Konjunktur-Börse: Deutsche Aktien im Zielkorridor

Konjunktur-Börse: Deutsche Aktien im Zielkorridor

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Aktienhändler an der Frankfurter Börse

von Stefan Hajek

Die Anleger misstrauen dem Aufschwung. Das ist eine Chance: Die Party an der Börse ist erst vorbei, wenn auch Zauderer und Zweifler gekauft haben.

Für Konzernlenker wie BASF-Chef Jürgen Hambrecht muss es schwer sein, das wankelmütige Volk der Aktienanleger zu verstehen. Seit dem Höhepunkt der Krise im Winter 2008/09 ist der Mann damit beschäftigt, die Euphorie zu dämpfen, Lage und Aussichten seines Unternehmens kleinzureden. Es laufe nicht so gut, wie die Börse tue, hat er gebetsmühlenartig gewarnt, die Krise sei „alles andere als ausgestanden“. Doch die Anleger kauften mit jedem seiner Bremsversuche nur noch mehr BASF-Aktien. Von März 2009 bis April 2010 jagten sie den Kurs des weltgrößten Chemiekonzerns um 144 Prozent nach oben.

Paradox: Nun läuft es wieder rund für BASF. Und die Anleger lassen die Aktie links liegen. Seit April hat BASF gut sechs Prozent des Börsenwerts verloren. Dabei liefert der Chemieriese inzwischen exakt das, was Skeptiker immer gefordert hatten: nicht nur wackelige Gewinne dank rigider Sparprogramme, sondern auch Umsatzwachstum und mutige Zukunftspläne.

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Ähnlich ist das Bild fast überall in der deutschen Industrie: Ob Chemie, Auto- oder Anlagenbau – Umsätze und Gewinne haben teils schon das Niveau von vor der Finanzkrise erreicht. Neben BASF legten auch FMC, Fresenius, Henkel, Linde, Adidas, Siemens, VW, Infineon, Lufthansa, BMW, Daimler und Merck für das erste Halbjahr Zahlen vor, die fast alle erheblich besser als erwartet ausfielen. Nichts ist zu spüren vom Rückfall in die Rezession, vor der Pessimisten gewarnt haben, wenn erst die Lager wieder gefüllt und Konjunkturprogramme wie die Abwrackprämie verpufft seien.

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Deutsche Aktien

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Dennoch sind die Aktienkurse der Konzerne von alten Rekorden noch weit entfernt. Trotz einer Rally mit mehr als 70 Prozent plus seit März vergangenen Jahres liegt der Dax noch um 22 Prozent unter seinem bisherigen Rekord von 8151 Punkten, den er im Juli 2007 erreicht hatte. Der Börsenindex schwankt seit fast einem halben Jahr in einem engen Korridor zwischen 5700 und 6300 Punkten. Grund: Die meisten Anleger misstrauen dem Aufschwung.

Per Saldo ziehen Privatanleger weltweit Kapital aus Aktienfonds ab und parken es in vermeintlich sicheren Anlagen wie Tagesgeld oder Staatsanleihen. Besonders verhalten ist die Stimmung bei den Großanlegern, zeigt der Vertrauensindex des weltweit größten Finanzdienstleisters State Street. Der wertet regelmäßig alle Kauf- und Verkaufsaufträge von weltweit 100 institutionellen Anlegern wie Banken, Versicherungen und Pensionskassen aus.

Großanleger pessimistisch

Daraus berechnet State Street den Investor-Confidence-Index. Bei Werten unter 100 sind die Großanleger in Aktien unterinvestiert. Der Index notiert derzeit bei 96 Punkten. 2009 kletterte er zwischenzeitlich auf 122 Punkte, nachdem er Ende 2008 mit 82 Punkten auf seinen bisher tiefsten Stand gerutscht war. Sein Hoch hatte der Index Anfang 2000 bei 140 Punkten erreicht. „Der Pessimismus der Großanleger lässt Raum für positive Überraschungen, weil sie kaum investiert sind. Mit steigenden Kursen steigt erfahrungsgemäß der Druck auf die Geldmanager, wider eigenes Bauchgefühl doch Aktien zu kaufen“, sagt der Tegernseer Vermögensverwalter Alexander Seibold, der früher als Chefhändler der HypoVereinsbank Großanleger betreute.

Die Alternativen sind mau: „Die Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen sowie die Geldmarktzinsen dürften bis 2012 sehr niedrig bleiben; daher wenden sich mehr Anleger den Aktienmärkten zu“, sagt Giles Keating, Chef des Researchs bei Credit Suisse Private Banking in London.

Es sind vor allem die Aktien der vermeintlich krisenanfälligen Industrieunternehmen aus Maschinen- und Anlagenbau, Kfz- und Elektrotechnik, die an der Börse reüssieren. Exportwerte und Zykliker treiben – anders als in früheren Aufschwüngen – nicht nur die erste Erholung vom Krisenschock, sondern auch die zweite Phase des Aufschwungs. Die Aktien aus krisenfesten Branchen, wie Versorger, Versicherer oder Telekommunikation, hinken hinterher.

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