rolf-Magnus Weddigen gehört dazu. Seit August vergangenen Jahres ist der 46-Jährige Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Bain, bei der er schon seit 1989 arbeitet. Im Laufe seiner Karriere hat er sich vor allem eine Eigenschaft bewahrt – er hört zu. Weddigen nimmt sich die Zeit dafür ganz bewusst – gerade weil die Herausforderungen im Alltag so vielfältig und komplex seien: „Dafür muss ich Situationen vollständig verstehen.“

Ähnliche Prioritäten hat auch der Chef des Pharmakonzerns Roche. Severin Schwan hat sich im Unternehmen vom Praktikanten zum Chef hochgearbeitet und dabei stets aufmerksam zugehört. Damit er nichts vergisst, hat Schwan immer eine schwarze Mappe bei sich, in die er Ideen, Fragen und Informationen von Mitarbeitern einträgt. Berater Weddigen und Pharmaboss Schwan sind Vorbilder moderner Mitarbeiterführung. Denn wer sich bei der Arbeit nicht ernst genommen oder gar ignoriert fühlt, tritt die Reise ins geistige Exil an. Hinzu kommt: Manager, die nicht richtig hinhören, treffen womöglich falsche Entscheidungen; Mitarbeiter, die Anweisungen falsch verstehen, begehen kostspielige Fehler. Kollegen reden aneinander vorbei und gehen sich auf die Nerven. Kunden fühlen sich nicht ernst genommen und verabschieden sich.

All das resultiert in kostspieligen Fehlurteilen, in Unzufriedenheit und Demotivation. Gerade einmal 13 Prozent der Belegschaften sind derzeit noch mit Engagement bei der Sache, hat etwa das Marktforschungsinstitut Gallup festgestellt. In Zeiten von Twitter und E-Mail, von Blackberry und iPhone rauschen Dutzende von Informationen an uns vorbei. „Ich habe das Gefühl, dass die Menschen, die ich kenne, immer schneller erzählen, gerade so, als könnten sie nicht damit rechnen, dass genug Zeit bleibt, ihnen zuzuhören“, schreibt Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, in seinem Buch „Payback.“ Die Crux an der Sache: Zwar sind viele der Infohappen gratis – und dennoch bezahlen wir einen hohen Preis.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.04.2010, 21:11 UhrAlexander Fürstenberg

    Ja, aber in der Gesellschaft scheinen die Lautsprecher das Sagen zu haben. Wie verträgt sich das mit der Theorie? Wer immer nur zuhört, kommt (alleine) nicht weiter. Aus dem Verkauf ist bekannt, dass zwar Zuhören seinen Platz hat, man die Präsentation aber auch nicht vernachlässigen darf. Selbst wenn man hier eine "Arbeitsteilung" einführt, scheinen die Presenter immer noch einen höheren Status zu genießen. Das sollte man bei schönen Sprüchen wie diesem bedenken.

  • 06.04.2010, 11:54 UhrDaniel Rettig

    @Navigator: "Der Untergebene darf offen reden, wenn er dazu aufgefordert wird, andernfalls hat er zu schweigen" - so ein Klima halte ich für fatal. Den Tipp mit dem handgeschriebenen Zettel finde ich gut - persönliche Ansprache aber meist noch besser. Und dass Sie für die WiWo noch Hoffnung haben, freut mich natürlich.

  • 06.04.2010, 10:06 UhrAn Navigator

    Reden ist Silber, schweigen ist Gold. Das ist eine Aussage die ihre Abstammung aus den ersten Spuren des menschlichen Leben trägt. Ohne Meeting, informationsüberfluss oder bewusste Navigation der Menschen. Wenn Sie Herr Navigator die Meinung vertreten, das die ausführende Kraft nur dann sprechen darf, wann Sie es befehlen, dann haben Sie gänzlich den bezug zu einem menschlichen Miteinander verloren.

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